PROZESS UM RAUBMORD

Bestialische Tat: Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht

Malga L. gab den Tipp zum Tresor im Keller. Foto: Schmidt

Königsdorf – Im Prozess um den Doppel-Raubmord von Höfen bei Königsdorf (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) haben am 17.

Verhandlungstag nun auch der Hauptangeklagte und seine Schwester ausgesagt. Dabei wurde am Landgericht München II Erstaunliches publik.

Die 50-jährige Malga L. gestand über ihren Verteidiger, an der Planung des Verbrechens beteiligt gewesen zu sein. Sie hatte bekanntlich zu Lebzeiten den Mann der 76-jährigen Königsdorferin gepflegt, die als Einzige das Verbrechen überlebte. Während der Pflegezeit empfing Malga L. einmal ihren Bruder in Höfen. Robert P. (44), der Hauptangeklagte, kannte demnach das Mordhaus schon vor jener Nacht auf den 23. Februar 2017, in der zwei ältere Menschen auf bestialische Weise getötet wurden. Damals will Malga L. ihm aber noch nicht von dem Tresor erzählt haben.

Erst nach dem Tod ihres Patienten traf sie in der Heimat in Stettin ihren Bruder wieder. Er fragte, ob sie noch Kontakt zu „der Alten in Bayern“ habe. Aufgrund finanzieller Sorgen heckten sie den Plan aus, in das Haus einzubrechen und den Tresor mit dem Erbe zu öffnen. Malga L. behauptete, die Königsdorferin hätte viel Alkohol getrunken, vermutlich weil ihr die Anforderungen der Betreuung ihres kranken Mannes über den Kopf wuchsen. Abends schloss sie sich gegen 22 Uhr ins Schlafzimmer ein und wachte wohl erst am nächsten Tag wieder auf. Die Pflegerin führte das auf die Erschöpfung und den Alkoholkonsum zurück. Dass sie ihrem Bruder von dem Tresor erzählte, betrachtete sie im Nachhinein vor dem Gericht als ihren „größten Fehler“. Ihr Bruder, vollgepumpt mit Drogen aller Art, sprach von einer Tragödie, an die er sich nicht mehr erinnern konnte oder wollte. Schließlich aber erzählte der Pole, eine Frau im Obergeschoss geschlagen und dann den leblosen, nackten Körper eines Mannes nach unten geschleppt zu haben. Den Menschen hatte er für tot gehalten. „Ich bin ein Katholik, und ein Katholik schadet einem Katholiken nicht, und er tötet einen Katholiken nicht“, behauptete er voller Inbrunst. Was geschehen sei, sei wegen der Drogen und des fehlenden Hirns passiert, meinte er.

Mit dieser Erklärung wurde deutlich, dass sich die drei angeklagten Männer aus jeglicher Verantwortung für die mörderischen Taten stehlen wollten. Jakub G. (34), der als Erster Angaben gemacht hatte, stellte den 44-Jährigen als den Haupttäter dar. Dessen 25-jähriger Neffe hatte angeblich gar nichts anderes gemacht, als den irre schweren Tresor aufs freie Feld zu schleppen. Und Robert P. will nur auf eine Frau eingeschlagen und sie anschließend an den Füßen gefesselt haben, weil sie so strampelte. „Sie sollten Ross und Reiter nennen“, reagierte der Vorsitzende Richter Thomas Bott mehr als verärgert.

Auch über die Tatbeute bekam er beim 44-Jährigen wenig heraus. Der schraubte das gestohlene Bargeld nochmals herunter, sprach von etwas über 30 000 statt der in der Anklage genannten Summe von 60 000 Euro. Der Prozess dauert an. angela Walser

Auch interessant

Kommentare zu diesem Artikel