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Intensives Augenmerk auf Senioren

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Gezielte Behandlung von "multimorbiden" älteren Patienten: Das soll eine akutgeriatrische Behandlungseinheit ermöglichen, die derzeit an der Romed-Klinik in Wasserburg aufgebaut wird.

OVB

© Königbauer

Patienten mit altersbedingten Mehrfach-Leiden machen einen großen Teil auf internen Stationen aus. In Wasserburg sollen sie in der Akutgeriatrie noch umfassender behandelt werden, so Dr. Petja Piehler und Stationsleiterin Jutta Hantschel (links).

Rund 40 Prozent der Patienten auf internen Stationen fallen unter die Kriterien einer geriatrischen , also altersmedizinsichen Behandlung - "und zwar in allen Akutkrankenhäusern", so Dr. Petja Piehler, die Chefärztin in Wasserburg. Hier wurde nun auf diese Entwicklung reagiert: Derzeit ist eine Behandlungseinheit Akutgeriatrie mit 20 Betten im Aufbau.

Wasserburg ist damit eine von 18 Kliniken in Oberbayern, die dafür die Anerkennung erhalten hat. Ursprünglich hatte der Freistaat das Konzept, die geriatrische Behandlung in Zentren zu bündeln. Doch davon ist das Sozialministerium wohl auch mit Blick auf die demografische Entwicklung abgerückt. Letztes Jahr konnten Kliniken, die bestimmte Fachvoraussetzungen erfüllten, die Anerkennung nach dem "Fachprogramm Akutgeriatrie" beantragen, Wasserburg war bei den ersten.

Mehr Pflegepersonal, dazu Logopädie, Ergotherapie, frühzeitige intensivere Physiotherapie und die Betreuung durch Ärzte mit Fachausbildung Geriatrie sollen helfen, älteren Patienten neben der Aktubehandlung möglichst schnell auch wieder zur Selbständigkeit zu verhelfen - auch nach Unfällen oder chirurgischen Eingriffen. Pflegende Angehörige sollen schon im Krankenhaus stärker mit einbezogen, typische Altersleiden wie Gedächtnisstörungen, Sturzneigung, Inkontinenz oder Immobilität gleich mitbehandelt werden: "Wir wollen einfach, dass sie schneller wieder auf die Beine kommen."

Denn das sei bisher ein Manko gewesen, so Dr. Piehler: Man habe zwar die "Ersterkrankung" behandelt. Den anderen Aspekten eines Krankenhausaufenthaltes älterer Menschen aber habe man oft nicht das notwendige Augenmerk widmen können.

Abgerechnet wird mit den Kostenträgern nach "Fallpauschalen". Für einen Patienten mit Lungenentzündung wird dabei gleich viel Aufwand anerkannt, egal, ob er 20 oder 85 Jahre alt ist. In der akutgeriatrischen Einheit ist das nun anders. Parallel zur Akutbehandlung kann hier schnell mit der Mobilisierung begonnen werden, oft entscheidend für die Genesung von Senioren. "Und wir erhalten das auch erstattet", so die Chefärztin.

Eine Rehabilitation, beispielsweise in Haag, sei im Anschluss trotzdem möglich. Eine Konkurrenz zum Haager Krankenhaus, wo es auch eine Akutgeriatrie gibt, sieht Dr. Piehler daher nicht. "Es sind sicher genügend Patienten mit geriatrischen Problemen vorhanden" - also laut Definition solche über 70 Jahre und mit Mehrfach-Beeinträchtigungen, "multimorbide", wie dies im Fachjargon heißt.

Gleich nach der Aufnahme wird der Patient entsprechend untersucht, seine altersbedingten Defizite sollen möglichst schnell gezielt mitbehandelt werden. Das laufe inzwischen gut an, so Dr. Petja Piehler: "Dem Pflegepersonal gefällt, dass es hier mehr Zeit für die Pflege hat." Entsprechende Fachschulungen finden in den nächsten Monaten statt.

Am Anfang habe es schon auch Skepsis im Wasserburger Krankenhaus gegeben, räumt die Chefärztin ein: Man habe befürchtet, zu sehr in die "Alters-Ecke" gerückt, in der Öffentlichkeit als Geriatrie-Haus wahrgenommen zu werden. Das wäre aber falsch: "Wir haben was dazu bekommen, aber unsere anderen Akut-Schwerpunkte bleiben unverändert."

In der internen Abteilung heißt dies neben der gastro-enterologischen Behandlung, die deutliche Steigerungen bei den Patientenzahlen erfahren hat, auch eine grundlegende Kardiologie und die Diabetologie, inzwischen auch mit der entsprechenden Patientenschulung. Dazu hat die Chefärztin in den eineinhalb Jahren, seit sie in Wasserburg ist, auch eine Aromatherapie und eine komplementäre Schmerztherapie etabliert.

"Die neue Akutgeriatrie ist eine Ergänzung, mit der die Attraktivität der Wasserburger Klinik gesteigert werden kann", ist sich Dr. Piehler sicher. Andere Romed-Häuser überlegten, dem Beispiel zu folgen. Denn das Problem der geriatrischen Patienten hat jede interne Abteilung. Wasserburg konnte auch deshalb am schnellsten starten, weil Dr. Piehler Fachärztin für Geriatrie ist. koe

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