Waldkraiburg - Der Mitmach-Parcours "KlarSicht" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung macht seit gestern Station in der Schenkerhalle.

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An dieser Station dürfen die Schüler vom Gymnasium Waldkraiburg mit dem "Drunkbuster", einer Art Rauschbrille, rausfinden, wie schwer es ist, mit 1,3 Promille im Blut seine Bewegungen zu koordinieren.
Rund 300 Schüler aus Mühldorf und Waldkraiburg durchlaufen fünf Stationen und erfahren etwa, dass sie mit einer Rauschbrille, die einem 1,3 Promille vorgaukelt, keinen geraden Schritt mehr gehen können.
Das Präventionsprojekt zu den legalen Süchten nach Nikotin und Alkohol ist bundesweit unterwegs und besucht pro Jahr 52 Städte, wie die Projektorganisatorin Ingrid Schmitt berichtete. Pro Stadt werden rund 300 Jugendliche durch den Parcours geschleust, so auch in Waldkraiburg. 16.000 Jugendliche durchlaufen demnach pro Jahr den Mitmach-Parcours.
In Waldkraiburg gastiert dieser auf Einladung des Gesundheitsamtes Mühldorf - Angestellte des Gesundheitsamtes verstärken das "KlarSicht"-Team an jeder Station. Auch der Kreisjugendring ist mit im Boot.
Seit gestern sind die Joseph-von-Eichendorff-Förderschule, die Mittelschulen Mühldorf und Waldkraiburg, das Gymnasium Waldkraiburg sowie die Ferdinand-Porsche-Realschule im Parcours unterwegs.
Da gab es etwa den "Drunkbuster". Mit einer Rauschbrille, die einem vorgaukelt, 1,3 bis 1,5 Promille im Blut zu haben, fiel es den Schülern schwer, den vorgezeichneten Weg zu finden und ihre Bewegungen zu koordinieren.
An der Station "Talkshow - was meinst du?" spielten die Schüler die Regisseure für eine Talkshow, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Sie spinnen eine tragische Geschichte um Alkohol, Eifersucht und einen Unfall. Nach einer halben Stunde waren sie die Experten, die versuchen, dem Betroffenen aus seiner Misere zu helfen.
Bei "Zigaretten - nichts vernebeln" gab es ein Quiz. Keiner der 15-jährigen Gymnasiasten aus Waldkraiburg fand Rauchen "cool". Diesem Trugschluss liegen eher Drittklässler an der Bushaltestelle auf, wenn sie die "Großen" beim Rauchen sehen, so die Meinung. "Warum ist Rauchen erst ab 18 legal?", wollte Sozialpädagoge Turgut Tollu wissen. Je jünger das Gehirn damit anfange, desto eher lerne es, süchtig zu sein. Sie erfuhren auch, wer täglich eine Schachtel Zigaretten rauche, konsumiere 7000 Zigaretten im Jahr und verprasse damit rund 1825 Euro - ziemlich "uncool", wie die Schüler fanden.
Mit erhobenem Zeigefinger und klugen Belehrungen sei nicht geholfen, so Professor Elisbaeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Daher gebe es hier altersgerechte Rollenspiele und Diskussionen und dazu werden Entscheidungshilfen vermittelt.
Dr. Hans-Ulrich Kain, Chefarzt der Inneren Medizin am Krankenhaus Mühldorf nannte die Kosten, für die Primärversorgung eines betrunkenen Jugendlichen, der über Nacht im Krankenhaus bleiben müsse. Mindestens 600 Euro koste das die Krankenkasse.
Markus Steinmaßl, stellvertretender Leiter der PI Waldkraiburg, erklärte, wie die Polizei bei Präventionsmaßnahmen personell eingeschränkt sei. Doch gerade das, was man spielerisch in der Prävention lerne, bleibe eher hängen, als das, was man durch Bestrafung lerne, so Steinmaßl.
Harald Jungbauer, Zweiter Bürgermeister und Jugendbeamter der Polizei, der für die Prävention in verschiedenen Bereichen zuständig ist, sagte, man müsse die Lehrer mit ins Boot nehmen, "weil die Kids dann auch hinterher einen Ansprechpartner haben". Darauf setzt auch die BZgA. Nach dem Besuch des Mitmach-Parcours in der Schenkerhalle konnten die Lehrkräfte Info-Materialien mitnehmen, um die Thematik immer wieder im Unterricht aufzugreifen.
"Prävention ist nicht nur Wissensvermittlung", sagte Dr. Benedikt Steingruber, Leiter des Gesundheitsamtes. Man wolle ja eine Verhaltensveränderung erreichen und da sei der Mitmach-Parcours ein echtes Highlight. Die Schüler erfahren ein "Riesen Gemeinschaftserlebnis", werden aktiv gefordert und es mache ihnen sichtlich Spaß, mitzuwirken.
Diese Art von Prävention erreiche die große Mitte in den Reihen der Jugendlichen. Man setze darauf, dass auch die am Rand stehenden mit stabilisieren.
Die Runde diskutierte, warum sich heute die Jugendlichen treffen, um sich "zuzusaufen". Vielleicht seien es die wenigen Alternativen und Perspektiven. Der Landrat meinte, es liege daran, dass es heute so leicht sei, billig an süße und stark alkoholische Getränke ranzukommen.
Allerdings brach er an dieser Stelle eine Lanze für die jungen Leute, es handle sich nur um eine kleinere Gruppe, die hier negativ auffalle, es gebe auch sehr viele junge Menschen, die verantwortungsbewusst seien. Die Politik schaffe viele Fangnetze im Bereich Soziales und Bildung, damit kein Teenager auf der Strecke bleiben muss. Und sich nicht aus "No-Future-Frust" gezwungen sieht, zu trinken.
kla/Waldkraiburger Nachrichten
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