Wasserburg - Die Fotovoltaikanlagen explodieren. Nein, nein, sie gehen nicht kaputt - ihre Zahl steigt rapide. Genau wie die Leistung, die sie ins Netz einspeisen.

© Hampel
Zumindest ist Sonnenenergie in nahezu unendlicher Menge vorhanden - selbst wenn mal wieder ein isländischer Vulkan Asche spuckt.
Die Stadtwerke Wasserburg haben sich die Nutzung und die Förderung der regenerativen Energien auf die Fahnen geschrieben. Aber nicht erst, seit die Kommunalpolitiker den Energiedialog 2050 beschlossen. Nein, am 1. August 1999 ging in Wasserburg die erste Fotovoltaikanlage ans Netz. Sie gehörte den Stadtwerken, ist auf dem Dach des Badrias und liefert bis heute Strom. 10,56 Kilowatt-Peak bei optimalen Bedingungen.
Das mit den Liebhaberstücken hat sich in den vergangenen zwei Jahren erledigt: 2010 entstanden auf 29 Wasserburger Dächern Fotovoltaikanlagen, 2011 waren es 27. Bedenken, dass die Einspeisevergütung noch drastischer gekappt wird, als es eh schon der Fall ist, vermutet Fritsch als Ursache.
Bisher verursachen die vielen Fotovoltaikanlagen bei den Stadtwerken zwar Verwaltungsaufwand, aber keine Kosten. Wobei sich das ändern kann. Denn der Gesetzgeber macht es sich mal wieder einfach, wälzt alles auf die Netzbetreiber ab, die sich selber kümmern müssen. Und gegebenenfalls das Netz ausbauen. Bisher hat das Netz der Stadtwerke gereicht, "aber wenn das so weitergeht, wird's knapp." Denn 2010 wurden Anlagen mit einer Gesamtleistung von gut 540 Kilowatt-Peak installiert, im vergangenen Jahr waren es gar 800 Kilowatt-Peak - darunter eine Anlage auf einem Einkaufsmarkt, die mit 230 Kilowatt-Peak das Anderthalbfache von dem liefert, das alle in den Jahren 1999 bis 2006 ans Netz gegangenen Anlagen gemeinsam schafften. Gut 1,1 Millionen Kilowattstunden Strom wurden 2011 aus Sonne produziert.
Ein Problem für alle Netzbetreiber, ganz gleich ob die verhältnismäßig kleinen Stadtwerke Wasserburg oder den Riesen Eon, ist die Schwankung, der die Einspeisung der Fotovoltaikanlagen ins Netz unterliegt. An einem strahlend sonnigen 20. Juni ist die Einspeisung nun mal deutlich höher als an einem verregneten 22.Dezember. "Bei uns geht's noch, aber bei den Großen ist das schon ganz schön happig", so Fritsch. Zumal wir in Deutschland ohnehin vergleichsweise verwöhnt sind, was die Stabilität des Stromnetzes angeht, "hier sind fünf Minuten Stromausfall ja schon fast ein Weltuntergang", stellt Fritsch trocken fest.
Die Einspeisevergütung der Fotovoltaikanlagenbesitzer kommt natürlich nicht von einem Goldesel. Die Anlagenbetreiber bekommen das Geld von den Stadtwerken. Die lassen sich die Ausgaben vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet erstatten. Und der schließlich, der holt sich das Geld von allen Stromkunden wieder. Derzeit rund 3,6 Cent pro Kilowattstunde plus Umsatzsteuer. Noch merke man das nicht, so Fritsch, aber "es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Nach-Fukushima-Boom für jeden Einzelnen finanzielle Folgen hat".
Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)
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