Eine Statistik der Superlative

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In Handschellen abgeführt wurden 2017 etwas weniger Menschen. Nicht deshalb, weil weniger Täter gefasst wurden, die Aufklärungsquote ist gut. Es gab jedoch insgesamt weniger Straftaten in Bayern. Foto: Hoppe/dpa

„In Bayern leben, heißt sicherer leben“ – diesen Satz sagt Innenminister Herrmann gern, wenn er die Kriminalstatistik vorstellt. Gestern hat er ihn besonders stolz gesagt. Denn die Sicherheitslage in Bayern ist so gut wie seit 30 Jahren nicht mehr. Aber es gibt neue Herausforderungen.

weniger Straftaten in Bayern

Von Katrin Woitsch

München – Joachim Herrmann gebraucht dieses Jahr für die Präsentation der bayerischen Kriminalstatistik eine Menge Superlative. Die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 30 Jahren, eine herausragende Aufklärungsquote. „Wir haben unseren Spitzenplatz bei der Inneren Sicherheit weiter gefestigt“, betonte der Innenminister. Die Zahl der Straftaten ist auf 585 000 gesunken – ein Rückgang um 4,6 Prozent. Und diese positive Bilanz sei umso beachtlicher, als die Einwohnerzahl im Freistaat seit 1991 um rund 1,5 Millionen Menschen gewachsen ist.

Die Tatverdächtigen

Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen ist gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent gestiegen, er liegt nun bei 34,9 Prozent. Seit 2012 ist er um 9,5 Prozent gestiegen. 2017 wurden insgesamt 27 427 tatverdächtige Zuwanderer erfasst, die mindestens eine Straftat begangen haben – ein Plus von 4,2 Prozent. Delikte wie illegale Einreise oder Verstöße gegen die Residenzpflicht werden nicht eingerechnet. Bei den Straftaten der Mehrfachtäter handelt es sich vor allem um Diebstähle und Rauschgiftdelikte.

Tatort Asylunterkunft

2017 wurden 10 424 Straftaten in Flüchtlingsunterkünften registriert. Diese Zahl hat sich deutlich reduziert (2016 waren es über 12 000). Dennoch gab es 25 511 Polizeieinsätze in Asylheimen, vor allem wegen Gewalttaten, Sachbeschädigung, Diebstahl und Rauschgiftdelikten. Bei Straftaten von Zuwanderern waren 71,7 Prozent der Opfer ebenfalls Zuwanderer. Herrmann will darauf mit mindestens 200 zusätzlichen Sicherheitsdienstmitarbeitern in den Unterkünften reagieren.

Die Straftaten

Im vergangenen Jahr zurückgegangen ist die Zahl der Gewaltdelikte (-3,3 Prozent), der Diebstähle (-9,5) und der Vermögens- und Fälschungsdelikte (-5,1). Zugenommen haben hingegen Internetkriminalität (+3,9 Prozent), Rauschgiftkriminalität (+3,8) und die Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung (+26,2).

Für letzteres sei die Novellierung des Sexualstrafrechts der Grund, so Herrmann. Das spiegelt sich nun erstmals in der Statistik wider – mit einer Zunahme um 717 Fällen (+78,8 Prozent) von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexueller Übergriffe. „Eine Vergewaltigung kann nun auch ohne Gewaltanwendung vorliegen“, erklärte Herrmann. „Deshalb ist ein Vergleich mit den Vorjahren nicht möglich.“

Die Zunahme bei den Rauschgiftdelikten bereitet Bayerns Innenminister Sorge. „Cannabis ist nach wie vor die meist konsumierte Droge im Freistaat“, berichtete er. „Besonders im Auge behalten müssen wir aber auch die neuen psychoaktiven Stoffe.“ Das sind künstliche Drogen, deren Wirkstoffe erheblich variieren, deshalb seien sie unkalkulierbar. 37 Menschen in Bayern starben 2017 durch diese Substanzen – fast doppelt so viele wie 2015.

Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche – um 19,1 Prozent.

Aufklärungsquote

Die Aufklärungsquote hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert (+0,7 Prozent). Sie liegt bei 64,4 Prozent. Sehr hoch ist die Quote nach wie vor bei Straftaten gegen das Leben: 94,3 Prozent, etwas geringer als 2016. Bei den versuchten Tötungsdelikten blieb die Quote in etwa gleich (60,6 Prozent). Auch die Aufklärung der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lag mit 81 Prozent auf dem Niveau der Vorjahre. Bei der Aufklärung von (versuchten) Einbrüchen konnte sich Bayern auf 21,2 Prozent steigern. „Die Gefahr, Opfer eines Einbruchs zu werden, ist in Bayern bundesweit am geringsten“, betonte Herrmann stolz. „Diese Spitzenstellung werden wir weiter ausbauen.“

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