Rosenheim - Die Altstadt Ost ist immer gut für eine Diskussion. Vergeblich versucht die Stadt dort bisher, die Themen Wohnen und Gaststätten unter einen Hut zu bringen.

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Wo jetzt in der Weinstraße Autos parken, stehen in der warmen Jahreszeit Tische und Stühle. Dort darf in Zukunft eine Stunde länger bewirtet werden, bis 23 Uhr, was nicht allen Stadräten gefällt.
Die einen wollen schlafen, die anderen ausgehen und sich vergnügen. In einem neuen Fall entschied ein Stadtratsausschuss jetzt zugunsten des Wirtes.
Schon oft hatten die Stadträte geschworen, im Quartier Färber-/Adlzreiter-/Weinstraße keine neuen Lokale mehr zuzulassen, auch keine Verlängerung der Öffnungszeiten. In einem Fall klagt deshalb derzeit ein Betriebsinhaber gegen die Stadt, in einem anderen mussten die Mitglieder des Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses über eine zusätzliche Stunde für die Bewirtung im Freien entscheiden.
Betreiber der Lokale in der Weinstraße dürfen bisher ihre Gäste nach 22 Uhr im Freien nicht mehr bewirten. Begründet wurde dies immer damit, dass es in der engen Weinstraße viele Wohnungen gibt, deren Bewohner sich zu späterer Stunde gestört fühlen könnten.
Dabei kommt es zu einer parodoxen Situation. Der einjährige Probebetrieb vor dem kleinen Lokal "arte & vino" in der Weinstraße mit wenigen Tischen so problemlos verlaufen, dass die Stadt den Dauerbetrieb erlaubt hat. Allerdings muss nach wie vor draußen um 22 Uhr Schluss sein. Dabei geht es vor Lokalen ganz in der Nähe, am Ludwigsplatz und im Hofbräukomplex, schon allein wegen deren Größe lauter zu. Dennoch dürfen dort die Tische im Freien bis 23 Uhr besetzt sein. Die Geräuschkulisse wirkt sich bis auf die Weinstraße aus.
"Auf der einen Seite wünschen wir uns Gastronomie, auf der anderen Seite steht das Ruhebedürfnis der Anlieger in den engen Gassen", seufzte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, als nun der Antrag auf eine Stunde mehr für "arte & vino" vorlag.
Wenn der Lärm von den Großen ausgeht, die länger öffnen dürfen und die "ruhigen Kleinen" nicht dieselben Rechte bekommen, sei das schon merkwürdig, kritisierte Franz Weiland von der WIR. Kurt Müller, SPD, stellte fest: "Ein Sommer braucht solche Oasen, und zwar durchaus bis 23 Uhr." Dem schlossen sich Franz Lukas von den Grünen und Hans Rass von den Republikanern an. Rass meinte: "Das Ganze spielt sich sowieso nur im Sommer ab. Und wenn es mal richtig warm ist, gehen die Leute sowieso nicht früh schlafen."
SPD-Stadtrat Andreas Lakowski sah das anders. Auch der Vorschlag von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, die Genehmigung auszusprechen und dann noch einmal nach einer gerechten Lösung für das gesamte Quartier zu suchen, stimmte ihn nicht m. Es gebe ja schon ein Konzept, hielt Lakowski ihr entgegen. Wenn das alte nicht funktioniere, sei auch ein neues sinnlos.
Für die CSU appellierte Margarete Fischbacher an ihre Kollegen, vor allem an die Menschen zu denken, die in diesem Bereich wohnen. Diese hätten ein Recht auf Ruhe. Es sei schon laut genug, eine erneute zeitliche Erweiterung für die Außengastronomie dürfe es nicht geben.
Das Stadtplanungsamt war gegen eine Genehmigung und verwies auf die Sanierungsziele in der Altstadt Ost. Dazu gehört, dass Konflikte zwischen Wohnnutzung und Gastronomie zu vermeiden sind. Das Umweltamt sah zumindest Spielraum, wenn nach 22.30 Uhr keine Speisen und Getränken mehr serviert würden.
Letztendlich hieß es im schriftliche vorgelegten Verwaltungsvorschlag, der Antrag auf Verlängerung sei abzulehnen. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ließ zwar durchblicken, sie könne sich durchaus eine Genehmigung vorstellen, stimmte aber im Sinne des Verwaltung ab.
Für den Vorschlag der Verwaltung stimmten mit ihr aber nur vier weitere Ausschussmitglieder. So kam zum Patt von 5:5 Stimmen. Damit galt der negative Vorschlag der Verwaltung als abgelehnt. Das war positiv für den Wirt: Dessen Gäste dürfen nun bis 23 Uhr im Freien sitzen.
bi/Oberbayerisches Volksblatt
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