Bauernwirt soll Zufluchtsort werden

Auf großes Interesse seitens der Endorfer Bevölkerung, insbesondere der Anlieger und Nachbarn, stieß der Punkt "Unterbringung von Asylbewerbern im Bauernwirt", der in der jüngsten Ratssitzung Bad Endorf diskutiert wurde. Wie berichtet, sollen in der Wirtschaft rund 30 Asylbewerber untergebracht werden.
Noch seien allerdings die Verträge nicht unterschrieben, erklärten auf der Sitzung Werner Heinrichsberger senior und junior. Die Wirte wollen den Bauernwirt, der derzeit ohne Pächter ist, übernehmen. "Einige Details müssen wir aber noch mit der Auer-Brauerei klären", sagte der Junior den OVB-Heimatzeitungen.
Bad Endorf - Der Druck, Asylbewerber aufzunehmen, steige beständig, erklärte Bürgermeisterin Doris Laban. "Es wird jede Gemeinde treffen", betonte sie. Aktuell seien in der Marktgemeinde 40 Asylbewerber in Häusern und Wohnungen untergebracht: in Hartmannsberg, Am Mühlberg und in der Katharinenheimstraße. Zahlreiche Ehrenamtliche engagierten sich dort bereits intensiv. Um deren Arbeit zu koordinieren und einen generellen Überblick über die Aktivitäten zu bekommen, sollen alle Ehrenamtlichen und solche, die es werden wollen, in nächster Zeit zu einem Infoabend eingeladen werden. Zum Treffen werden auch die Mitarbeiter der Diakonie, die bereits vor Ort tätig sind, geladen. Interessierte erhalten Informationen über die Bereiche Arbeit und Schulbesuch für Asylbewerber sowie über die zahlreichen Zuschussmöglichkeiten.
Werner Heinrichsberger senior und junior, die den Bauernwirt pachten wollen, erzählten vor den Marktgemeinderäten und Zuhörern, dass sie aus der Traditionswirtschaft wieder eine einladende Gaststätte für alle Endorfer machen möchten. Besonders die große Kegelbahn soll wieder ein Anziehungspunkt werden. Heinrichsberger will seine bekannt gutbürgerliche Küche mit klassischen bayerischen Gerichten anbieten. "Ich möchte, dass der Bauernwirt wieder floriert."
Im ersten Stock stehen 16 Zimmer zur Verfügung, die als Unterkunft für die neuen Asylbewerber geplant sind. Doppelbetten sollen durch Einzelbetten ersetzt werden, außerdem werden die Zimmer mit Kühlschränken bestückt. Es wird einen Frühstücksraum für die Neuankömmlinge sowie einen eigenen Aufenthaltsraum geben. Schließlich werden die Asylbewerber einen extra Zugang zum Haus bekommen.
Dass eine solche doppelte Nutzung der Gaststätte auch wirklich funktionieren kann, das betonte Heinrichsberger, der ein solches Modell bereits im Goldenen Pflug in Frasdorf-Umrathshausen praktiziert. "Dort gab es zunächst Bedenken, doch inzwischen sind sie verflogen. Jetzt läuft es super", sagt er. Im Goldene Pflug leben derzeit 28 Personen, wobei zehn unter 18 Jahren sind. Von Vorteil sei, so Heinrichsberger, dass dort auch zwei Familien untergebracht sind. "Das bringt Ruhe rein."
Klare Regeln aufstellen
Wichtig sei es, klare Regeln aufzustellen, die den Neuankömmlingen genau erklärt werden müssen. "Dann klappt das Zusammenleben auch", so seine Erfahrung. Ob allerdings das Landratsamt für Bad Endorf Familien vorsieht, wisse er nicht. "Darauf habe ich keinen Einfluss. Ich kann nur Wünsche äußern", so der Wirt.
Steindlmüller lobt "Kümmerer-Initiative"
Frasdorfs Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller kann nur Gutes über die Situation im Goldenen Pflug sagen. Das sei allerdings auch der "Kümmerer-Initiative" am Ort zu verdanken. Zahlreiche Ehrenamtliche betreuen intensiv die Flüchtlinge. "Und das ganz konkret", sagt sie. Da gehe es um das Busticket für morgen zur Schule oder um den Reifen, der einen Platten hat. Fünf Frasdorfer geben Deutschunterricht und schauen auch die Hausaufgaben nach. Mit zwei Müttern, die jeweils mehrere kleine Kinder haben, fahren Ehrenamtliche zum Einkaufen. "Wir haben keinen Ärger", sagt die Bürgermeisterin bestimmt und fügt hinzu: "Man muss aber auch Probleme ansprechen, wenn es welche gibt." Andere Kulturen hätten eben andere Sitten. Musik nach Mitternacht sei in Frasdorf tabu.
Für eminent wichtig sieht Steindlmüller Vorab-Treffen mit Nachbarn an. "Da können viele Ängste schon im Vorfeld ausgeräumt werden." Gemeinsam mit der Bürgermeisterin hatten sich die Frasdorfer dann entschlossen, Flüchtlinge willkommen zu heißen. "Darauf bin ich heute noch stolz", sagt sie.