Rosenheim - Das Finsterwalder-Gymnasium will im neuen Schuljahr eine Ganztagsklasse anbieten, die die Schüler an vier Nachmittagen in der Woche zum Schulbesuch verpflichtet.
Eine solche gebundene Ganztagsklasse an einem Gymnasium wäre neu in Rosenheim.
Ob der Antrag vom Kultusministerium genehmigt wird, ist noch offen. Im Haupt- und Finanzausschuss nahm er die erste Hürde, aber erst nach längerer Diskussion und gegen zwei Stimmen der CSU.
Bisher gibt es in Rosenheim an Gymnasien nur sogenannte offene Ganztagsklassen, die nach dem klassischen Vormittagsunterricht ein Mittagessen und ein zusätzliches freiwilliges Nachmittagsprogramm anbieten. Jeweils zu Beginn des Schuljahres entscheiden die Eltern, ob ihre Kinder das Ganztagsangebot wahrnehmen.
Herbert Borrmann, der CSU-Fraktionsvorsitzende, sah das neue Angebot im Ausschuss kritisch. Er ist kein Freund des verpflichtenden Ganztagsunterrichts und betonte: „Wir wollen keine flächendeckende Ganztagsschule, die dem freien Elternwillen keinen Raum lässt.“ Beim Finsterwalder-Gymnasium, an dem die Anmeldungen in den letzten Jahren zurückgegangen waren, argwöhnte er zudem, die Schule wolle auf diese Weise ihre Schülerzahlen stabilisieren.
Wenn schon Ganztagsschule, dann sollten alle Gymnasien dieses Angebot machen, meinte sein Fraktionskollege Dr. Wolfgang Bergmüller. Es gehe um die extrem wichtige Weichenstellung für das spätere Berufsleben. Diese dürfe nicht vom Ganztagsunterricht abhängig gemacht werden, sondern müsse sich ausschließlich an den Fächern orientieren.
Allerdings kann keine Schule verpflichtet werden. Es ist Sache der Schulen, sich zu bewerben. Dies möchte das Finsterwalder- Gymnasium jetzt tun. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Gabriele Leicht, Lehrkraft am Ignaz-Günther-Gymnasium, nannte den Vorstoß ihrer Kollegen „mutig“. Die gebundene Ganztagsschule fordere ein großes Engagement der Lehrer. An allen drei Rosenheimer Gymnasien existieren derzeit lediglich offene Ganztagsklassen.
Nach den Vorgaben des Kultusministeriums kann eine gebundene Ganztagsschule an Gymnasien nur in den Jahrgangsstufen 5 und 6 eingerichtet werden. In Einzelfällen ist bei entsprechendem Bedarf der Ausbau bis zur Jahrgangsstufe 8 möglich.
Herbert Borrmann hätte das Thema lieber zuvor im Schul-, Kultur- und Sportausschuss besprochen. Doch die Zeit drängt. Der Antrag muss bis zum 16. März beim Kultusministerium vorliegen, der Ausschuss tagt erst später. Das Gymnasium wird sich nun mit einem pädagogischen Kurzkonzept bewerben. Es bietet aber auch weiterhin die traditionelle Schulform der Halbtagsschule und die offene Ganztagsschule mit Nachmittagsbetreuung an.
bi/Oberbayerisches Volksblatt
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