128.01.12|Rosenheim Stadt|Rosenheim Stadt|
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Rosenheim - Gute Jugendarbeit macht es möglich: In der Endorferau, die in der Vergangenheit nicht den besten Ruf genoss, gibt es seit drei Jahren kaum mehr Ärger.

© Schlecker
"Energy" gegen Langeweile: Sozialpädagoge Bernd Wallner (von links), Sportpädagoge Heiko May und Sozialpädagogin Franziska Zimmermann (Mitte) betreuen den Jugendtreff.
"Das Miteinander zwischen Bewohnern und Jugendlichen klappt hervorragend", freuen sich die Betreuer von "Energy". Der Jugendtreff ist für viele junge Anwohner des Rosenheimer Stadtteils mittlerweile so etwas wie eine "zweite Heimat".
Seit zwei Jahren vergeht kaum ein Tag, an dem Amid seine freie Zeit nicht im Jugendtreff in der Endorferau verbringt. "Nur wenn ich krank bin, komme ich nicht", betont der 14-Jährige. Früher seien ihm die Nachmittage unendlich lange vorgekommen. "Mir war eigentlich fast immer langweilig", erzählt Amid. Dank des "Energy" hätte sich das völlig geändert: "Hier habe ich jetzt meine Freunde und wir spielen und ratschen zusammen."
Im Winter sind Billardtisch und Kickerspiel im Warmen besonders begehrt. Im Sommer geht es dann nach draußen zum Streethockey oder Fußball.
Montag ist für Amid der Wochentag, den er am wenigsten leiden kann. "Da ist das ,Energy' geschlossen", ärgert er sich.
An den übrigen Wochentagen treffen sich in der Jugendeinrichtung jeden Nachmittag rund 30 Kinder und Jugendliche. Unterschiedlichste Nationen und Kulturen treffen dort auf engstem Raum aufeinander. "Probleme gibt es trotzdem schon seit Langem nicht mehr", sagen die Betreuer übereinstimmend. Sozialpädagoge Bernd Wallner, Sozialpädagogin Franziska Zimmermann und Sportpädagoge Heiko May genießen ihre Tätigkeit in der Endorferau sehr. Viele der regelmäßigen Besucher sehen in ihnen sogar schon eine Art Familie. "Sie sprechen mit uns über alle Probleme", zeigt Wallners Erfahrung.
Peter kann das nur bestätigen. Der 19-Jährige ist seit sechs Jahren fast ständiger Gast im "Energy". "Meine Beziehung zu den Betreuern ist sehr eng. Ihnen vertraue ich. Hier ist meine Heimat", sagt er ganz offen. Ebenso gut versteht er sich aber auch mit den anderen jugendlichen Besuchern: "Da gibt es tatsächlich kaum Konflikte. Und wenn, dann können wir sie auch immer schnell lösen - nur mit Worten."
Die "Energy"-Betreuer setzen bei ihrer Arbeit manchmal auch auf eigenen Mut. Vor einigen Monaten organisierten sie ein Fußballturnier mit einer deutschen und einer türkischen Mannschaft. "Da haben auch wir im Vorfeld befürchtet, es könnte zu Problemen kommen. Aber alles lief völlig friedlich ab. Das war toll", freut sich Wallner. Ebenso gut funktioniere das Miteinander, wenn verschiedenste Nationen bei Fußballübertragungen vor dem Fernseher im "Energy" aufeinandertreffen.
"Für mich spielt es keine Rolle, woher jemand kommt", sagt der zwölfjährige Nico, für den der Jugendtreff in der Endorferau mittlerweile ebenfalls zum Lebensmittelpunkt geworden ist. "Hier treffe ich meine Freunde, kann spielen oder im Internet surfen."
Das männliche Geschlecht ist im Treff in der Oberwöhrstraße derzeit deutlich in der Überzahl. "Viele junge Damen treffen sich lieber im nahegelegenen Jugendcafé", wissen die betreuenden Sozialpädagogen.
Eine der wenigen, welche die die männliche "Übermacht" nicht stört, ist die 16-jährige Vanessa. "Ich hab damit kein Probleme. Ich fühle mich hier sehr wohl."
Die aktuellen Zustände im Jugendtreff seien tatsächlich in keiner Weise mehr mit dem zu vergleichen, was in den 1990er-Jahren von dort immer wieder gemeldet wurde. "Da musste der Treff sogar einmal geschlossen werden, wegen zu großer Brutalität", erinnert sich Sozialpädagoge Wallner.
Er und seine Kollegen haben für die Zukunft einen großen Wunsch - ein neues Heim für "Energy". "Das Gebäude ist in einem derart maroden Zustand, dass sich eine Renovierung mittlerweile nicht mehr lohnt", bedauert der Betreuer. Mittlerweile würden sich nicht einmal mehr die Fenster öffnen lassen und der Energieverbrauch sei aufgrund mangelnder Dämmung "eine Katastrophe".
wu
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