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Eine ganze Nacht für nur ein Foto

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009.11.09|Waldkraiburg|Waldkraiburg|
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Artikel: Eine ganze Nacht für nur ein Foto

Eine Weltraummission ist gar nicht unbedingt nötig, will man wissen, was es im All alles zu entdecken gibt. Das Projekt "Feuerkugelnetz" beschäftigt sich in seinen 14 Stationen in halb Europa mit Meteoriten. Ein Standort ist in Unterreit.

Einmal im Monat wird in der Meteoritenkamera der Film gewechselt, hier von Hartmut Riethdorf. Es ist eine handelsübliche Kleinbildkamera mit Motor und selbst konstruiertem Auslöser, die nach unten auf einen Spezialspiegel schaut. Fotos Günster

© OVB

Einmal im Monat wird in der Meteoritenkamera der Film gewechselt, hier von Hartmut Riethdorf. Es ist eine handelsübliche Kleinbildkamera mit Motor und selbst konstruiertem Auslöser, die nach unten auf einen Spezialspiegel schaut. Fotos Günster

Unterreit - Wie ist unser Planet entstanden, was gibt es im Weltall zu entdecken? Es muss nicht immer eine Weltraummission sein, um das herauszufinden, außerirdische Dinge kommen auch zu uns und das sogar tonnenweise jeden Tag in Form von Meteoriten. So gut wie alles wird in der Atmosphäre aufgerieben und verglüht dabei, aber ein geringer Teil findet den Weg nach unten. Dann wird es für Wissenschaftler interessant. Aus was besteht der Flugkörper? Woher kommt er? Das Aufspüren von Meteoriten hat sich das wissenschaftliche Projekt "Feuerkugelnetz" mit 14 Stationen in Deutschland, Luxemburg und Nordostfrankreich zum Ziel gesetzt. Eine der Beobachtungskameras steht seit kurzem in der Gemeinde Unterreit, genauer: neben dem Biotop im Oberreither Wildpark.

Vom Wendelstein nach Oberreith

Dieses Forschungsprojekt gibt es bereits seit 1966 und seit 1995 liegt die Verantwortung beim "Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt" in Berlin. Ziel ist die astronomische Grundlagenforschung. Die Oberreither Kamera stand zuvor auf dem Wendelstein, aber dort ist wegen des derzeitigen Umbaus beim Teleskop kein geeigneter Platz mehr. Durch Kontakte des Astronomievereins, der die Sternwarte im Wildpark betreibt, fand die Kamera ihren neuen Standort.

Jetzt, so berichtet Hartmut Riethdorf, ehremamtlicher Betreuer dieser Station, sei sie eingemessen und liefere Bilder. Da stellt sich gleich die Frage, wie sie denn die schnell fliegenden Himmelskörper im richtigen Moment erfasst? Das sei ganz einfach, erklärt Riethdorf. Der Fotoapparat, eine übliche Spiegelreflexkamera mit Film, macht in der Nacht genau ein Bild durch eine Langzeitbelichtung. Von der Spitze der Station aus fotografiert sie nach unten auf einen gewölbten Spiegel, in dem sich der Himmel reflektiert. Wird es Abend, drückt eine Steuerung auf den Auslöser. Wird es wieder hell, stoppt die Belichtung. Zu viel Mondlicht würde die Aufnahmen überstrahlen, in dieser Zeit gibt es ebenfalls keine Aufnahmen.

Alles, was in dieser Zeit Licht von sich gegeben hat, selbst leuchtend oder reflektierend, ist zu sehen. Weil die Erde sich dreht, sieht man keine Sterne, sondern nur deren Leuchtspuren und kann daran erkennen, in welche Richtung sich das Objekt bewegt hat. Meist bewegt sich kein Objekt, nur die Erde dreht sich, daher die kreisrunden Bahnen.

Um die schnelleren Himmelskörper von den langsameren zu unterscheiden und ohne damit jede Bahn studieren zu müssen, verwendet man eine exakt rotierende Blende vor dem Objektiv. Dem "langsamen" Sternenhimmel macht das nichts, die Bahnen sind immer noch da. Den schnelleren Objekten zerhackt es die Leuchtspuren im Rhythmus der Unterbrechung, sie fallen sofort auf.

Mit zweien dieser Bildern aus unterschiedlichen Stationen könnte ein Mathematiker Flugbahn, Geschwindigkeit und den Ort des Niedergangs berechnen. Das geschah erfolgreich 2002 in den Füssener Alpen. Mit dem Ergebnis, einen 1,75 Kilogramm schweren Meteoriten in den Händen zu halten. Weil der in der Nähe des Königsschlosses niederging, heißt er "Neuschwanstein".

Manchmal ist "alte" Technik doch besser

Zum Einsatz kommt dabei normaler Schwarzweißfilm, der verträgt höhere Kontraste und ist gutmütiger als digitale Technik. Die hat dieses Niveau noch nicht erreicht. In der Regel wechselt der Stationsbetreuer nach 36 Tagen den Film, schickt ihn ein, der Film wird entwickelt und die Bilder werden vermessen. Er, und je nach Wichtigkeit des Objekts auch die ganze Welt, bekommen Nachricht, falls die Kamera etwas Bedeutendes aufgezeichnet hat.

Für Hartmut Riethdorf ist die Betreuung etwas ungünstig, denn er wohnt 30 Kilometer vom Tierpark und damit der Kamera entfernt. Ideal wäre für diesen Job jemand aus der Nähe, wünscht er sich. Weil er nicht so oft herfahren kann, hat der ehemalige Fachlehrer für Elektrotechnik eine Steuerung mit Uhr, Magnet und Heizung eingebaut. Und der Wildpark verlegte die Stromleitung.

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