Aus der Schwesternküche wird eine Männerwerkstatt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Hier sollen Männer, die an Demenz erkrankt sind, das Gefühl haben, dass sie gebraucht werden. Im Keller des Mehrgenerationenhauses Flintsbach von links: Geschäftsführende Pflegedienstleiterin Monika Kaiser-Fehling, Evi Faltner (Assistentin der Geschäftsleitung) sowie die ehrenamtlichen Mitarbeiter Martin Grad, Rudolf Scheibl und Peter Lederwascher. Foto Weiß

Demenzkranke und ihre Angehörigen nicht allein lassen, darum geht es bei der OVB-Weihnachtsaktion 2015. Das Mehrgenerationenhaus Flintsbach, getragen vom Christlichen Sozialwerk Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach, hat sich dieser Aufgabe verschrieben.

Los ging es vor fünf Jahren mit sechs Gästen in der Tagesbetreuung - heute werden an einem Tag bis zu 40 Personen betreut und gleichzeitig die Angehörigen entlastet. Das Haus gilt als Leuchtturmprojekt im Landkreis Rosenheim.

Rosenheim/Mühldorf/Traunstein - Das Gefühl haben, dass man gebraucht wird, Nützliches tun kann und geschätzt wird - gerade für Demenzkranke ist das wichtig. Oftmals sind sie in der Vergangenheit gefangen, weil das Kurzzeitgedächtnis nachlässt oder ganz ausfällt.

Die im Mehrgenerationenhaus Flintsbach betreuten Männer waren lange Zeit die Versorger der Familie. Nun können sie zu Hause nur noch unter Anleitung leichte Arbeiten erledigen. Doch die Familie hat oft keine Zeit, sich um sie zu kümmern. Überlastete Angehörige reagieren falsch, weil das Verständnis für die Krankheit fehlt. Sätze wie "Was hast du jetzt schon wieder angestellt" sind an der Tagesordnung.

Im Mehrgenerationenhaus Flintsbach, das bis 2009 ein Kloster war, soll nun aus der früheren Schwesternküche, die nicht mehr benötigt wird, eine Werkstatt für Männer werden - eine Idee von Monika Kaiser-Fehling. Die geschäftsführende Pflegedienstleiterin, die seit 22 Jahren das Christliche Sozialwerk leitet, ist eine anerkannte Kory-phäe im Fachgebiet Altenpflege und Demenz.

In der Männerwerkstatt sollen Betroffene, die trotz Demenz noch körperlich fit sind, eine sinnvolle Aufgabe finden, damit sie nach dem Betreuungstag zufrieden und müde von der "Arbeit" zu ihren Angehörigen heimkommen. Die Werkstatt wird nicht modern, sondern mit altem Werkzeug ausgestattet. Die Männer werden zu Gegenständen greifen, die sie aus ihrer Jugend- und Lehrzeit kennen.

Solche Handgriffe sind oft so tief im Unterbewusstsein verwurzelt, dass sie automatisiert ablaufen. Erinnerungen werden wach, alle Sinne angeregt. Vogelhäuserl werden gebaut, Kripperl hergerichtet, einfaches Holzspielzeug für die Kindergartenkinder des Mehrgenerationenhauses hergestellt. Es riecht nach Holz und Leim, die Kreissäge surrt und kreischt - und plötzlich ist es wie früher: Mit einem Schlag fühlt man sich wieder jung - und wenn die Kinder dabei zuschauen oder mitwirken, dann sind die betagten Männer wieder "mittendrin".

Engagierte ehrenamtliche Helfer treiben das Projekt voran: Martin Grad, pensionierter Polizeibeamter und gelernter Zimmerer, Rudolf Scheibl, pensionierter Sonderschullehrer, und Peter Lederwascher, als gelernter Maschinenschlosser zuletzt in der Kaserne Degerndorf tätig. Das Trio aus Flintsbach und Brannenburg beteiligt sich am Umbau zur Werkstatt. Später stehen sie bei der Betreuung der demenzkranken Männer zur Verfügung. Die Teilnahme an einem 40-stündigen Intensivkurs der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft hilft den Ehrenamtlichen beim Umgang mit den alterskranken Menschen.

Obwohl Ehrenamtliche zusammenhelfen - ohne Spenden sind die Kosten für den Umbau der Küche zur Werkstatt nicht zu stemmen. Zumal das Projekt nur eines von vielen ist.

So setzt das Christliche Sozialwerk Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach voll auf die Unterstützung der OVB-Aktion "Schicksal Demenz". Zahlscheine für die Aktion liegen der heutigen Ausgabe bei.

Zurück zur Übersicht: Weihnachtsaktion

  • schließen
  • Weitere
    schließen