KOMPLIZIERTER BEINBRUCH IN DER „ROYAL BAVARIAN LIGA“ – OBERLANDESGERICHT SCHLÄGT VERGLEICH ÜBER 5000 EURO VOR

Gefoulter Kicker fordert Schmerzensgeld

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Neubiberg – Als die Hobby-Fußballer vom FC Broncos aus München-Neuperlach am 15.

Mai 2016 gegen die Fußballfreunde 09 aus Neubiberg (Kreis München) spielten, ging es hoch her. Bei ihrem Heimspiel in der Freizeitliga „Royal Bavarian Liga“ galt es für 09, einen Rückstand aufzuholen. Kresimir H. (23) war gerade in Ballbesitz. Da kam Nelson S. (24) angelaufen. Es krachte ordentlich. Der Stollenschuh von Nelson S. bohrte sich in den Unterschenkel von Kresimir H. Die Folge: ein offener Unterschenkelbruch links mit Komplikationen. Acht Operationen folgten, eine steht noch bevor.

Nun will Kresimir H. 15 000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz von seinem Gegenspieler – außerdem die Verpflichtung, dass er auch künftig für Schäden, die von der Verletzung herrühren, aufkommen muss. Das Landgericht München I hat dem Kicker im Juni tatsächlich das Geld zugesprochen. Eine ungewöhnliche Entscheidung. Doch Nelson S. hat Berufung beim Oberlandesgericht München (OLG) eingelegt.

Mit den Fouls beim Fußball ist es so eine Sache. Eine, die viele Hobby-Fußballer betrifft. Wenn die Verletzung aus dem üblichen Gerangel um den Ball heraus entsteht, so muss der Verletzte das in der Regel hinnehmen. In diesem Fall sagt Kresimir H. jedoch, dass Nelson S. auf dem Platz in Neubiberg von der Seite kommend in ihn „hineingesprungen“ sei, als er den Ball bereits abgespielt hatte. Es habe sich also nicht nur um einen einfachen Regelverstoß gehandelt, sondern um eine vorsätzliche Körperverletzung – in jedem Fall aber um einen Verstoß gegen die Fußballregel Nummer 12, in der „Fouls und unsportliches Betragen“ ausführlich beschrieben werden.

Der Kicker der Broncos war zwei Wochen im Krankenhaus, wochenlang musste er an Krücken gehen, das Bein hochlagern. Wegen einer verzögerten Heilung musste ihm bei der letzten Operation erneut das Wadenbein durchgesägt und gerichtet werden. Bis Februar 2017 war er arbeitsunfähig. Nicht nur das: „Ich war Elektriker“, sagt Kresimir H., „aber diesen Beruf konnte ich wegen der Verletzung nicht mehr ausüben.“ Jetzt hat er ein Studium zum Umwelttechniker begonnen. Fußballspielen ist ihm nicht mehr möglich. Er widmet sich jetzt dem Kampfsport.

Nelson S. hat die Situation auf dem Fußballplatz ganz anders in Erinnerung. Beide hätten nur versucht, den Ball zu spielen. Er sei einen Augenblick vor H. am Ball gewesen und habe diesen nicht gesehen. Sein Gegenspieler habe mit seinem linken Unterschenkel gegen die Unterseite seines Fußballschuhs getreten. Dadurch sei es zu der Verletzung gekommen.

Das OLG sah die Sache nun etwas anders als die erste Instanz. Seiner Meinung nach ist der Sachverhalt kompliziert und „nicht vollständig aufgearbeitet“. Das Landgericht hatte ein mögliches „Hineinrutschen“ mit einem eventuellen „Hineinspringen“ gleichgesetzt. „Aber das kann man so nicht sagen“, urteilte der Vorsitzende Richter Martin Kainz. Die tatsächliche Bewegung sei nicht festgestellt worden. Deshalb will das OLG den Fall ans Landgericht zurückverweisen, wo alle Zeugen gehört werden müssten. Außerdem müsste ein biomechanisches Gutachten eingeholt werden

Das Gericht hat deshalb angeregt, dass die Parteien einen Vergleich über 5000 Euro schließen. Die Spieler und ihre Anwälte wollen sich das jetzt überlegen. Sollten sie sich nicht einigen, fällt das OLG im April ein Urteil.

Der Vorsitzende hatte auch noch einen Seitenhieb auf den Fußball parat. Die Verletzungen von Kresimir H. seien „erheblich“. Auch die Verletzungen in den unteren Ligen, die oft zu Arbeitsausfällen führten, seien erheblich. „Fußball per se, das weiß man aus eigener Erfahrung, ist ein nicht ganz unproblematischer Sport.“ nina gut

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