020.11.09|Wasserburg
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A
Pfaffing - Der Klang von Violinen durchdringt das Gebell streunender Hunde, das Getöse von Müllkränen. Händels Feuerwerksmusik ertönt - man könnte glauben, in Prag oder Wien zu sein. Doch die Bühne dieses Orchesters ist Cateura, die größte Müllhalde Paraguays in Asuncin. Ihre jungen Musiker spielen nicht auf normalen Instrumenten. Sie spielen mit dem, was Cateura in Fülle zu bieten hat: Abfall. Ein ganz besonderes Erlebnis war für die Schule in Pfaffing der Besuch und Auftritt von "Sonidos de la Tierra", die aus Paraguay in die bayerische Gemeinde kamen. Lehrerin Margret Mandetzky hatte den Kontakt zu dieser Musikgruppe hergestellt und Rektorin Inge Obermaier war sofort begeistert über das Projekt: "Die Geschichten der benachteiligten Jugendlichen sind unvorstellbar, aber die Musik hat ihr Leben verändert."

© OVB
Sprachprobleme spielten keine Rolle für Maestro Szaran und "Sonidos de la Tierra". Foto Drax
Nach dem Motto "Wer abends Mozart spielt, wird morgens nicht mit Steinen werfen" begann Maestro Luis Szaran vor sieben Jahren mit jungen Leuten in Paraguay zu musizieren. Im Rahmen einer Deutschlandreise machte die Gruppe neben Berlin oder Dresden, Frankfurt, Bonn oder Nürnberg nun auch in Pfaffing Station und faszinierte alle im großen Gemeindesaal.
Vor allem die herzliche Art des Maestros Szaran fiel sofort auf, der mit den bayerischen Buben und Mädchen - dank einer Übersetzerin - schnell ins Gespräch kam, alle in seinen Bann zog und mitriss. Die Stimmung war großartig und so ganz nebenbei erfuhren die Schüler viel Interessantes über das südamerikanische Land.
Die musikalischen Darbietungen waren beides - hörenswert und aufgrund der ausgefallenen Materialien auch äußerst sehenswert. Selbst profane Blechdosen kommen in der Werkstatt des Musikprojekts "Sonidos de la Tierra" zu neuen Ehren. Die Jugendlichen bauen daraus mit geschickten Händen Gitarren, Cellos, Flöten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, wo die Sonidos-
Cateura in Paraguay ist ein Ort, den selbst die Polizei nachts nicht zu betreten wagt, wo sauberes Wasser fehlt und Krankheiten grassieren. Genau hier wollte Luis Szaran mit Sonidos ein Zeichen der Hoffnung setzen. Das Müllorchester beweist, dass Musik nicht Edelholz, Gold und Silber braucht, sondern auch niederen Materialien zu entlocken ist. Mit der jungen Musikgruppe soll seine Geschichte um die Welt gehen. Eine Geschichte von Unnützem, das wertvoll wurde - eine Geschichte von vergessenen Kindern, die mit Feuereifer die Musik entdecken und wieder an die Zukunft glauben. rd
Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.