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„Alemanha“ hilft weiter in Porto Alegre

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Die Reise nach Porto Alegre – dort war das Spiel der Deutschen gegen Algerien – liegt schon einige Tage hinter uns, doch die Eindrücke haben sich gehalten. Weil es relativ kalt war, unsonnig und trist, die Häuser in die Jahre gekommen, aber keine Altbauten, in denen man gerne wohnen würde, erschien einigen Kollegen die Stadt wie eine Ostblock-Kulisse aus den 80er-Jahren.

Wir haben es nicht so empfunden – erst recht nicht, nachdem wir erfahren hatten, dass Porto Alegre eine urdeutsche Stadt ist. Das hat uns Arno Frost erzählt, der dort lebt und uns auf das große Jubiläum aufmerksam gemacht hat: Porto Alegre feiert gerade „190 Jahre deutsche Einwanderung“. Er selbst ist in Brasilien geboren, beide Eltern waren Deutsche. „Mei Muata“, kann er noch sagen, „is a Bayer“.

Als wir in Porto Alegre dann aus dem Bus stiegen, hat uns ein Polizist die rechte Hand entgegengestreckt: „Ich spreche Deutsch. Wenn’s irgendwas gibt, mir simmer do.“

Jeder dritte Einwohner von Porto Alegre ist irgendwie Deutscher, bei mancher Familie ist die Sprache über die Generationen (190 Jahre!) verloren gegangen, doch man hat die Wurzeln nicht vergessen.

Ein Tipp, den deutsche Besucher in Porto Alegre bekommen: Falls sie Taxi fahren, sollen sie beim Einsteigen „Alemanha“ sagen. Heißt nicht, dass der Fahrer sie nach Deutschland bringen soll, sondern dass man aus Deutschland kommt. Angeblich nimmt der Taximann dann den direkten Weg und verzichtet auf Tricks oder Nachverhandlungen.

Deutsche in Brasilien: Da gibt es auch noch einen kleinen über 70-jährigen Franken, der am Amazonas von Beruf Indianer-Häuptling ist. Und es sollen undercover auch noch Deutsche in der Dschungel-Region leben, die sich nach 1945 neu orientieren mussten und angeblich in U-Booten den Amazonas hinaufgefahren sind – aber nun gut, das ist wohl Legende.

Ob der Deutsche in Brasilien beliebt ist? Er schätzt ja diese immer wiederkehrenden Umfragen, nach denen er als Besucher weltweit geschätzt ist. Wir können schwer einschätzen, ob man in Brasilien überhaupt weiß, dass wir Deutsche sind.

Ob sie uns neulich in dieser Pizzeria in Porto Seguro durchschaut haben? Wir waren eine Fünfer-Gruppe, die fünf Pizzen bestellen wollte, jeder eine. Klar war nur: Es ist nicht die brasilianische Art, Pizza zu essen. Da serviert man erst ein Wagenrad, dann ein zweites, bei Bedarf ein drittes – für alle.

Wir mussten also umlernen, hatten am Ende aber das Gefühl, von der Bedienung vor einer zu üppigen Bestellung gewarnt worden zu sein. Wir haben mit einem Trinkgeldaufschlag von etwa 20 Prozent gedankt, woraufhin die Dame erst ungläubig lachte und dann jedem die Hand zum Dank reichte. Vermutlich sind wir in dieser Pizzeria beliebte Deutsche.

Günter klein

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