Ruhpolding - Elf Tage sind es noch bis die vierte Biathlon-Weltmeisterschaft in Ruhpolding eröffnet wird. Bereits jetzt werden für die Titelkämpfe Rekordzahlen erwartet.

© Weitz
Internationales Fahnenmeer: Für die Weltmeisterschaft in Ruhpolding bahnt sich ein neuer Zuschauerrekord an.
Im Interview spricht Martin Haßlberger, Tourismusdirektor der Gemeinde Ruhpolding und Vize im Organisationskomitee der Weltmeisterschaft 2012, über die Vorbereitungen, Anstrengungen, Erwartungen und Wünsche rund um die anstehenden Festtage.
Herr Haßlberger, jetzt sind es knapp zwei Wochen bis zum Start: Wie ist Ruhpolding gerüstet?
Wie unterscheiden sich die normale Weltcup-Woche und die WM-Tage?
Der TV-Compound ist bei der WM proppenvoll. Sonst hat man vier oder fünf Nationen mit eigenen Fernsehteams, jetzt kommen 15. Das ist eine Dimension, die beim Weltcup nicht so groß ist. Zudem kommen über 300 Journalisten, das sind 100 mehr als sonst. Auch von den Nationen her haben wir einen Rekord. Es haben sich 45 Nationen gemeldet, noch nie waren bei der WM so viele dabei.
Welche Exoten haben wir?
Brasilien ist noch nie dabei gewesen. Wir haben die überhaupt nicht eingeplant, auf einmal melden sich die mit sechs Leuten an. Neuseeland war schon des Öfteren hier, allerdings waren die Auftritte im Weltcup zuletzt gering. Insgesamt haben wir über 800 Sportler, Trainer und Betreuer. Das ist eine gewaltige Zahl, denn ursprünglich sind wir nur von 600 bis 650 ausgegangen.
Auch bei den Zuschauern wird es wohl Rekordzahlen geben.
Ja, ich glaube schon, dass wir über 200 000 Besucher erreichen werden. Wir haben schon mehrere Wettkampftage ausverkauft - hier gibt es nicht mal mehr Streckenkarten. Aus Gründen der Logistik und der Sicherheit können wir nicht mehr als 28000 Zuschauer pro Wettkampftag aufnehmen, davon 16000 in der Arena und 12000 auf der Strecke. Für einige Bewerbe unter der Woche gibt es noch Karten (für 1., 6., 7. und 9. März, Anm. d. Red.), an den Wochenenden sind die Wettkämpfe aber bereits ausverkauft. Was uns viel gebracht hat in Sachen Kartennachfrage, das muss man ehrlich sagen, war die Bekanntgabe des Karriereendes von Magdalena Neuner. Viele sagen: "Das ist ihre letzte Weltmeisterschaft, die wollen wir noch einmal sehen."
Wie haben Sie in Ruhpolding diese Nachricht aufgenommen?
Es ist ja schon zuvor ein bisschen gemunkelt worden. Natürlich ist es für den Sport, für die Beliebtheit, nicht so positiv, weil sie ein enormer Werbeträger war. Sie war ja auch bei uns bei der Bewerbung in Prag dabei, das ist ein ganz nettes, bezauberndes Mädl, das den Charme rüberbringt. Es gibt wenige Sportler, die das mitbringen. Vielleicht gibt es in Zukunft auch wieder Sportler, die ähnlich erfolgreich sein werden, dann wird aber dieser Punkt fehlen, den sie einfach repräsentiert. Allerdings ist der Sport ja nicht auf eine Person ausgerichtet und es kommen international auch immer Leute nach, die etwas hergeben. Früher hat es ja auch eine Magdalena Forsberg gegeben, die dem Sport viel gebracht hat. Der haben die Zuschauer hier auch zugejubelt - auch wenn sie eine Schwedin war. Auch diese sympathische Person hat den Sport sehr vorangebracht.
Die WM-Vergabe war 2008 in Prag. Was ist seitdem in Ruhpolding geschehen?
Der größte Baustein war der Stadionumbau, der für 16 Millionen Euro über die Bühne gegangen ist. Es ist ein komplett neues Gebäude hingestellt worden, es gibt neue Streckenabschnitte und der Schießstand ist erweitert worden. Man hat die gesamte Zuwegung sowie die Parkplätze angepasst.
Mit dem sportlichen Geschehen war Ruhpolding ja weitgehend vertraut.
Der sportliche Ablauf ist uns einigermaßen geläufig, immerhin ist es schon unsere vierte Weltmeisterschaft. Aber die Dimensionen haben sich so rasant entwickelt, dass es doch wieder etwas ganz anderes ist. Das muss man halt auch in der Logistik unterbringen. Weiterhin steht aber der Sport an erster Stelle, obwohl sehr viele andere Dinge dazugekommen. Man beschäftigt sich zeitmäßig viel mehr mit dem Rahmen als mit dem Sport. Das ist aber auch wichtig, damit der Sport wieder gut vertreten ist - ansonsten wäre Biathlon nicht der beliebteste Wintersport.
Was bedeutet die WM für Ruhpolding und Umgebung?
Wie wollen Sie den Besucheransturm verkehrstechnisch lösen?
Wir haben in Inzell und Reit im Winkl Parkplätze mit Busshuttle eingerichtet - auch hier ist die Region mit eingebunden. In Inzell gibt es zwei Parkflächen mit über 1000 Plätzen. Insgesamt sind von den Parkflächen in Inzell, Reit im Winkl und Ruhpolding 60 Shuttlebusse im Einsatz. Mit der Eintrittskarte kann man zudem kostenlos mit der Südostbayernbahn fahren. Das bringt uns von den Parkplätzen her etwas an Entlastung.
Gibt es für die Eröffnungsfeier ein besonderes Programm?
Ja, ich darf aber noch nicht zu viel verraten. Allerdings wird es nicht so eine gigantische Feier wie im Vorjahr bei den Alpinen in Garmisch. Die war fürs Fernsehen ausgerichtet. Unsere ist für die Besucher ausgerichtet, also möglichst nah dran an den Leuten, möglichst persönlich. Wir haben einige Überraschungen an Künstlern dabei, Teile von der Feier werden im Fernsehen übertragen. Der Innenminister Friedrich, der höchste Repräsentant des Sports in Deutschland, kommt und wird die WM mit eröffnen.
Was ist außerhalb der Wettkämpfe in Ruhpolding geboten?
Es gibt ein sehr großes Rahmenprogramm. Wir haben den Champions Park, dort finden alle Siegerehrungen und die Eröffnungsfeier statt, zudem treten hier immer wieder Musikgruppen auf. In den Hütten ist an jedem Tag Unterhaltung geboten. Da gibt es dann auch keine Sperrstunde. Beim Dorfbrunnen gibt es zudem eine Kulturbühne, auf der vor den Siegerehrungen Veranstaltungen stattfinden. Hier treten verschiedene Künstler auf. Dort gibt es auch eine Großbildwand, auf der man die Wettbewerbe im Ort verfolgen kann. Der Wirtschaftsverband wird die Schaufenster im Ort dekorieren, für die Ortseinfahrt sind Eisskulpturen geplant.
Was ist Ihre größte Befürchtung?
Die Stimmung hängt sehr von der Witterung ab. Wir hoffen und beten dafür, dass das Wetter passt. Wir sind zwar auf alles vorbereitet, haben im Vorjahr den Weltcup unter widrigsten Umständen durchgeführt. Da hat es in Strömen geregnet, nachts ist das Wasser auf die Strecke gekommen und hat Teile davon weggerissen. So etwas wollen wir nicht mehr haben.
Worauf hoffen Sie?
Dass es heitere Spiele gibt. Und es wäre schön, wenn die Sonne im März ins Stadion kommt. Die größte Freude wäre, wenn am Ende der IBU-Präsident sagt: "Das war die beste Weltmeisterschaft bisher." Dass es gut war, freundlich, menschlich, sportlich auf einem hohen Niveau, medienmäßig gut vertreten und dass wir dann wieder einen gewissen Meilenstein in der Geschichte des Biathlons gesetzt haben.
Welche sportlichen Erwartungen haben Sie?
Es werden spannende Wettbewerbe. Bei den Männern ist wirklich alles offen. Da möchte ich jetzt keine Favoriten nennen, da kann man 30, 40 Sieganwärter aufzählen. Bei den Frauen ist es nicht ganz so eng, aber da gibt es auch zehn, 15 Kandidatinnen. Also die Magdalena (Neuner, d. Red.) ist da nicht alleine.
Wie sehr ist die Stimmung abhängig von deutschen Erfolgen?
Schon sehr. Also für uns wäre ein Erfolg in der Mixed-Staffel sehr wichtig. Ich finde diesen Bewerb am Anfang übrigens sehr gut. Gerade bei den Siegerehrungen wäre es aber wichtig, wenn da jemand von uns Deutschen dabei ist. Wenn wir im Mixed aufs Podest kommen, dann wäre das schon gut - was aber sicher nicht leicht ist.
Auf was freuen Sie sich ganz besonders?
Wir haben einen Tag der Legenden, darauf freue ich mich persönlich sehr. Peter Angerer und viele andere kommen am 1. März. Das wird eine tolle Zusammenkunft in Verbindung mit dem DSV mit Weißwurstessen und mehr. Da trifft man Leute, die man auch schon lange nicht mehr gesehen hat. Da kann man dann darüber reden, wie es früher war - dass man auf Scheiben geschossen und die Auswertung erst nach drei Stunden bekommen hat.
Interview: Neumeier (Oberbayerisches Volksblatt)



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