Azubi greift nach Waffe eines Polizisten

In der sogenannten Mohrhof-Siedlung fiel der Schuss. Foto: Ick

Schuss aus Dienstpistole  . VOn Stefanie Wegele und Carmen Ick-Dietl.

Ein Routine-Einsatz hätte in der Nacht zum Montag für einen Polizeibeamten auch tödlich enden können. „Wir sind froh, dass es so ausgegangen ist“, sagte gestern Josef Wimmer, Leiter der Mordkommission. Kurz nach 23 Uhr wurde die Polizei alarmiert, um nach einer vermissten 15-Jährigen zu suchen. Ein Polizeihauptmeister (32) traf auf den 19-Jährigen, der ihm verdächtig vorkam. Als er ihn kontrollieren wollte, lief der Münchner davon. An der Schmidbauerstraße holte der Beamte den Flüchtenden ein.

„Der Polizist nahm in dem Moment einige Männer wahr, von denen er ausgehen musste, dass sie sich mit dem 19-Jährigen solidarisieren“, erklärte Wimmer. „In der für ihn bedrohlichen Situation zog er die Dienstwaffe.“ Es folgte ein Gerangel, in dessen Verlauf der Azubi versuchte, die Hand, in der der Polizist die Waffe hielt, samt Pistole gegen den Beamten zu drehen. In diesem Moment fiel der Schuss. Das Projektil traf niemanden. Schließlich erlangte der Polizist die Gewalt über die Waffe wieder und steckte sie zurück ins Holster. Wie sich später herausstellte, hatte der Auszubildende zum Kfz-Mechatroniker mehrere 100 Gramm Marihuana bei sich. Der polizeibekannte Jugendliche sitzt nun in U-Haft und muss sich wegen versuchten Totschlags und Drogenhandels verantworten.

Am Tag danach fühlt sich mancher an die Schießerei am Unterföhringer S-Bahnhof vor einem Jahr erinnert. Damals war es ebenfalls zu einer Rangelei gekommen, bei der der Täter die Dienstwaffe eines Polizisten an sich riss und damit eine Polizistin lebensgefährlich verletzte. „Die Situation ist mit Unterföhring nicht zu vergleichen“, sagt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. In Unterföhring fand der Kampf um die Waffe, die im Holster steckte, am Boden statt. In diesem Fall hatte der Beamte die Waffe bereits gezogen – laut Martins wohlüberlegt.

Viele Anwohner hatten nach dem nächtlichen Schuss versucht, die Polizei zu verständigen. Bei der Perlacher Inspektion sei ständig besetzt gewesen, berichtet eine Perlacherin. Eine Nachbarin will die Rufe „Polizei, Polizei“ gehört haben, danach die Aufforderung „Steck die Knarre weg!“. Kurz darauf einen Knall. Als sie am Telefon durchkam, wusste man in der Inspektion bereits Bescheid. Währenddessen habe man weiter hysterisches Geschrei aus der Wohnanlage gehört, bevor mit Blaulicht und Sirene etliche Polizeifahrzeuge anrückten.

Der junge Mann, der bei seiner alleinerziehenden Mutter lebt, habe keine Waffe gehabt, auch seine Freunde hätten weder Messer noch andere Waffen bei sich getragen. Am Ende seien jedoch vier Beamte mit gezückten Pistolen in der Wohnanlage gestanden. Die Ottobrunner Straße wurde wegen des Einsatzes in diesem Abschnitt kurzzeitig komplett gesperrt. Die Polizei sei bis etwa 4 Uhr morgens in der Wohnanlage gewesen.

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