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"Respect" für behinderte Fußballer

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So prominent besetzt und besucht war ein Fußballereignis in Wasserburg selten: Beim ersten internationalen "respect-Turnier" geistig Behinderter in Bayern kickten auf Einladung der Stiftung Attl sogar ehemalige Nationalspieler der Behindertenelf - angefeuert von einer deutschen Rekordmeisterin, der Basketballerin Diana Popp, und einem Bundesligaprofi, dem Mainzer Florian Heller.

Anstoß mit Respekt: Bürgermeister Michael Kölbl (rechts) durfte beim ersten internationalen "respect-Turnier" in Bayern auf Einladung der Stiftung Attl den Ball in Bewegung setzen, unterstützt von Vorstand Wolfgang Slatosch (links) und Rekordbasketballmeisterin Diana Popp. Foto Duczek

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Anstoß mit Respekt: Bürgermeister Michael Kölbl (rechts) durfte beim ersten internationalen "respect-Turnier" in Bayern auf Einladung der Stiftung Attl den Ball in Bewegung setzen, unterstützt von Vorstand Wolfgang Slatosch (links) und Rekordbasketballmeisterin Diana Popp. Foto Duczek

Wasserburg-Attel - Das fängt ja gut an: Schon nach zwei Minuten gibt es für die Mannschaft aus Jaroslaw in Polen wegen Handspiels der Attler einen Sieben-Meter. Johannes Heinrich, Kapitän und Torwart der ersten Mannschaft vom Gastgeber, wirft sich dem Ball entgegen, der knapp das Tor verfehlt. Aufatmen bei den Trainern Helmut Dosch und Rudolf Sellner, die noch acht bange Minuten am Spielfeldrand mitzittern. Denn die Gäste aus Polen erweisen sich als durchtrainierte und taktisch gut aufgestellte Gegner. Doch die Attler Abwehr steht den Run auf das eigene Tor durch und erobert sich sogar selber zwei Torchancen.

"Beim nächsten Spiel müssen wir sie verwandeln", feuert Kapitän Heinrich sein Team nach dem Abpfiff an. Dem 20-jährigen geistig Behinderten ist der Ehrgeiz, der ihm in jungen Jahren bereits die Kapitänsbinde verschaffte, angeboren. Sein Vater stand früher selber beim TSV Wasserburg zwischen den Pfosten und steht heute mit der Mutter als begeisterter Fan an der Linie.

Moralische Unterstützung gibt es auch durch den leider verhinderten Star der ersten Attler Mannschaft, Christian Sedlmaier. Zwei Wochen vor dem Turnier hat er sich ebenso wie ein weiterer starker Stammspieler im Training so schwer verletzt, dass er nicht mitkicken kann. "Das tut mir im Herzen weh", ärgert sich das sportliche Aushängeschild der Gastgeber.

Wolfgang Slatosch, Vorstand der Stiftung Attl, kann diese Gefühle gut nachempfinden. In seiner Jugend ist er selber mit Leidenschaft dem Ball nachgejagt. Die Chance, das Turnier gemeinsam mit Bürgermeister Michael Kölbl und Basketballerin Diana Popp vom örtlichen Schirmherrn, dem TSV Wasserburg, anstoßen zu dürfen, nimmt er deshalb gerne wahr. Dass er zwischendurch ebenso wie Kölbl sportlich fremdgeht und mit Diana Popp in Spielpausen auf Korbjagd geht, nimmt ihm heute keiner übel.

Diana Popp misst sich hierbei mit einem überraschend starken Gegner, dem langen Torwart aus Uedem, Ex-Keeper der deutschen Nationalmannschaft der geistig Behinderten. Der Vater des am ADHS-Syndrom erkrankten Stephan Weidemann ist beim Turnier im Mehrfach-Stress: Als Fan, Trainer der Niederrheiner, Betreuer, Schiedsrichter und einer der Initiatoren des internationalen "respect-Turniers" für geistig Behinderte. Die Wurzeln liegen beim Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband, der das Ziel, für gegenseitigen Respekt zu werben, nach Informationen von Werner Weidemann umfassend sieht: "Wir setzen uns über den Fußball gegen Rassismus und gegen Gewalt und für Toleranz ein." Auch international bekennen sich die Sportler mit dem Ball zu gegenseitiger Achtung - unabhängig von Nationalität, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Behinderung oder Nichtbehinderung. Profifußballvereine und prominente Fußballer stehen hinter den "respect-Turnieren" für Behinderte, die so wie in Attl auch international ausgerichtet sind - unter anderem Franz Beckenbauer, Oliver Bierhoff, Olaf Thon, Gerald Asamoah.

Achtung gegenüber ihrem Können erspielen sich die 15 Mannschaften beim ersten Wettkampf dieser Art in Bayern auf jeden Fall. Hart, aber fair geht es auf dem Spielfeld zur Sache. Die auch mit einigen Frauen besetzten Teams aus Deutschland, Polen, Belgien und Österreich schenken sich nichts. Das Schiedsrichtergespann unter Leitung des Obmanns für die Gruppe Chiem beim Bayerischen Fußballverband, Josef Kurzmeier aus Ramerberg, hat schnell vergessen, dass hier geistig Behinderte gegeneinander antreten. Denn das Tempo ist oft hoch, die Motivation ebenso. Wer meckert, was auch vorkommt, wird von den Männern in Schwarz rigoros verwarnt.

Überhaupt steht der Fußball im Mittelpunkt - auch dank der professionellen Durchführung des Turniers mit allem, was dazu gehört: vier Nationalhymnen, Einmarsch der Mannschaften mit Fahnen und Wimpeln sowie lautstarken Fangruppen. Dolmetscher übersetzen die Anweisungen von Turnierleiter Matthias Opielka, auch Trainer der Attler, in die polnische Sprache.

Ein kameradschaftliches Lob für die gute Organisation gibt es von Stefan Barbarino, Trainer der Mannschaft aus der befreundeten Werkstatt Steinhöring. Nur beim Derby Steinhöring gegen Attl wird die sportliche Bekanntschaft für zehn Minuten vergessen. Denn beide Teams erklären unisono: "Wir wollen den Pokal." (Berichterstattung über das Finalergebnis und die Siegerehrung folgt). duc

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