Das Armutsrisiko in Bayern steigt

1,76 Millionen Menschen gefährdet – Bundesweit geringste Pro-Kopf-Verschuldung. München – In Bayern sind offiziellen Angaben zufolge viele Menschen von Armut bedroht.

Nach dem neuesten Datenreport des Sozialministeriums waren im Jahr 2013 rund 1,76 Millionen Menschen im Freistaat armutsgefährdet – 40 000 mehr als im Jahr zuvor. Die Quote stieg von 14,1 auf 14,6 Prozent. Als armutsgefährdet gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der gesamten Bevölkerung auskommen muss. Besonders von Armut bedroht sind Alleinerziehende und Menschen über 65 Jahre.

Im bundesweiten Vergleich weist Bayern allerdings die niedrigste Quote auf. Gemessen am mittleren Einkommen in Gesamtdeutschland lag die Armutsgefährdungsquote im Freistaat 2013 bei 11,3 Prozent. In Westdeutschland lag die Quote bei 14,4 Prozent, im Osten bei 19,8 Prozent. In anderen Bereichen steht Bayern ohnehin blendend da: mit der geringsten Pro-Kopf-Verschuldung, der niedrigsten Arbeitslosenquote, der höchsten Erwerbstätigenquote – und dem höchsten Wohlstandsniveau. Das durchschnittliche Jahreseinkommen je Einwohner stieg auf 22 800 Euro.

„Bayerns Bürgern ist es mit ihrem Fleiß, ihrer Ausbildung und ihrer gegenseitigen Verbundenheit gelungen, sich in vielen Bereichen die besten Lebensbedingungen in Deutschland zu schaffen“, kommentierte Sozialministerin Emilia Müller (CSU). Erfreulich sei, dass die regionalen Unterschiede geringer seien als weithin angenommen. „Unser Ziel ist es, dass auch diejenigen, die bisher noch nicht von der guten Situation profitieren konnten, ihre Chancen bekommen.“

Dagegen zeigte sich Angelika Weikert, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, „etwas enttäuscht“, dass Müller nicht mehr auf die Armutsgefährdung einging. Erstmals gebe es ein Kapitel zur Wohnungslosigkeit. Ein Alarmsignal: „In Zukunft wird die Zahl derer noch steigen, die sich insbesondere in den Metropolregionen schlichtweg keine Wohnung mehr leisten können - schon ohne die Flüchtlinge war dies abzusehen.“ Die Grünen warnten vor einem Anwachsen des Niedriglohnsektors in Bayern.

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