"Griabig war's!" So brachte Bedienung Claudia das traditionelle Haager Starkbierfest im Bürgersaal auf einen Nenner. Neben einem Masskrugstemmen stand die Schlossturmrede heuer im Mittelpunkt.

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Wer erbarmt sich und kauft den Haager Schlossturm? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Starkbierfestes. Foto xy
Haag - Freuen durften sich alle Seppen. Zu ihrem Namenstag spendierten die Brauereien eine Freimass vom Unertl-Weißbier-Bock oder Graf-Toerring-Bock. Den musikalischen Hintergrund stellte wie in den Vorjahren Franz Stöckl mit seiner Albachinger Blaskapelle. Zum Anzapfen traten mit den Vertretern der Brauereien und dem Ehrenpräsident des "Kulturvereins", Erwin Kohl, alle drei Bürgermeister an: Hermann Dumbs, Dr. Winfried Weiß und Egon Barlag.
Sieben Damen holte Moderator Hans Kürzeder zum Masskrugstemmen auf die Bürgersaalbühne, darunter Gardetrainerin Manu Jakuschak und Seniorin Mathilde. Sie alle hatten keine Chance gegen die Haager Neubürgerin Christa Halmheu, die über Minutenlänge den vollen Krug länger hielt.
Gespannt erwarteten die Bürger die Schlossturmrede von Ludwig Meindl und Wilfried Greipel. Sie warfen von ihren Türmen aus einen kritischen Blick auf das schlafende Haag und bemängelten in erster Linie, dass keiner Geld für die längst fällige Schönheitsoperation des großen Turmes habe. Keine Hilfe käme vom Schlossturmerhaltungsverein von Winfried Weiß: "Die Mitglieder wissen gar nicht, ob der Verein noch existiert."
Um so aktiver werde der "Sanitäts- und Orthopädierat" Thomas Sax, der die Absonderung Lerchenbergs von Haag betreibe. Kanalisierung und Wohnbebauung habe er schon auf den Weg gebracht, um dann vor den Haager Toren zum Bürgermeister zu kandidieren, was er in Haag nicht könne. Da würden sich die "Faschingsbürgermeister" Herbert Zeilinger und Winfried Weiß als Thronfolger von Dumbs breitmachen.
Ein Hilferuf zur Sanierung war an Ludwig Schletter gerichtet. Er wurde aber abgelehnt, weil dieser dem großen Turm eine "Solarhaube" verpassen würde. Skeptisch blickten die zwei Haager Wahrzeichen auf die Möglichkeit, dass ein Ölscheich den großen Turm kaufe und im Schlosshof Bauchtanznächte aufführe. Mit der allerorts sterbenden bayerischen Gastronomie verglichen sie die mittelalterlichen Partys in den alten Gewölben. Nun setze sich der Trend durch, einmal im Monat aufzusperren, Partys zu feiern und abzukassieren: "Da ist klar, dass bei diesem Aufkommen in der Haager City die Lichter ausgehen."
Unter die Lupe nahmen die beiden auch den Werbering, der für City-Manager und aussichtslose "Shopping-Casting-Systeme" ein "Heidengeld" zum Fenster hinauswerfe. Der Zehentstadel werde nicht fertig, alle Interessenten hätten das sinkende Schiff verlassen: Bücherei, Jugendzentrum, Alpenverein. Jetzt könne Wera Schlegel in den düsteren Gewölben ihre Schlossgeister aufführen.
Abschließend appellierten die Türme an alle Haager: "Kaufts uns." xy
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