1945 fünf Tote auf Unglücksstrecke

Es erscheint wie eine unheimliche Dupliziät der Ereignisse: Nur 800 Meter von der Stelle des Zugunglücks vom vergangenen Dienstag entfernt hat sich vor knapp 71 Jahren schon einmal ein schwerer Zusammenstoß zweier Züge ereignet. Damals kamen fünf Menschen ums Leben. Am Dienstag waren es zehn (wir berichteten).
Bad Aibling – Auf diesen Vorfall, an den sich heute kaum noch jemand erinnert, stieß der Aiblinger Kreis- und Stadtrat Richard Lechner (SPD) in dem Buch „150 Jahre Eisenbahn im Mangfalltal“ von Armin Franzke und David Hruza. Darin wird geschildert, dass am 28. Mai 1945 um 23 Uhr ein mit ehemaligen Wehrmachtsoldaten besetzter Militärzug, aus Richtung Rosenheim kommend, „mit einem Leerzug aus Richtung Holzkichen im Streckenabschnitt Kolbermoor-Bad Aibling in km 29,5“ zusammenstieß. Die Unglücksstelle vom vergangenen Dienstag liegt nur 800 Meter davon entfernt, bei Streckenkilometer 30,3.
In dem Buch ist unter der Bezeichnung „Faksimile des handschriftlichen Unfallprotokolls vom 29. Mai 1945“ eine Zeichnung der Bahnmeisterei Bad Aibling abgedruckt, die den genauen Streckenverlauf und den Unfallort zeigt.
Bei dem Unfall 1945 starben fünf Wehrmachtsangehörige, 21 weitere wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Vier der Toten beerdigte später der Aiblinger Pfarrer Hermann Braun. Von zweien waren nicht einmal die Namen bekannt. Zu den leichter Verletzten zählten Zugpersonal sowie der Lokführer eines der Züge. Geborgen wurden alle Insassen durch Angehörige der Wehrmacht unter Mithilfe der amerikanischen Besatzung. Die Amerikaner, so steht es geschrieben, haben auch die Verletzten in das damalige Teillazarett Ludwigsbad in Bad Aibling transportiert.
Die beiden Lokomotiven von damals werden als nur leicht beschädigt beschrieben, hingegen waren etliche Wagen der beiden Züge entgleist und zum Teil komplett ineinandergeschoben. Die Aufräumarbeiten dauerten bis zum 30. Mai 1945.
„Die Unglücksursache liegt darin, dass die Fernsprechleitungen und die Fernmeldeleitungen zwischen Bad Aibling und Kolbermoor seit mehr als acht Tagen unterbrochen waren“, heißt es in dem Buch. Daher sei keine Verständigung zwischen den Bahnhöfen möglich gewesen. Die Zugfahrten seien auf Sicht durchgeführt worden.
Zu einem noch schwereren Zugunglück kam es nur wenige Wochen später in der Region. In den Abendstunden des 16. Juli 1945 starben in Oberelkofen bei Grafing 105 Soldaten, die zur Entlassung in ihre rheinische Heimat fuhren, sowie ein amerikanischer Soldat.
Diese Aufzeichnungen fand Lechner in dem Buch „Der Bahnhof am Wegekreuz Rosenheim – Eisenbahngeschichte und Stadtentwicklung“ von Stefan Freundl. Demzufolge fuhr damals ein mit amerikanischen Panzern beladener Transportzug auf einen wegen Lokomotivschadens liegengebliebenen Zug auf, in dem sich die Kriegsgefangenen befanden. Nähere Angaben dazu sind nicht bekannt. Im Friedhof von Oberelkofen erinnert jedoch ein Denkmal an das Unglück.
Allerdings geht der Autor noch auf den 26. Juli 1887 ein, an dem in Kolbermoor der Postzug entgleiste. Dabei wurden drei Personen verletzt. Im Bahnhof Rosenheim ereignete sich außerdem am 25. Juni 1919 „der einzige bemerkenswerte Unfall seit Bestehens des Bahnhofes“, schreibt Freundl. Und weiter: „Der Güterzug 2428 entgleiste mit zwei Lokomotiven und 16 Wagen, wodurch zwei Beamte getötet und fünf verletzt wurden und außerdem ein Sachschaden von über 100 000,- entstand“.
1945 FÜNF TOTE AUF UNGLÜCKSSTRECKE
NUR 800 METER VOM JETZIGEN UNFALLORT ENTFERNT

