WEIL UNKLAR IST, AUS WELCHEM TOPF DER AUFBAU DER EINRICHTUNGEN KÜNFTIG GEFÖRDERT WIRD, HERRSCHT GROßE UNSICHERHEIT

Finanzlücke bei der Großtagespflege

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Eine Mitarbeiterin der Großtagespflege Waltherstraße spielt mit Kindern. Hier wird auch der Nachwuchs von Mitarbeitern des Uni-Klinikums betreut. foto: sira

von doris richter. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat unangenehme Post bekommen – genauer gesagt einen Brandbrief.

Wie schon in Brandbriefen zuvor geht es wieder einmal um die Kinderbetreuung in der Stadt. Diesmal konkret um die Großtagespflegen. Diese Art der Betreuung erfreut sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit und auch die Stadt bezeichnet sie als wichtigen Baustein. Doch viele Betreiber von Großtagespflegen sind sauer. Das Problem: Die Finanzierung von Aus- und Umbauten ist derzeit nicht klar geregelt. Viele Projekte sind ins Stocken geraten. „Die Stadt verstärkt damit die Betreuungsplatzmisere“, heißt es in dem Brief.

Bis zu maximal zehn Kinder zwischen neun Wochen und 14 Jahren werden in einer Großtagespflege von zwei bis drei Fachkräften betreut. Ursprünglich entstand das Modell für selbstständige Tagesmütter- und -väter. Mittlerweile arbeiten immer mehr Fachkräfte wie Erzieher in Großtagespflegen und sind bei deren Trägern angestellt. Die wiederum kooperieren oft mit Unternehmen, die Kinderbetreuung für ihre Mitarbeiter anbieten wollen. Wie etwa die Großtagespflege an der Waltherstraße für die Mitarbeiter des Universitätsklinikums. Träger ist die sira Kinderbetreuungs gGmbH, die Großtagespflegen, sogenannte Mini-Kitas für Firmen, aufbaut und auch als Träger den laufenden Betrieb organisiert. Von ihr stammt auch der Brandbrief an die Stadtspitze, der von weiteren Trägern unterschrieben wurde.

Zwei Mini-Kitas hat sira schon realisiert, zwei stehen kurz vor der Eröffnung und vier weitere sind derzeit im Aufbau oder in Planung. Und genau dort hakt es. „Die laufende Förderung ist kein Problem, da funktioniert die Zusammenarbeit mit der Stadt wunderbar“, sagt sira-Geschäftsführerin Christina Ramgraber. Doch beim Auf- und Ausbau der Einrichtungen klafft eine Finanzlücke.

Bisher hatte die Stadt 1250 Euro pro Platz für Umbaukosten gewährt und den gleichen Betrag für die Ausstattung. Doch im Sommer legte der Freistaat das 4. Sonderinvestitionsprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung“ auf. Das Programm fördert beim Aufbau neuer Kinderbetreuungsangebote anteilig die Investitionskosten, auch in größerem Umfang als bisher die Stadt, und wird aus Mitteln des Freistaats und der jeweiligen Kommune co-finanziert. „Doch bisher fehlt ein Stadtratsbeschluss, der besagt, dass die Großtagespflegen aus diesem Topf etwas bekommen“, sagt Ramgraber. Und auch die alte Förderung gibt es gerade nicht mehr. „Wird ein Antrag auf Investitionskostenzuschüsse gestellt, heißt es derzeit oft, der Topf sei leer.“

Sollen die Projekte trotzdem realisiert werden, muss vorfinanziert werden – was sich viele Träger nicht leisten können. Die Folge: Vieles wird verschoben. „Es gibt keine Planungssicherheit, was die Schaffung neuer Betreuungsplätze zum Teil massiv verzögert“, sagt Ramgraber.

Bei der Stadt ist man sich des Problems bewusst. Derzeit werde geprüft, ob und wie das Verfahren und die Höhe der möglichen Investitionskostenförderung für Großtagespflegen verändert werden. Dann soll der Stadtrat entscheiden.

Doch auch für die Stadt ist es nicht einfach, denn noch ist völlig unabsehbar, wie viele Kosten bei einer Nutzung des Sonderinvestitionsprogramms für Großtagespflegen auf sie zukommen würden. Denn: Generell würden die als förderfähig anzuerkennenden Investitionskosten zu 65 Prozent durch die zuständige Kommune und zu 35 Prozent über den Freistaat Bayern finanziert. Die Stadt muss dabei komplett in Vorleistung gehen. Das Problem: Laut Sozialreferat ist der Fördertopf der Regierung von Oberbayern bereits komplett ausgeschöpft. Ob noch mal aufgefüllt wird, ist unklar.

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