„In 10 Jahren kein Bargeld mehr“

Deutsche-Bank-Chef John Cryan löst mit Äußerungen in Davos lebhafte Debatte aus. München – Die Prognose von Deutsche-Bank-Chef John Cryan, Bargeld werde in den nächsten zehn Jahren verschwinden, stößt auf massive Kritik.

Sowohl Einzelhändler als auch Experten widersprechen Cryans These. „Meines Erachtens wird der Anteil des unbaren Zahlungsverkehrs zunehmen, und trotzdem wird Bargeld bleiben“, bekräftigte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in der „Bild“-Zeitung.

„Wir vom Handel lieben unser Bargeld“, sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayerns, der über 20 000 Einzelhändler vertritt. „Und unsere Kunden auch.“ Wieso solle man eine so gute Beziehung trennen? Nach Angaben der Bundesbank nehmen die Deutschen immer noch viel lieber echtes anstatt Plastikgeld in die Hand – 2014 bei rund 80 Prozent aller Transaktionen.

Der Anteil an Kartenzahlungen steigt zwar stetig, aber nicht rasant: 2008 wurden noch 58 Prozent des Zahlungsumsatzes über Bargeld abgewickelt, 2014 waren es immerhin noch 53 Prozent. Daran könnten auch lästige Gebühren für Händler bei Kartenzahlungen schuld sein. Bargeld kommt allerdings auch teuer: Die Gebühren für Münzrollen, die sich die Händler in der Bank holen müssen, seien jüngst immens gestiegen, sagt Händlersprecher Ohlmann. Inzwischen hielten sich Kreditkartengebühren und Wechselgeldkosten für die Einzelhändler die Wage.

Verbraucherschützer warnen seit langem davor, dass bargeldloser Zahlungsverkehr das Risiko von Verschuldung erhöhe. Die amerikanische Marketingprofessorin Priya Raghubir fand im Jahr 2008 in mehreren Studien heraus, was viele ahnten: „Weniger transparente Bezahlformen erleichtern das Geldausgeben.“ 114 Probanden in einem Restaurant gaben durchschnittlich 10,96 Dollar aus, wenn mit Bargeld bezahlt werden musste. Kam die Karte zum Einsatz, wurde für 12,70 Dollar gegessen und getrunken.  kmm

Kommentare