Hoher Blutdruck

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Spender kritisieren BRK . München – Weite Anfahrtswege, Warteschlangen vor den Spenderliegen, fehlende Spendeanreize: Wenn das Bayerische Rote Kreuz Alarm schlägt, dass die Blutkonserven knapp werden, melden sich oft Leser mit Kritik am Spendeablauf bei uns.

Franz Weinauer, medizinischer Chef des BRK-Blutspendedienstes, antwortet im Interview.

-Herr Dr. Weinauer, immer wieder ruft das BRK dringend zu Blutspenden auf, weil die Konserven knapp werden. Wäre es nicht sinnvoller, einen finanziellen Anreiz zum Spenden zu schaffen?

Eine Bezahlung ist laut Transfusionsgesetz nicht erlaubt, weil sie eine falsche Motivation setzen könnte. Bei einem finanziellen Anreiz kann man nicht ausschließen, dass einzelne Spender mal eine Kontraindikation vergessen.

-...also zum Beispiel einen exotischen Urlaub verschweigen, nach dem man eigentlich nicht spenden dürfte.

Genau.

-In München hat der städtische Blutspendedienst früher 20 Euro für eine Vollblutspende bezahlt.

Für eine Vollblutspende ist eine Aufwandsentschädigung nicht gerechtfertigt, weil die Spende selbst in fünf bis zehn Minuten erledigt ist. Bei einer Plasma- oder Plättchenspende, wenn der Spender anderthalb Stunden an der Maschine hängt, ist das etwas anderes.

-Vielen Spendern geht es nicht um eine Belohnung, sie ärgern sich aber über lange Fahrtwege.

Die Anfahrtswege sind länger geworden, das stimmt. Wir können leider nicht mehr in jede Gemeinde gehen, wenn dann nur 50 Spender zusammenkommen. Aus wirtschaftlichen Gründen brauchen wir mindestens 80 bis 100 Spender, damit sich ein Termin trägt.

-Oft kommen viel mehr und die Spender müssen stundenlang warten. Können Sie dagegen was tun?

Schwierig. In München bieten wir an, dass die Spender sich für Termine anmelden können. Das probieren wir zurzeit auch an einzelnen anderen Spendeorten. Dann gibt es aber auch wieder die, die sagen: Jetzt spende ich freiwillig was und dann muss ich auch noch einen Termin machen. Wie man es macht, macht man’s verkehrt.

-Könnten Sie nicht einfach mehr Personal einstellen?

Lange Schlangen gibt es vor allem zu den Stoßzeiten, wenn die Leute um 17 Uhr nach der Arbeit zum Spenden kommen. Für diese gut anderthalb Stunden können wir aber keine zusätzliche Schwester einsetzen. Wir finden sowieso schon kaum Personal. Wenn dann noch Krankheitsfälle dazukommen, müssen wir inzwischen schon einzelne Spendetermine absagen.

-...aber das Rote Kreuz verdient doch auch an jeder Blutspende.

Von einem Verdienst würde ich nicht sprechen. Eine Blutkonserve kostet 80 bis 90 Euro. Davon bezahlen wir die Gehälter, die Bluttests, die Geräte und Gebäude. Unterm Strich kommt eine sehr enge Marge heraus, wir wirtschaften ja gemeinnützig. In den Benelux-Staaten, England oder Frankreich kosten Blutkonserven übrigens bis zu doppelt so viel – bei gleicher Qualität.

-Wie wollen Sie in Zukunft die Leute zum Spenden motivieren?

In den vergangenen sieben Jahren konnten die Krankenhäuser durch verbessertes „Patient-Blood-Management“ den Bedarf an Blutkonserven um rund ein Fünftel senken. Wegen des demografischen Wandels wird das aber nicht so bleiben. Deswegen machen wir weiter viel Werbung. Wichtig ist nämlich auch, dass die Leute besonders dann kommen, wenn wir zur Spende aufrufen. Eine Blutkonserve hält nur sechs Wochen, sodass wir für schlechte Zeiten keine Vorräte anlegen können. In Bayern ist die Spendenbereitschaft dankenswerterweise aber sehr groß.

Interview: Josef Ametsbichler

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