In der Langgasse geht nichts mehr. Ein Stau hat sich gebildet, weil Friedensaktivisten am Marktplatz gegen Atomkraft demonstrieren und auf das Waldsterben hinweisen. Diese Szene spielt im Kraiburg der 80er-Jahre. Regisseur Christian Lerch dreht hier seinen neuen Film "Was weg is, is weg" und stellt fest: "Die Problematik ,Atomkraft' ist die gleiche geblieben".

Filmdorf Kraiburg: Der Marktplatz wird zum Set. Die Komparsen mimen Friedensaktivisten und verursachen einen Stau.
Kraiburg/Taufkirchen - Der Film "Was weg is, is weg" stammt aus der Feder von Christian Lerch, dem Co-Autor von "Wer früher stirbt, ist länger tot". Die Geschichte: Zivi Lukas will sein Leben im Bayern der 1980er hinter sich lassen, um als Greenpeace-Aktivist nach Neuseeland zu gehen. Seine Pläne werden durchkreuzt, als sein geistig verwirrter Bruder Paul auftaucht. Zusammen mit dem dritten Bruder Hansi und Pfarrer Ben muss er sich auf eine Verfolgungsjagd nach einem abgetrennten Arm machen, der einem Unfall zum Opfer gefallen ist.
Die Hauptrollen spielen Florian Brückner, Mathias Kellner, Maximilian Brückner und Jürgen Tonkel. Laut Regisseur Christian Lerch handelt es sich um einen "Low-Budget-Film", der etwa 1,5 bis 2 Millionen Euro kostet und zusammen mit "Deutsch-Film" gemacht wird. Lerch vermutet, dass der Film im Frühjahr 2012 in die Kinos kommt.
Gedreht wurde in den vergangenen Tagen in Gallenbach/Taufkirchen beim Gasthof Maier im Schlachthaus und in Kraiburg in der Ortsmitte. Am Vatertag bevölkerten 180 Komparsen dort den Marktplatz und die Langgasse - die Ortsdurchfahrten waren für den Verkehr gesperrt. Am Freitag wurden sämtliche Wirtshausszenen beim Stolz-Bräu gedreht.
Trotzdem gibt es einen Stau, einen Film-Stau. Autos, wie alte Golfs, Sciroccos oder Monzas stehen in der Langgasse und kommen nicht mehr vorwärts, weil oben am Marktplatz Umweltschutzaktivisten demonstrieren und die Autofahrer mit Handzetteln aufklären. "Strom von Atom schädigt das Genom" rufen sie und trommeln dabei.
Der Waldkraiburger spielt seit 30 Jahren Theater und hat sich für diese Statistenrolle gemeldet. "Und jetzt hat es sich so ergeben, dass ich losschimpfen darf, weil der da über mein Auto läuft", berichtet er und rückt seine poppige Plastikbrille unter dem Strohhut zurecht. Er trägt, wie alle anderen Mitwirkenden an den Film, Klamotten und Accessoires aus den 80ern. Die Frauen stecken in Karottenhosen und unförmigen Blazern mit übergroßen Schulterpolstern, tragen gewagte Frabkombinationen und haben die Haare mit Neonbändern zum Seitenzopf gebunden oder das Pony toupiert. Die Männer präsentieren sich in hässlichen Hemden mit Paisleymuster und in Jeanswesten, Flickenhosen oder Blousonjacken.
In der Mittagspause speisten alle gemeinsam im Bischof-Bernhard-Haus. "Da fühlte ich mich gleich in diese Zeit zurück versetzt", berichtet schmunzelnd Komparse Pit Jonda, der mit seiner "Knutschkugel", einem roten Fiat 500, ebenfalls im Film-Stau steckt.
Mit von der Partie ist auch Done Brunnhuber, bekannt als Kirchenpfleger von Pürten. Er wirkte schon bei Til Schweigers "Eineinhalb Ritter" mit. Hier ist er ein Friedensaktivist mit Flickenjeans und Lederweste. Und er wird Feuer spucken. Produktionsleiter Tom Blininger erklärt, der Drehtag am Freitag werde etwas entspannter, da arbeite das Filmteam, das aus 35 Leuten bestehe, nur mit 60 Komparsen.
Einstweilen gibt Regieassistentin Jaqueline Winkel Instruktionen für das Geschehen rund um den Marktbrunnen. "Der Platz muss gut bevölkert sein, alle stehen da und quatschen", ruft sie in die Menge, die sich bereit macht mit Transparenten in den Händen - gegen Waldsterben, Autoabgase und Atomenergie. Eine topaktuelle Szene. "Das ist Zufall", sagt Christian Lerch. "Aber aktuell war das immer", so der 45-Jährige, der berichtet, dass in seinem Film originale Flugblätter aus den 80ern verwendet werden und stellt fest: "Die Problematik ist die gleiche geblieben." kla
www.innsalzach24.de/tipps
Die Kommentarfunktion ist bei diesem Artikel nicht aktiviert. Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.
Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.