Wasserburg - So viel Grün, so viele Wälder, "es ist einfach wunderschön hier", finden Yaara, Sahar und Nitai, drei Mitglieder des Akkordeonorchesters Beer Sheva.

"Alles so schön grün hier", die Jugendlichen aus Beer Sheva, der Stadt in der Negev-Wüste, genießen die Landschaft und verlegen die Mittagspause einfach auf eine Wiese auf der Herreninsel. Wer braucht schon Tische und Stühle?
Die Jugendlichen aus der Stadt in der Wüste sind vom Chiemgau begeistert. Eigentlich war es ihnen egal, wo sie hinfahren, Hauptsache gemeinsam mit den anderen Jugendlichen des Orchesters unterwegs. Dass Beer Sheva am Rande der Negev-Wüste eine Partnerschaft mit dem Landkreis Rosenheim hat, das wussten sie gar nicht, räumen die knapp 17-jährige Yaara, der 16-jährige Sahar und der 15 Jahre alte Nitai leicht verlegen ein. Von der Partnerschaft haben sie erst von ihrem Dirigenten gehört. Und dann wurde eben Wasserburg das Ziel ihres neuntägigen Austausches.
Eine Woche sind sie jetzt hier, haben mit der Jugendkapelle der Wasserburger Stadtkapelle zwei Konzerte gegeben - eines im Festsaal des Bezirksklinikums und eines in Oberaudorf. Allerdings nacheinander, nicht miteinander. "Das kommt erst nächstes Jahr, wenn wir Pfingsten in Beer Sheva sind", sagt Georg Machl, stellvertretender Vorsitzender der Stadtkapelle und Initiator dieses Austausches. Denn die Stadtkapellenjugend und das Akkordeonorchester Beer Sheva musikalisch unter einen Hut zu bringen, das funktioniert nicht, es gibt keine entsprechenen Arrangements. Die hat sich der Dirigent der jungen Israelis für nächstes Jahr vorgenommen.
In der Zwischenzeit genießen seine Jugendlichen, zwischen zwölf und 19 Jahren alt, ihre Zeit in Oberbayern. Und sie sind vor allem fasziniert von der Landschaft: "Es ist so schön hier, vor allem der viele Wald", schwärmt Akkordeonistin und Pianistin Yaara. "Stimmt, so viel Grün gibt es bei uns nicht, das ist toll", findet auch Akkordeonist und Violonist Sahar. Und Pianist Nitai findet vor allem die Temperaturen klasse, "nicht zu heiß und nicht zu kalt". Da könne man wirklich was unternehmen.
Gefreut haben sich die Jugendlichen auch auf dieses Wochenende, da haben Renate Fischer und Georg Machl nämlich Erholung auf die Tagesordnung gesetzt. Wer heute im Badria unbekannte Töne aus vielen jugendlichen Mündern hört: Das sind die Gäste aus Israel. Die dürfen sich heute austoben und ausruhen. Am morgigen Sonntag ist dann Familientag mit den Gastgebern angesagt.
Yaara, Nitai und Sahar fühlen sich in ihren Gastfamilien wohl, Verständigungsproblem halten sich in Grenzen, denn die Jugendlichen beider Kapellen haben schließlich Englisch in der Schule und notfalls wird für die Eltern gedolmetscht. Die großen politischen Debatten werden ohnehin nicht geführt. Gesprächsthemen sind vielmehr die jeweiligen Alltage. Ob Schulsysteme, Orchesterarbeit, Autos, Landschaft oder Essen, irgendein Thema findet sich immer. So viele Gemeinsamkeiten die Jugendlichen auch finden, manchmal sind die Unterschiede doch gravierend: "Ich war ganz verblüfft, dass meine Gastgeberin mit 19 noch zur Schule geht", erzählt Yaara, "das gibt es bei uns nicht. Mit 18 Jahren gehen wir alle, Mädchen und Buben, zur Armee."
Wie der israelische Alltag aussieht, das erleben die Mitglieder der Stadtkapellenjugend 2012 beim Gegenbesuch in den Pfingstferien. In Israel findet dann auch der Festakt anlässlich 30 Jahre Jugendaustausch zwischen Beer Sheva und Rosenheim statt, eine Delegation an Kreisräten fliegt mit. Renate Fischer und Georg Machl auch. Die beiden können das Gemeinschaftskonzert der Stadtkapellenjugend und des Akkordeonorchesters dann entspannt genießen, für die aufwendige Vorbereitung sind andere zuständig. Die Vorfreude ist den beiden heute schon anzusehen.
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