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Schleuser verursacht Unfall und flüchtet

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Er raste der Polizei auf der Autobahn davon, baute einen Unfall und flüchtete dann zu Fuß. Schließlich konnte die Polizei bei Rosenheim einen 36-Jährigen festnehmen, der elf Menschen aus Eritrea ins Land bringen wollte.

Ein Beleg für das Flüchtlings-Problem – das sich wohl noch verschärfen wird.

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Er raste der Polizei auf der Autobahn davon, baute einen Unfall und flüchtete dann zu Fuß. Schließlich konnte die Polizei bei Rosenheim einen 36-Jährigen festnehmen, der elf Menschen aus Eritrea ins Land bringen wollte. Ein Beleg für das Flüchtlings-Problem – das sich wohl noch verschärfen wird.

Raubling/Rosenheim – Um nicht von Fahndern der Bundespolizei erwischt zu werden, hat ein rumänischer Schleuser, 36, am Freitag das Leben von elf Flüchtlingen auf Spiel gesetzt. Als die Beamten den VW-Bus des Mannes auf der Inntalautobahn überprüfen wollten, raste er los und passierte mit etwa 180 km/h mehrere Baustellenbereiche. Auf der A 8 bei Rosenheim prallte er gegen ein Ausfahrts-Schild. Der Bus blieb liegen, während Fahrer und Insassen in verschiedene Richtungen losstürmten.

Die Beamten konnten die elf Flüchtlinge aus Eritrea, alle zwischen zehn und 26 Jahren alt, bald stellen. Um den Schleuser zu schnappen, brauchte es dagegen einen Polizeihubschrauber. Nach Angaben der Polizei hatte er sich auf einem Raublinger Schulgelände versteckt. Er sitzt in Untersuchungshaft.

So außergewöhnlich der Fluchtversuch des Rumänen ist, so gewöhnlich sind inzwischen die Fälle aufgegriffener Schleuser. Samstagnacht griff die Polizei auf der A 3 bei Hengersberg (Kreis Deggendorf) neun weitere Flüchtlinge aus Syrien auf, die – wohl von ihren Schleusern ausgesetzt – zu Fuß auf der Autobahn unterwegs waren. Allein die Bundespolizei in Rosenheim berichtet teils von bis zu 60 Menschen, die sie an einem einzigen Wochenende aufgreifen.

Das Geschäft der Schleuser-Banden ist ein Resultat der hohen Flüchtlingszahlen. Nun hat das Bundesamt für Migration bekannt gegeben, dass es mit noch mehr Asylbewerbern rechnet als bisher gedacht. Die Situation in Syrien, dem Irak und Afghanistan werde sich so bald nicht verbessern, sagte Bundesamts-Chef Manfred Schmidt. „Wenn ich mir diese Regionen anschaue, kann ich aktuell prognostizieren, dass die Zugangszahlen weiter steigen werden.“ Schon im ersten Halbjahr 2014 gab es 60 Prozent mehr Asylanträge als im gleichen Zeitraum 2013. Derzeit warteten noch 115 000 Asylbewerber auf eine Entscheidung. „Das ist eine komplette Jahresarbeitsleistung, und in den ersten sechs Monaten haben wir wieder 77 000 neue Anträge bekommen.“ Schon deshalb, betonte Schmidt, sei dringend mehr Personal erforderlich. „Das wird sicherlich auch Thema der nächsten Haushaltsverhandlungen für das Jahr 2015“, sagte er und verwies auf das von der Bundesregierung vorgegebene Ziel, Asylverfahren nach maximal drei Monaten beendet zu haben.

In diesem Jahr bekam die Behörde zusätzliche 300 Stellen – 100 davon sind sogenannte Entscheider, die die Anhörungen mit den Asylbewerbern machen. 200 sind Mitarbeiter im mittleren Dienst, die den Entscheidern zuarbeiten. Bislang arbeiten etwa 1000 Mitarbeiter des Bundesamtes im Bereich Asyl, 300 von ihnen sind Entscheider.

Bei bestimmten Herkunftsländern wie Afghanistan, dem Irak, Iran und Syrien habe man vorhersehen können, dass die Flüchtlingszahlen hochschnellen werden, sagte Schmidt. Deutschland sei von diesem Trend überproportional stark betroffen. Von 2005 bis 2008 hätten Länder, Kommunen und der Bund Kapazitäten abgebaut: Die Asylbewerberzahlen gingen runter, Unterkünfte wurden geschlossen. „Im Nachhinein müssen wir sagen: Das haben wir zu langsam wieder aufbauen lassen.“

Die elf Flüchtlinge aus Eritrea, die über das Mittelmeer und Norditalien bis nach Bayern kamen, sind inzwischen in der Aufnahmestelle für Flüchtlinge in München und beim Jugendamt untergekommen.  mm/lby

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