Die leise Ministerin zieht sich zurück

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Sozialministerin Emilia Müller saß schon auf vielen Stühlen im Kabinett, nun endet aber ihre Zeit im Landtag. DPA

Sozialministerin Emilia Müller (CSU) kandidiert im Herbst nicht erneut für den Landtag. Ihren Platz im Kabinett könnte sie nun bald verlieren.

Emilia Müller verzichtet auf Kandidatur 

von Sebastian Dorn

München – Ihre beste Eigenschaft ist die „Zähigkeit“, hat Emilia Müller mal gesagt. Zu ihrem 60. Geburtstag war das in der „Mittelbayerischen“, ihrer Heimatzeitung in der Oberpfalz. „Manche unterschätzen mich. Das freut mich am meisten.“ Tatsächlich: Oft wurde schon das Karriereende der Ministerin prognostiziert, doch jedes Mal behauptete sie sich. Seit 13 Jahren hält sie sich im Kabinett. Den nächsten großen Umschwung macht sie aber nicht mehr mit.

„Es war ein Entscheidungsprozess, der über eine lange Zeit gegangen ist“, sagt Müller (66) am Dienstag vor dem Konferenzsaal des Maximilianeums. „Ich habe mich entschieden, jetzt im Herbst nicht mehr für den Landtag anzutreten.“ Es sei Zeit, Platz zu machen für Jüngere und sich privat Zeit zu nehmen für die Familie. Ruhig und unaufgeregt gibt sie das Interview, fragt danach höflich, ob alles so gepasst hat. Das wirkt sehr geplant, sehr freiwillig.

Müllers Wiederwahl wäre aber so oder so unwahrscheinlich gewesen. Sie hat keinen eigenen Stimmkreis, und bei den aktuellen CSU-Umfragewerten könnte selbst Listenplatz 1 in der Oberpfalz fürs Parlament nicht reichen.

Müllers Rückzug als Abgeordnete im Herbst stellt schon heute ihre Zukunft als Arbeits- und Sozialministerin infrage. Intern galt sie sowieso als Wackelkandidatin, was einen Platz im neuen Kabinett des designierten Ministerpräsidenten Markus Söder angeht. Nun könnte es ihm noch leichter fallen, Neuanfang zu signalisieren. Was Frauen angeht, hat die CSU andererseits alle Mühe, überhaupt geeignete Kandidatinnen zu finden. Müller äußert sich dazu nicht, die Kabinettsbesetzung sei Söders Sache. „Das wird er auch richtig tun, so wie ich ihn kenne. Er hat alle Möglichkeiten.“ Dass die Oberpfalz weiter eine starke Stimme im Ministerrat haben wird, gilt als wahrscheinlich: Albert Füracker wird als Minister gehandelt. Er hatte von Müller 2015 den Bezirksvorsitz übernommen und sich zuletzt sehr für Söder eingesetzt. Der soll aber noch keine Gespräche bezüglich seines Kabinetts geführt haben.

Müllers Verhältnis zu ihrer Partei war nicht immer einfach. Mehrfach wurde ihr vorgeworfen, zu leise zu sein und blass zu agieren, als Europaministerin in der Eurokrise etwa. Zudem musste sie sich mehrfach bei Machtkämpfen gegenüber Männern behaupten, verlor sogar als amtierende Ministerin das Direktmandat. Aber Seehofer hielt dennoch an ihr fest. Ihre politische Karriere begann Müller 1990 im Kommunalen, wo sie noch heute tätig ist. Nach einer Station im Europaparlament kam sie 2003 ins Kabinett: als Umweltstaatssekretärin, zwei Mal Europaministerin (dazwischen eine Episode im Wirtschaftsressort) und seit 2013 als Sozialministerin.

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