Ein Überfall wie im Krimi

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In seinem Auto ist Daniele N. von Unbekannten überfallen worden. Foto: Mell

Unglaublicher Überfall: Einem Autofahrer wird ein Stein auf die Windschutzscheibe seines Wagens geworfen. Als er anhält, steigen zwei Unbekannte in den Wagen, fesseln ihn und rauben ihn aus.

Räuber fesseln Autofahrer ans Lenkrad

Unglaublicher Überfall: Einem Autofahrer wird ein Stein auf die Windschutzscheibe seines Wagens geworfen. Als er anhält, steigen zwei Unbekannte in den Wagen, fesseln ihn und rauben ihn aus.

Von Dorita Plange, Jacob Mell, Jasmin Menrad

Sauerlach/Holzkirchen – Die Hände von Daniele N. schmerzen noch. Eine halbe Stunde lang war er mit festgezurrten Kabelbindern an sein Lenkrad gefesselt. „Ich konnte nicht glauben, dass mir das gerade passiert. Ich habe mich gefühlt wie im Film“, sagt der 28-Jährige der tz.

Der Einzelhandelskaufmann aus Holzkirchen (Kreis Miesbach) war am Montag in der Früh um 5.35 Uhr auf dem Weg in die Arbeit nach Sauerlach. Er war gerade von der A8 runtergefahren und auf Höhe eines Pendlerparkplatzes unterwegs. Dort stand auf der Gegenfahrbahn ein beleuchteter weißer Mercedes Sprinter. Daniele N. fuhr langsamer. Dann ein Schreck: Jemand warf mit voller Wucht einen Stein gegen seine Windschutzscheibe. „Plötzlich war die Scheibe weiß und von Rissen durchzogen. Mein Gesicht war voller Glasbrösel.“

N. hält seinen Mazda 6 Kombi an – da steigen blitzschnell zwei Männer in sein Auto. Einer ist auf dem Rücksitz, klemmt N.s Hals zwischen die Arme und drückt ihm das Gesicht mit der behandschuhten Hand zur Seite. N.: „Ich wiege 110 Kilo und habe Kraft, aber der hinter mir war richtig kräftig.“ Der andere fesselt ihn mit Kabelbindern ans Lenkrad.

Daniele N. beschreibt die Männer als kräftig, zwischen 30 und 40 Jahre alt. „Weil sie so gewalttätig und kräftig waren, vermute ich, dass es Männer waren.“ Beide sprachen Deutsch mit ausländischem Akzent und trugen Jacken mit beige-grünem Tarnmuster, dazu schwarze Handschuhe. Gesehen hat N. sie nur von hinten. „Ich habe in den Seitenspiegel geschaut, als sie weggefahren sind und versucht, mir das Nummernschild zu merken. Aber mir sind alle Buchstaben und Zahlen entfallen.“ Er erinnert sich nur an die Rostflecken auf dem Sprinter.

Die Männer haben ihm eine Packung Zigaretten und 60 Euro aus dem Geldbeutel geraubt. Der Motor des Mazda läuft noch, der Gang ist draußen. Das Auto ist Richtung Parkplatz eingelenkt – und so lässt Daniele N. den Wagen auf den Parkplatz rollen. Intuitiv hat er eine geniale Idee: Laut und deutlich sagt er „Hey Baby“. Wie immer meldet sich darauf das Spracherkennungssystem seines Handys. Daniele N. bittet sein Smartphone, die Polizei anzurufen. Während er auf die Polizei wartet, fährt ein Auto auf den Parkplatz. Daniele N. gibt Lichtzeichen, doch der Fahrer bemerkt seine Not nicht.

Wenige Minuten später sind Gott sei Dank die Polizisten da, schneiden ihn vom Lenkrad. Eine sofort einleitete Fahndung nach den Räubern bleibt ergebnislos. Nach der Befragung fahren die Beamten Daniele N. zu dem Supermarkt, in dem er arbeitet. N. trinkt einen Kaffee mit seinem Chef, der ihm freigibt. Erst dann ruft N. seine Frau an. Zuerst glaubt sie an einen üblen Scherz. Auch, weil ihr Mann so gefasst wirkt. Einen Tag später macht er einen coolen Eindruck: „Den Tag über ging es mir gut, aber in der Nacht, da haben mich die Erinnerungen eingeholt…“

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