„Die Todsünden sind gerade angesagter Lifestyle“

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-Herr Pfarrer Dirnberger – gibt es die Todsünde überhaupt noch?

Die Sünde hat immer mit Religion, Christentum und Gott zu tun. Und für jemanden, der nicht glaubt, wird es auch die Sünde nicht geben. Sünde bedeutet, dass wir uns als Menschen von Gott entfernt haben, unser eigenes Ding machen – ein Weggehen vom Willen Gottes, als gäbe es ihn nicht.

-So wie sich die moderne Gesellschaft zeigt, sind die sieben Todsünden gerade angesagter Lifestyle . . .

Ja. Und jeden Tag sterben deswegen auch Menschen. Nehmen wir die Maßlosigkeit: Die großen Industriestaaten verbrauchen die Ressourcen der Welt. Das ist mit ein Grund, warum an anderen Stellen Menschen verhungern. Aber auch im ganz Persönlichen: Es geht Leben verloren, wenn uns zum Beispiel der Neid zerfrisst. All das, was von Gott gedacht ist, dass Leben entsteht und wächst, wird von solchen Haltungen und Handlungen kaputtgemacht. Das ist Sünde.

-Mein Eindruck ist, dass sich die Intensität dieser Haltungen verdichtet...

Es wird uns ja auch viel eingeredet von der Industrie, von der Werbung, was alles gut für uns wäre. Vielleicht sind wir da ein bisschen blind geworden, was richtig und falsch ist, was dem Leben dient und was nicht. Dass die Todsünden ein spannendes Thema sind, dafür sind Hollywoodfilme, Romane, Lieder, sogar Computerspiele ein Beleg, und das deutet darauf hin, dass sie mit dem alltäglichen Leben auch viel zu tun haben. Es kommt eben darauf an: Gebe ich mich dem Sog widerstandslos hin oder mache ich mir das bewusst?

-Führen Todsünden wirklich in die Hölle?

Nach der katholischen Lehre sehr wohl. Schwere Sünden sind eine bewusste Abkehr von Gott. Und wenn wir glauben, dass Gott der Himmel ist und uns selbst im letzten möglichen Moment dagegen entscheiden, dann muss es auch etwas anderes geben als Himmel, sonst wären wir ja nicht frei.

-Ich dachte, Gott verzeiht immer...

Ja, eben. Nur wären wir nicht frei, wenn wir uns nicht auch dagegen entscheiden könnten. Wenn wir im letzten Moment das eigene Leben im Spiegel sehen, uns klar wird, dass wir Gott, anderen und uns selbst Etliches schuldig geblieben sind, gibt es die Möglichkeit der Reue und Vergebung.

-Welche Schwächen haben Sie?

Ich frag’ immer: Welche Laster hab’ ich nicht? Es gibt schon was, das steht bei der Todsünde des Hochmuts mit drin – meinen leichten Touch von Eitelkeit. Aber das ist für einen zölibatär lebenden Menschen auch ganz gut, Eitelkeit bewahrt einen vor Vernachlässigung, wo bei anderen die Ehefrau als Korrektiv einschreitet.

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