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"Am Rande notiert" - ein Blog von Willi Börsch, OVB-Chefredakteur

Am Rande notiert...

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Herr Kalman und die Schi latte

 

© dpa"Schi latte"?

16. April 2012 - Sie kennen das alle aus dem Urlaub, und Sie haben sicher schon herzhaft darüber gelacht: Vogelwilde Übersetzungen von Hinweisschildern, Bedienungsanleitungen oder Speisekarten. Von ganz spezieller Raffinesse ein Exemplar aus Santorini, auf dem wahre Raritäten offeriert werden. Kostprobe gefällig?

Bitteschön:

Kleine Tomaten des Gurke-Kopfsalates;

Römische Rakete, Ei, Huhnleiste, Nüsse, kleidend an;

Loich, Rotkohl, kleidend Lachs leiste;

Angefülltes Rebeblätter (mit Reis & Kleiden).

Angesichts dieser fragwürdigen Delikatessen mag den Eingeborenen das Wasser im Mund zusammen laufen, uns laufen eher die Tränen aus den Augen. Die spinnen wohl, die Griechen. Die sollen erst mal sparen lernen, bevor Sie an der Sprache von Homer und Platon rumübersetzen!

Um sich über derartige Sprachkapriolen zu amüsieren, müssen Sie übrigens keineswegs eine tausende von Kilometern entfernte Inselwelt besuchen. Ein Abstecher nach Raubling tut‘s auch.

So empfing mich meine bessere Hälfte kürzlich ganz aufgeregt, als ich abends nach Hause kam: „Das glaubst Du nicht! Das kannst Du Dir nicht vorstellen!“ Was natürlich Unfug war, weil ich meiner Frau erstens alles glaube und ich es zweitens überhaupt nicht mag, wenn jemand meine Fantasie unterschätzt.

Im Nachhinein muss ich ihr allerdings Recht geben: Ich hätte mir wirklich nicht vorstellen können, dass die kuriose Speisekarte noch zu toppen wäre. Sie war es. Und wie!

Da lag also dieser kleine unscheinbare Zettel, mit dem ein Kalman B. aus Szentkiralyszabadja darüber informierte, dass eine ungarische Familie eine Sammlung organisiere. Was er sammelte? Offenbar alles. So jedenfalls lässt sich der Zettel deuten, auf dem der Madjare fein säuberlich aufgelistet hatte, welche „hinausgetanten Sachen“ er abhole.

Computer© dpa"Komputer maschine"?

Die Liste las sich zunächst ganz vernünftig: Rutsche, Schaukel, Nähmaschine. Dann aber verlor sich der sammelwütige Szentkiralyszabadjaner in den Wirren der deutschen Sprache. Und ich bekenne: Wir amüsierten uns köstlich! Von Kolter und Gestrüp Scnittmeister war da die Rede, von Zapfen und Säurefest, von Komputer maschine und Fahrad mit Rein Fahrad. Wortschöpfungen wie Schi latte oder Wellenreiterbrett verströmten sogar einen Hauch von sprachlicher Eleganz; rätselhafte Begriffe wie Iplattefelge, Bildrand oder Kompressor Sterimo eher nicht.

Dass die Ungarn ein gastfreundliches Völkchen sind, sogar „fast so gastfreundlich wie Basken und Kenianer“, wissen wir seit Hemingway. Dass sie aber einen regelrechten Gastfreundschaftsfimmel haben, war uns bislang nicht bekannt.

Wie sonst ließe sich erklären, dass unser Kalman B. auf seiner Liste auch „Luster, Teppich, Gastfreund“ und „Kaffeemaschine mit Gastfreund (auch defekt)“ stehen hat? Vor allem: Was will er nur mit einem defekten Gastfreund? Ihn reparieren wohl kaum. Ausschlachten vielleicht, so wie das „Auto, das außer Verkehr gesetzt wurde“? Ich weiß es nicht.

Vielleicht wissen es die Götter. Aber sicher nicht die griechischen, die können ja noch nicht mal für vernünftige Speisekarten sorgen. Nehmen wir den Gastfreund nach Puszta-Art also runter von Kalmans Wunschzettel und stellen ihn auf die Liste der letzten ungelösten Rätsel der Menschheit. Dort befindet er sich sich in bester Gesellschaft mit der Unendlichkeit des Weltraums und der geheimnisvollen Sprache gewisser Inselbewohner.

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Als Joachim Gauck das OVB besuchte

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Videotitel

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).

23. März 2012 - Seit über zwei Jahrzehnten trifft sich die Redaktion der OVB-Heimatzeitungen regelmäßig mit führenden Köpfen aus Politik und Wirtschaft zum Redaktionsgespräch. Und genau wie im wirklichen Leben gibt es bei diesen Leuten „solche und solche“. Unvergessen der ebenso brillante wie grenzenlos arrogante Otto Schily und der ebenso hochnäsige, aber intellektuell enttäuschende Heiner Geisler; die schrille Claudia Roth im Papageien-Look, Horst Seehofer mit seinem Skilehrer-Charme und Alleinunterhalter Peter Gauweiler. Yaakov Terner bewies, dass er zu Recht zu den 20 einflussreichsten Persönlichkeiten Israels gezählt wird - bei Hermann Otto Solms und Prof. Paul Kirchhof blieb rätselhaft, warum sie nicht zu den einflussreichsten Persönlichkeiten Deutschlands gehören - bei Cem Özdemir, warum er nicht unumstrittener Kopf der Grünen ist.

Nachhaltigen Eindruck hinterließen auch der hemdsärmelige Ford-Europa-Chef Ingvar Sviggum, der oft zu Unrecht belächelte Freie Wähler-Häuptling Hubert Aiwanger und Weihbischof Wolfgang Bischof; EU-Vizepräsidentin Ursula Schleicher, die mit entwaffnender Offenheit bekannte, dass bei der Europäischen Union jährlich Milliarden veruntreut werden, und der barocke Justizminister Manfred Weiß, der kabarettreif vorführte, wie ein Rumäne durch ein 30 mal 30 Zentimeter großes Rohr aus der Justizvollzugsanstalt Bernau entwischte.

Unvergessen auch Verteidigungsminister Volker Rühe, der nach zehn Minuten beleidigt flüchtete, weil ihm unsere Fragen zu kritisch waren. Oder Deutsche-Bank-Vorstand Dr. Michael Endres, der frühzeitig warnte, dass wir für die Währungsunion einen hohen Preis zu zahlen hätten. Einer der negativen Höhepunkte war Arbeitsminister Walter Riester, der uns weis machen wollte, ab 2030 hätten die Deutschen eine bessere Rente als heute. Übertroffen wurde er nur von Grünen-Gründungsmitglied Jutta Ditfurth. Sie kritisierte die Drei-Monatsfrist und forderte, Schwangerschaftsabbrüche sollten zu keinem Zeitpunkt strafbar sein.

Zu den Glanzlichtern zählte dagegen Joachim Gauck, der uns fast auf den Tag genau vor zwölf Jahren, am 22. März 2000, besuchte. Wir unterhielten uns mit dem damaligen Bundesbeauftragten für Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR fast zwei Stunden lang. Er überzeugte auf der ganzen Linie. Selbst unsere sehr kritische Kollegin Elvira Biebel-Neu fand nur ein kleines Haar in der Suppe („ein wenig eitel ist der schon“). Nun ist Gauck Bundespräsident. Ich habe den Bericht von damals noch mal nachgelesen. Er erschien mir so zeitlos und interessant, dass wir ihn hier zum zweiten Mal veröffentlichen.

Das OVB-Redaktionsgespräch mit Joachim Gauck vom 22. März 2000

Bitte lesen Sie - und verraten Sie mir, was Sie von Joachim Gauck und seinen Überzeugungen halten. Ich freue mich auf Ihre Meinung!

E-Mail bitte an: amrandenotiert@ovb.net

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Schröder und seine lupenreinen Demokraten

© dpaMänner-Freunde: Ex-Kanzler Gerhard Schröder (r.) und Wladimir Putin

17. März 2012 - Was ist nur in Gerhard Schröder gefahren? Man mag es kaum glauben, dass der Mann vor noch gar nicht so langer Zeit Kanzler der Bundesrepublik Deutschland war. Mit seinen Sprüchen über Lehrer („faule Säcke“) oder Frauenpolitik („Gedöns“) ist er gelegentlich ein wenig übers Ziel hinaus geschossen. Aber sonst? Ein Politiker, dessen demokratische Gesinnung jahrzehntelang nie in Frage stand. Gegen Ende der Kanzlerschaft Schröders dann kamen Zweifel auf. Ich erinnere mich noch genau, wie ich morgens im Radio hörte, dass er Russlands zwielichtigen Präsidenten Wladimir Putin als „lupenreinen Demokraten“ verteidigt habe. Ich konnte das kaum glauben. Recherchen ergaben: Er hatte es tatsächlich getan.

Mit den Jahren wuchs Gras über die Sache. Worte, die einmal raus sind, lassen sich halt nicht mehr einfangen. Und wer hätte nicht schon mal im Eifer des Gefechts Dinge gesagt, die ihm später leid tun? Also, Schwamm drüber!

Im November 2004 war das. Heute, sieben Jahre später, müssen wir wohl umdenken. Offenbar war Schröders Persilschein für Putin keineswegs ein Ausrutscher. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk bekräftigte er kürzlich sein Bild von Brüderchen Präsident: „Ich habe nichts daran abzustreichen.“ Unfassbar. Schröder ist also so etwas wie ein Wiederholungstäter. Was treibt ihn dazu? Ist es Trotz, ist es Rechthaberei? Oder liegt es daran, dass der Ex-Kanzler seine Brötchen als Aufsichtsratschef der Nord Stream AG (Mehrheitsgesellschafter: Gazprom) verdient? Ist er tatsächlich „Putins bestbezahlter Minnesänger“, wie CDU-Politiker meinen?

© dpaDer türkische Premier Recep Tayyip Erdogan

Das wäre eine Erklärung. Andererseits: Vielleicht interpretiert Schröder den Begriff „Demokatie“ tatsächlich anders als wir. Darauf jedenfalls deutet sein allerneuester Streich hin. Heute erhält Recep Tayyip Erdogan den „Steiger-Award“, mit dem Menschen für besondere Verdienste um Toleranz, Offenheit und Menschlichkeit geehrt werden. Nun steht der türkische Premier für vieles, aber sicher nicht für Toleranz, Offenheit oder Menschlichkeit. Eher für das Gegenteil. Davon können nicht nur Armenier und Kurden, Christen und Aleviten ein Lied singen. Aber die Veranstalter haben tatsächlich jemanden gefunden, der die Laudatio auf Erdogan hält. Es ist, Sie ahnen es: Gerhard Schröder. Das ist nicht nur dreist, das grenzt an Verhöhnung all der Menschen, die unter dem AKP-Regime leiden.

Dazu gehören auch die Medien. 68 Journalisten sitzen zur Zeit in türkischen Gefängnissen, mehr als im Iran oder in China. Weltrekord. Auf dem Index für Pressefreiheit belegt die Türkei den 148. von 179 Plätzen, noch hinter demokratischen Musterländern wie Uganda, Kongo und Malawi. Zwischen Uganda und Kongo findet sich auf Rang 142 übrigens noch eine lupenreine Demokratie: das Land des lupenreinen Demokraten. Hat der Schröder also doch Recht. Schließlich lässt Russland nicht nur die Türkei hinter sich, sondern auch Eritrea und Nordkorea. Wenn das kein Beweis ist für die kühnen Thesen des Gazprom-Vertreters. Darauf einen Wodka. Aber bitte einen doppelten!

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Helmut, der Fehlbare

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt raucht in Hamburg (Archivfoto vom 14.04.2011).© dpaAlt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (Archivfoto vom 14.04.2011).

13. Februar 2012 - Helmut Heinrich Waldemar Schmidt war zu seinen besten Zeiten ein beeindruckender Politiker. Wir erinnern uns an den wortgewaltigen Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Bundestag, an den schneidigen Verteidigungsminister, an den charismatischen Kanzler. Die Älteren schwärmen noch heute davon, wie der Mann mit der Prinz-Heinrich-Mütze 1962 die Hamburger Sturmflut bekämpfte, um nicht zu sagen: bezwang.

Heute ist Helmut Schmidt ein Volksheld. Was er sagt, hat Gewicht. Sein Wort beeinflusst den Euro-Kurs, es kann Politikerkarrieren befördern oder zerstören. Die Deutschen haben grenzenloses Vertrauen in den 93-Jährigen. Würde Schmidt abends bei Maybrit Illner verkünden, er habe sein Konto geräumt, weil er kein Vertrauen mehr in die Geldinstitute habe, stünden die Menschen am nächsten Tag vor den Banken Schlange. Dürfte das Volk seinen Bundespräsidenten selbst wählen, hätte er gute Chancen, selbst Franz Beckenbauer hinter sich zu lassen.

Aber wie das so ist mit der guten alten Zeit, in der bekanntlich alles besser war: Wir färben uns die Erinnerung gern rosarot, die Schattenseiten verschieben wir in die nächstbeste Gedächtnislücke. Nur so ist zu erklären, wie sich Schmidt im Laufe der Jahrzehnte zum unfehlbaren Richter über Gut und Böse in der deutschen Politik entwickeln konnte. Denn so glanzvoll, wie man angesichts der aktuellen Heldenverehrung meinen könnte, war seine Kanzlerschaft nicht.

Um rund 300 Prozent erhöhten sich die Schulden des Bundes von 1974 bis 1982, war kürzlich zu lesen. Diese Zahl weckte die journalistische Neugier. Und siehe da: Helmut, der Wirtschafts- und Finanzgott, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Mensch aus Fleisch und Blut. Schmidt hat nicht nur eine dramatische Erhöhung der Staatsschulden zu verantworten. Auch die Zahl der Arbeitslosen verdreifachte sich in seiner Regierungszeit. Und die Inflationsrate lag in den letzten drei Jahren seiner Kanzlerschaft zwischen 5,2 und 6,3 (Sechs Komma Drei) Prozent. Kritik an dieser Geldvernichtungspolitik parierte „Schmidt-Schnauze“ lässig: „Lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ Soviel zum wirtschaftlichen Sachverstand des Weltökonomen.

Nun, nichts liegt mir ferner, als diesen kultigen Altkanzler zu verteufeln. Im Gegenteil: Es ist immer wieder ein Genuss zu erleben, wie er mit seinen 93 Jahren jede Diskussionsrunde beherrscht. Aber bei genauerem Hinsehen zeigt auch dieses Denkmal Risse. Und wir lernen einmal mehr, dass wir uns vor jeder Form von Heldenverehrung hüten sollten. Sagen wir es so: Helmut Schmidt war ein bedeutender deutscher Nachkriegspolitiker, dessen beachtliche Gesamtleistung durch eine teilweise verfehlte Wirtschafts- und Finanzpolitik getrübt wird. Ich jedenfalls freue mich auf noch viele, viele Auftritte des Hanseaten, auf leidenschaftliche Diskussionen und kernige Sprüche!

PS: Zum Phänomen „Gute alte Zeit“ gibt es ein treffendes Zitat von Ernest Hemingway: „Das Merkwürdige an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit einmal die gute alte Zeit nennen wird.“

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Wahnsinn auf griechisch 

Mit Streiks protestieren die Griechen gegen die Sparmaßnahmen ihrer Regierung© dpaMit Streiks protestieren die Griechen gegen die Sparmaßnahmen ihrer Regierung

14. Dezember 2011 - Eigentlich sollen wir ja nicht auf jemandem herum trampeln, der am Boden liegt. Das haben wir schon in der Schule gelernt. Aber die Bewohner des Landstrichs an der türkischen Grenze, diese Erfinder von Kultur und Retsina, provozieren uns so lange, bis uns der Kragen platzt. Jetzt ist es auch bei mir so weit. Schuld sind die Kollegen der Daily Mail. Sie haben ohne Rücksicht auf griechische Befindlichkeiten (frei nach Hans Filbinger: Wer vor 2000 Jahren Recht hatte, kann heute nicht Unrecht haben) aufgelistet, warum die Wiege der Zivilisation zum Hinterhof Europas wurde.

Ich habe Ihnen die Zehn-Punkte-Liste der Daily Mail-Redaktion kopiert. Bitte lesen Sie - aber trinken Sie vorher einen Beruhigungstee!

1. Die Metro von Athen ist klimatisiert und bietet Plasma-Bildschirme, um die Fahrgäste zu unterhalten. Und sie ist gratis für die 5 Millionen Einwohner der Hauptstadt. Das heißt, eigentlich ist sie es nicht, aber weil es keine Schranken gibt, um Passagiere ohne Ticket am Durchgang zu hindern, gibt es nur wenige Fahrgäste, die sich darum kümmern, ein Ticket zu lösen. Übrigens ist die Athener Metro, die 1,7 Milliarden Euro gekostet hat, vom europäischen Steuerzahler bezahlt worden.

2. Das durchschnittliche Jahreseinkommen der Angestellten der griechischen nationalen Eisenbahngesellschaft einschließlich der Arbeiter und des Reinigungspersonals der Züge beträgt 70 000 Euro. Dieser Personalaufwand macht ein Drittel der Angestellten im privaten griechischen Sektor aus.

3. Der Jahresumsatz dieser Gesellschaft beläuft sich auf rund 90 Millionen Euro, denen 575 Millionen zahlbare Gehälter gegenüber stehen! Das hat selbst einen griechischen Politiker zu der Bemerkung veranlasst, dass es billiger gewesen wäre, die Passagiere mit privaten Taxis zu befördern.

4. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich das Gehaltsvolumen der öffentlichen Hand verdoppelt.

5. Für mehr als 600 Berufe, die als „hart und gefährlich“ bezeichnet werden, liegt das Rentenalter bei 50 Jahren mit einem Rentenanspruch von 95 Prozent des letzten Jahreseinkommens. Zu diesen harten und gefährlichen Berufen gehören unter anderem Konditoren, Radiosprecher, Frisöre und Masseure in türkischen Bädern.

6. Die Steuererklärungen werden von den Steuerzahlern selbst ausgefüllt und selten überprüft. So geben in einem Land mit 12 Millionen Einwohnern lediglich 5000 Personen an, mehr als 100 000 Euro im Jahr zu verdienen. Dabei besitzen 60 000 griechische Haushalte mehr als 1 Million Euro an Investitionen, ohne von den im Ausland investierten Summen zu sprechen. Zahlreiche griechische Steuerzahler geben an, nur 12 000 Euro im Jahr zu verdienen, obwohl sie Schiffe, Zweitwohnungen auf griechischen Inseln und Grundbesitz im Ausland haben.

7. Wenn sich ein Finanzbeamter darüber aufregt, überreicht man ihm ein „fakelaki“, einen Umschlag mit Bargeld. Es gibt sogar eine Art informellen Tarifs, der bis zu 10 000 Euro bei den reichsten Haushalten geht. Es heißt, dass die durchschnittliche griechische Familie 2000 Euro im Jahr zahle.

8. Die großen griechischen Reeder, die reichsten des reichen Vororts Kifissia, sind wegen der angeblichen Gewinne, die sie dem Land einbringen, von Steuern befreit. Die Werften sind jedoch leer, und nur 500 Arbeiter bleiben, um die Schiffe der sterbenden Schifffahrtsgesellschaften zu warten.

9. Lediglich 300 Einwohner der reichen Athener Vorstadt Kifissia geben an, einen Swimmingpool zu besitzen. Die tatsächliche Zahl wird auf 20 000 geschätzt.

10. Insgesamt gehen dem Land jährlich 45 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung verloren.

PS: Was lernen wir daraus? Geld allein wird das Land nicht retten. Die Griechen brauchen vielmehr einen erfahrenen Krisenmanager, der mal richtig aufräumt und sich für kein Fettnäpfchen zu schade ist. Wir empfehlen Theo Zwanziger, derzeit noch beim DFB zuständig für Pleiten, Pech und Pannen und spätestens nach der Europameisterschaft frei. Den haben sich die Griechen redlich verdient!

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Gewalt zu lange verharmlost

Hamburger Schweigemarsch für die Opfer von Neonazis© dpaMehrere hundert Menschen haben am 19. Novermer 2011 mit einem Schweigemarsch in Hamburg demonstriert, um an die Opfer der Mordserie von Neonazis an Menschen mit ausländischen Wurzeln zu erinnern.

21. Novermber 2011 - Die Mordserie des thüringischen Neonazi-Trios erschüttert die Nation. Politiker und Journalisten überbieten sich in Hektik und Aktionismus. Wie genau kamen die beiden Killer ums Leben? Selbstmord, Mord, Eifersuchtstat? Welche Rolle spielte der Verfassungsschutz? Sollte er seine V-Leute am besten komplett aus der braunen Szene zurückziehen? Oder sollte man gleich die NPD verbieten? Tragen einwanderungskritische Zeitgenossen wie Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“), Helmut Schmidt („Weitere Zuwanderung aus fremden Kulturen unterbinden“) oder Henryk M. Broder („Hurra, wir kapitulieren“) eine Mitschuld an der Mordserie, sind sie gar „geistige Brandstifter“? Müssen wir uns schämen, weil wir die gleiche Staatsangehörigkeit wie die drei Neonazis haben? Waren überhaupt richtige Terroristen am Werk oder waren es „nur“ Taten einer Gruppe von militanten Ausländerhassern?

Mit Verlaub - mich ödet diese Diskussion allmählich an. Es ist unerträglich, mit welcher Scheinheiligkeit viele Politiker und Journalisten die Mordserie für politische Zwecke instrumentalisieren. Und dass die Frage, wann, wo und wie oft die Nazibraut mit einem der Killer im Bett lag, plötzlich Thema Nummer eins ist zwischen Flensburg und Rosenheim. Ein Land im Fieber, fast möchte man sagen ohne Herz und ohne Verstand.

Unsere Dorfschullehrerin, eine Respektsperson von altem Schrot und Korn, pflegte in solche Situationen („wie auf dem Hühnerhof“) alle Fenster aufzureißen und mit einem Urschrei für Ruhe zu sorgen. Weiter ging‘s erst, wenn die Meute zur Besinnung gekommen war. Manchmal würde man sich wünschen, dass das auch bei politischen Diskussionen so funktionieren würde. Tut es aber nicht. Und das ist gut so. Befehl und Gehorsam - das hätte uns in dieser aufgeheizten Debatte gerade noch gefehlt.

Mir geht es um etwas anderes. Erstens um die Angehörigen der Opfer. Sie, die Väter und Mütter, Ehepartner und Kinder, sind in dem ganzen Wirbel nur Randfiguren. Ein paar Worte des Bedauerns hier, einige Interviews und Auftritte in Nachrichtensendungen da. Das war‘s dann auch schon. Eigentlich erbärmlich, meinen Sie nicht auch?

Zweitens helfen gegen Gewalttäter weder wortgewaltige Verurteilungen noch Betroffenheitsbekundungen, weder schärfere Gesetze noch Aufrüstung oder Auflösung des Verfassungsschutzes. Was wir brauchen, ist ein Umdenken in weiten Teilen der Bevölkerung. Ich nenne Ihnen drei Beispiele, die auch dem Letzten deutlich machen sollten, wo das Kernproblem liegt. Ich verkneife mir dabei jede Namensnennung, weil es mir wirklich nur um die Sache geht - nicht darum, jemanden in die Pfanne zu hauen oder die ganze Tragödie auch noch politisch auszuschlachten.

1. Eine Bundestagsabgeordnete der SPD findet es ganz normal, in Kampf gegen Rechts mit gewaltbereiten Linksextremisten („Autonomen“) zusammen zu arbeiten. So nach dem Motto: Die meinen es doch nur gut.

2. Ein CSU-Bundestagsabgeordneter sagte mir vor geraumer Zeit, man solle das mit den Glatzköpfen im Osten doch nicht so hochspielen. Wegen der paar Dumpfbacken könne man nicht von rechtsradikalen Strukturen sprechen. Und überhaupt: Angesichts der Perspektivlosigkeit in der Uckermark oder in Frankfurt an der Oder sei es kein Wunder, wenn junge Leute auf dumme Gedanken kommen.

3. Ein ehemals hochrangiger CSU-Politiker nahm (öffentlich!) Islamisten in Schutz, obwohl er wusste, dass der Verfassungsschutz sie längst als extremistisch enttarnt hatte.

Wir alle müssen endlich aufhören, Gewalttäter je nach Gesinnung in gute und schlechte Extremisten einzuteilen. Erst wenn das in den Köpfen der Menschen tief verankert ist, wenn Extremisten jeder Couleur geächtet werden, erst dann hat dieses Land eine Chance, der zunehmenden Radikalisierung Herr zu werden. Solange es, um nur ein Beispiel zu nennen, als chic gilt, Konterfeis des Massenmörders Che Guevara auf T-Shirts zu präsentieren, solange ist der Kampf gegen politische Gewalt und Terrorismus nahezu chancenlos.

Der Journalist und Buchautor Henryk M. Broder schrieb vor einigen Jahren, er sei ein wenig neidisch auf Terroristen. Denn: „Wer ein Auto klaut und damit einen Menschen an einer Kreuzung totfährt, der ist ein Verbrecher. Wer sich mit einer Bombe im Rucksack in einem Bus in die Luft sprengt und andere Passagiere mitnimmt, der ist ein Märtyrer, ein gedemütigter, erniedrigter, verzweifelter Mensch, der sich nicht anders zu helfen wusste.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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"Joot jemaach, Willi!"

17. November 2011 - Zu "Kölsch für Anfänger" erreichte mich folgende Leserzuschrift:

Joot jemaach, Willi!

Vor allem mit der hochdeutschen Übersetzung drömeröm!

Du häss noch vejässe:
· Nä, nä, Marie es dat hier schön!
· Watt jitt dat? Watt soll dat wääde?
· Sit esu jot un dot dat!

Unn övver Allem steiht:
· Mer muss och jönne könne!

Un ne schöne Jerooß vum Pitter,

Peter Krumscheid Bad Aibling

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Kölsch für Anfänger

Karneval in Köln© dpaKarneval in Köln

11. November 2011 - „Sag amoi, san de wirklich so narrisch oder dean die bloß so?“ Gefühlte tausend mal habe ich diese Frage in den letzten Jahren gehört. Meist kommt sie unmittelbar, nachdem man sich als Rheinländer geoutet hat. Oft habe ich den Eindruck, dass sich die Leute ihr Leben lang mit dieser Frage aller Fragen gequält haben, dass sie von einer Zentnerlast befreit sind, wenn sie endlich, endlich jemanden gefunden haben, der sich auskennt. „San die Kölner wirklich so narrisch wie an Fasching im Fernsehen oder dean de bloß so zwengs de Kameras?“

Meine Antwort lautet ungefähr so: Schwierige Frage. Wenn das, was der Kölner in seinem Fastelovend treibt, verrückt ist, dann ist er verrückt. Das heißt, er ist genau so, wie er sich im Fasching aufführt. In seinen Augen ist das aber keineswegs verrückt, sondern - im Gegenteil - janz normaal. Verrückt (also bestuss, rammdösich, raderdoll) sind höchstens die, die sich in den Augen der Nicht-Kölner und Imis (Kurzform für Imitierte Kölsche, also Zugereiste) normal verhalten.

Überhaupt schätzt der Kölner alles, was normal ist: Normal (also kölsch) sprechende Menschen, Normaljläubije (also Katholiken) und normal Denkende (also Kölner). Sollten Sie diese drei Kriterien nicht in vollem Umfang erfüllen, hilft nur eins: intensives Studium des Kölschen Grundgesetzes. Dieses Gesetz verdanken wir Konrad Beikircher, einem colonisierten Tiroler. Klar, der Kölner selbst hat mit Gesetzen „nüüs am Hoot“, Gesetze sind für ihn der natürliche Feind der Normalminsche, die ja ohnehin das tun, was normal ist und dafür kein Gesetz brauchen. Dass Beikircher zusammengestellt hat, was sowieso jeder weiß, findet er trotzdem janz doll. Damit die Imis endlich mal kapieren, was normal ist.

Damit auch Sie endlich mal wissen, was normal ist, verrate ich Ihnen hier alle elf (!) Paragraphen des Kölschen Jrundjesetzes. Bitte ausschneiden und beim Städteurlaub im Schatten des Doms immer mitführen.

1. Et es wie et es.

2. Et kütt wie et kütt.

3. Et hät noch immer joot jejange.

4. Wat fott es, es fott.

5. Et bliev nix wie et wor.

6. Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.

7. Wat wells de maache?

8. Maach et joot, ävver nit zo off.

9. Wat soll dä Käu?

10.Drinks de ejne met?

11. Do laachs de dich kapott.

Soweit der offizielle Wegweiser ins Hirn und Herz der Kölner. Und damit gar nichts mehr schief gehen kann, bekommen Sie von mir noch drei Geheimtipps, Bonusmaterial sozusagen, die aber genauso wichtig sind, wie die elf Paragraphen oben.

1. Vermeiden Sie jede abfällige Bemerkung über die sieben Heiligtümer der Stadt. Das sind Adenauer, Bläck Fööss, Millowitsch, Dom, Rhein, Kölsch und Kölner. Wenn es da was zu kritisieren gibt, dann macht das der Kölner selbst, datt dat kloor is!

2. Vermeiden Sie jede wohlwollende Bemerkung über Westfalen, Düsseldorfer, Fußballer aus Leverkusen, Politiker, Pils, Alt und Max Pippow. Wie, Sie kennen Max Pippow nicht? Sollten Sie aber! Das war nämlich jener Berliner Ringrichter, der den legendären kölschen Boxer Peter Müller („Müllersch Aap“) während eines Kampfes „Zigeuner“ genannt hatte, so dass Müller sozusagen gezwungen war, ihn mit einem rechten Haken auf die Bretter zu schicken.

3. Eine Kneipe ist nie voll, merken Sie sich das! Erst wenn jeder jedem auf den Füßen steht, is et rischtisch jemödlich!

PS: Der Autor dieser Zeilen weiß, wovon er schreibt. Er ist selbst ein Imi. Zwar verbindet ihn mit dem echten Kölschen die nah verwandte Sprache, aber: Seine Wiege stand immerhin 40 Kilometer östlich von Köln. Also rechts vom Rhein, auf der Schäl Sick, im Bergischen Land. Über diesen Landstrich schrieb Anton Wilhelm von Zuccalmaglio einst das wunderschöne Volkslied „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Interessiert den Kölner aber überhaupt nicht. Schäl Sick bliev Schäl Sick, do jütt et kin Padong. „Rheinisch-Sibirien“, höhnte einst Konrad Adenauer zum Entsetzen seiner treuesten Wähler. „Op den künnt mer mich dropschwe‘ißen, ich däät mich lossrosten“, war noch eine der milderen Reaktionen der Sibirier.

PS 2: Ich habe mich bemüht, die kölschen Begriffe imigerecht zu „glätten“. Sollten Sie trotzdem im Einzelfall rätseln, schreiben Sie mir einfach. Mer dunn, wat mer künne!

 

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Was Pippa und Paul so denken

 

1. November 2011 - EFSE und EFSF, Inflation und Deflation, Eurobonds und Eurohebel, Euro hin, Euro her. Und dann die vielen Experten, die echten und die selbsternannten. Da soll einem nicht der Kopf schwirren!

Jetzt der Höhepunkt der Debatte: Angeblich lässt die Bundesregierung in England bereits neue D-Mark-Scheine drucken. Sagt Pippa. Und zwar Pippa Malmgren, nicht Pippa Middleton, an die Sie jetzt wahrscheinlich gedacht haben.

Pippa Malmgren und deutsche Banknoten© www.pippamalmgren.com/dpaPippa Malmgren: "Deutsche lassen wieder DM drucken."

Pippa Malmgren ist nicht irgendwer. Die ehemalige Wirtschaftsberaterin von US-Präsident George W. Bush gilt als weltweit renommierte Wirtschaftsexpertin. Derzeit ist sie als Präsidentin einer britischen Vermögensverwaltung und als Beraterin des Vorstands der Deutschen Bank tätig. Sie weiß also, was sie sagt und welche Wirkung ihre Worte haben. Da fragt man sich: Hat die Frau in Brännvin gebadet oder weiß sie womöglich wirklich mehr als wir alle?

Ähnliche Gedanken spuken dem staunenden Beobachter im Kopf herum, wenn er liest, was der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman zum Thema Finanzkrise von sich gibt. Dieser Krugman präsentierte kürzlich sein Patentrezept zur Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise: Die USA sollten sich doch bitteschön gegen eine Invasion von Außerirdischen wappnen. Es sei zwar nicht wahrscheinlich, dass es zu einer solchen Invasion komme, andereseits sei dies aber auch nicht auszuschließen. Der Hintergedanke Krugmans: Er sieht in einem Anti-Alien-Rüstungsprogramm einen Konjunkturmotor, der eine konjunkturelle Stimulation wie im Zweiten Weltkrieg erzeugen werde. Wenn sich zeige, dass die Milliarden oder gar Billionen sinnlos verplempert wurden, weil sich weit und breit kein Außerirdischer sehen ließ, dann sei das auch kein Problem. Schließlich dürfte sich die US-Wirtschaft bei Realisierung seines Projekts binnen 18 Monaten so erholt haben, dass die finanziellen Folgen des Kraftakts durchaus verschmerzbar wären. Meint Krugman.

Und was meinen wir ahnungslosen Normalsterblichen, die sich weder mit Nobelpreisen noch Beraterverträgen für Bankvorstände schmücken dürfen? Wir sind ratloser denn je. Wenn das die geistige Elite der Wirtschaftswissenschaftler ist, dann gnade uns Gott! Dann gibt es vielleicht wirklich keinen Ausweg mehr aus der Sackgasse, in die uns ahnungslose Politiker, gierige Banker und genauso gierige Anleger manövriert haben. Darauf einen doppelten Krugmann!

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König Ludwig in Pommern

7. Oktober 2011 - Langsam wird er mir unheimlich, der gute Mann, dieser Ludwig, der zu seinen besten Zeiten so gern träumte, Märchenschlösser baute und König spielte.

Viel ist in diesen Tagen die Rede vom „Mythos König Ludwig II“. Fantastisch, dass bis heute mehr als eine halbe Million Menschen die „Götterdämmerung“ auf der Herreninsel sehen wollten. Dafür müssen wir halt mit dem Rummel drumherum leben. Mit den König-Ludwig-Specials und König-Ludwig-Cocktails, mit KöLu-Musical, KöLu-Kochkursen, KöLu-Wanderungen, KöLu-Wellness, KöLu-Weißbier und KöLu/Franz-Josef-Strauß-Orden, mit König-Ludwig-Bavaria Boheme-T-Shirts in den Versionen „Royal Propaganda“ und „Sacred Heart“ oder König-Ludwig-Bavaria Boheme-Longsleeves (leider nur in der Version „Sweet Revolution“, dafür wahlweise in grau oder schwarz). Geht schon irgendwie. Und wem es zu bunt, pardon zu trist wird - bitteschön, der soll doch hingehen, wo es ihm gefällt!

Gesagt, getan. Und zwar konsequent - wenn schon, denn schon. Ab nach MeckPomm, an die Ostsee, nach Usedom. Wunderschöne Insel, intakte Natur, Moor, Heide, Auwälder, verschlafene Dörfer, an denen die Zeit scheinbar spurlos vorübergangen ist. Aber eben nur scheinbar! Denn, Sie werden es nicht glauben, König Ludwig war schon da. Der Mythos war schneller als wir!

© W. Börsch

Wir entdeckten ihn mitten im touristisch geprägten Seebad Heringsdorf. Dort, im letzten Winkel Deutschlands, fünf Kilometer vor der polnischen Grenze, begegnete er uns mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie wohl nur ein König, tot oder lebendig, hin bekommt. Er war ganz leicht zu finden. Wir mussten nur dem Gesang ohne Text auf Lautsilben bei häufigem schnellen Umschlagen zwischen Brust- und Falsettstimme, volkstümlich auch als Jodeln bekannt, folgen. Er war wirklich unüberhörbar und führte uns schließlich zur Bäckerei Wollin, wo uns die vertrauten Weisen aus Lautsprechern entgegenschallten. Bayerische Woche! Passend dazu fesche Bedienungen in alpenländischer Tracht. Und, jetzt kommt‘s, bitte anschnallen: König-Ludwig-Brot, Roggen-Dinkel-Malz, eine bayerisch-kräftige Backspezialität, von Meisterhand gebacken. Und zwar „selbst gebacken, natürlich selbst gebacken, wir backen immer alles selbst“, so die Verkäuferin triumphierend.

Das glaubt zuhause kein Mensch. Original bayerisches König-Ludwig-Brot selbst gebacken in Heringsdorf, 970 Kilometer nördlich des Chiemsees. Also her mit der Kamera, das Werbeplakat fotografiert samt Pommeranerin („Mattlähn, geschrieben Madeleine“)! Zum Glück nicht im König-Ludwig-Bavaria-Boheme-T-Shirt, sondern stilecht im Dirndlgwand!

PS: Es gibt bekanntlich immer noch eine Steigerung. Diesmal war es der norddeutsche Alleinunterhalter im Heringsdorfer Brauhaus, der mit viel Leidenschaft und wenig Sprachgefühl versuchte, den kölschen Gassenhauer „Viva colonia“ vorzutragen. Es war wirklich zum Jaulen. Da wurde Klüngel zum Kringel, Wääch (Weg) zur Wäsche, und jebore (geboren) klang wie bohren. Das ist ungefähr so, als hätte der Mann ein bayerisches Volkslied mit „Onz, zawa, suffen“ beendet. Hauptsache lustig?!

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Lückenlos aufklären - Leser-Zuschriften

6. Oktober 2011 - Zum Kommentar „Lückenlos aufklären“ erreichten mich einige Leser-Mails, zustimmende genauso wie ablehnende. Da es sich um persönliche Schreiben handelt, sind die Namen der Verfasser nicht angegeben - es sei denn, es war ausdrücklich gewünscht.

Leserbriefe zum Thema finden Sie am kommenden Samstag auch im Oberbayerischen Volksblatt und seinen Regionalausgaben.

Die Leserzuschriften:

Sehr geehrter Herr Börsch,
mit großem Interesse habe ich Ihren Kommentar „Am Rande notiert“ gelesen. Je mehr ich über Ihren Kommentar nachdachte, umso mehr fand ich Ihre Darstellung des öffentlichen Bildes der Rosenheimer Polizei sehr verfälschend. Ich bin der Meinung, wenn ein Polizeichef so seine Macht auslebt, dann hat das die Mehrheit der Mitarbeiter mitbekommen und toleriert, nicht die Minderheit. Ich nenne das aktives Wegschauen, und das ist beschämend. Es wird immer von Zivilcourage geredet, aber was soll man gegen so eine polizeiliche Willkür unternehmen? Polizeibeamte, die zusehen, wie ein 15-jähriges Kind so zugerichtet wird und nichts unternehmen, gehören nicht in den Polizeidienst - zumindest sollte Ihre Qualifikation in Frage gestellt werden. Für mich ist es unverständlich, dass Sie die Hälfte Ihres Artikels darauf verwenden, die möglichen negativen Auswirkungen für die Polizeibeamten darzustellen und in keiner Weise auf die seelischen Folgen für den 15-jährigen Jungen eingehen. Dass nach diesem Vorfall auch unschuldige Polizeibeamte unter Misstrauen und Pauschalverurteilungen leiden müssen, ist leider nicht zu ändern, aber ich denke, dass es sich hierbei um eine Minderheit handelt, denn für mich ist ein Wissender, der nichts unternimmt, nicht mehr unschuldig. Ich habe mit meiner Frau darüber gesprochen, was wir wohl unternehmen würden, wenn es unsere Kinder und wir an der Stelle der Mutter gewesen wären. Allein bei den Gedanken daran komme ich mir sehr hilflos vor.

Mit freundlichen Grüßen
Marc Ochsendorf-Lerchenberger

 

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Sehr geehrter Herr Börsch,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich frage mich immer noch, wie aus einer einfachen Nachfrage nach einer nicht anwesenden Person eine Tumult-Szene entstehen kann, bei der zehn Polizisten zwei Familien niederringen und erheblich verletzen. Von der Logik her würde man vermuten, dass hier ein Fehlverhalten beider Kontrahenten vorliegt, aber wenn die Schilderung der jungen Frau tatsächlich stimmt, dass der Zivilbeamte seinen Fuß in die Tür gestellt hat, dann haben die Rosenheim-Cops ein schweres Problem: Sie hatten keinen Durchsuchungsbefehl, und es war keine Gefahr im Verzug, wie das so schön heißt. Also hätten sie Hausfriedensbruch begangen, gegen Prinzipien des Rechtsstaates verstoßen, und man müsste ihnen einen erheblichen Teil der Schuld an der folgenden Eskalation anlasten. Ich gehe davon aus, dass der inzwischen vom Dienst suspendierte Leiter der PI Rosenheim auch zur Zeit des Vorfalls in Pfaffenhofen/Schechen die Polizeidienststelle in Rosenheim geleitet hat. Es muss einen nicht wundern, dass dieser Rambo im Staatsdienst, der einen betrunkenen Burschen krankenhausreif prügelt und einen Radler vom Fahrrad reißt, Kollegen hat, die zu Ausschreitungen neigen. Vorgesetzte haben oft erheblichen Einfluss auf das Verhalten ihrer Untergebenen. Dieser Fall verlangt wirklich lückenlose Aufklärung, denn wir Rosenheimer Normalbürger wollen schließlich ohne die Angst leben, dass wir im Falle unzureichender Auskünfte über unsere Nachbarn in den polizeilichen Schwitzkasten genommen werden. Also bleiben sie an dem Fall dran! Äußerst bedenklich an dem Fall finde ich das Verhalten des Traunsteiner Staatsanwalts, der ein Fehlverhalten der Polizei von vorne herein ausschließt und Anklage gegen die beteiligten Zivilpersonen erhebt. Welche Auffassung vom Rechsstaat hat dieser Justizbeamte eigentlich? Stets und immer harmonisch mit der Polizei zu kooperieren, ob diese nun im Recht ist oder nicht? Solche Juristen haben meiner Ansicht nach im deutschen Staatsdienst nichts verloren. Man sollte den Herrn beurlauben und ihm aus Steuergeldern einen Nachhilfekurs im Fach „Grundlagen des Rechsstaats“ finanzieren.

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Sehr geehrter Herr Börsch,
ich möchte Ihnen ein paar Gedanken zu der Berichterstattung des Falles in den Medien übermitteln. Ich bin selbst Polizist und das seit 30 Jahren!
Ich finde die Berichterstattung - besonders in Ihrer Zeitung - gelinde ausgedrück sehr einseitig!!! Sie wissen ganz genau, dass die Polizei keine Stellungnahme zu laufenden Verfahren machen DARF!! Presseberichte werden ausschließlich durch die Staatsanwaltschaft getätigt, die Polizeibehörde, in dem Fall das Polizeipräsidium Oberbayern Süd, kann und darf sich zu beiden Fällen nicht äußern!! Und das wissen Sie und berichten oberflächlich und einseitig und veröffentlichen subjektive Meinungen und nicht die Wahrheit!!! Ich war lange Jahre Abonnent der Chiemgau-Zeitung, musste aber oftmals feststellen, dass den Lesern oftmals die Unwahrheit als gegeben suggeriert wird - so auch in vorliegenden Fällen!!! Meine Meinung wird mir sehr oft von Bekannten bestätigt... und ich rede hier nicht von Polizisten! Am schlimmsten finde ich die aggressive Berichterstattung von www.rosenheim24.de, die weit davon entfernt ist, wenigstens Bildzeitungs-Niveau zu erreichen!!! Aber über diese Art von Journalismus - falls man überhaupt davon sprechen kann - möchte ich mich nicht auslassen!!
Ich möchte Ihnen hier raten: BITTE lassen Sie die Polizei in geeigneter Form und Weise zu gegebener Zeit zu Wort kommen! Und BITTE suggerieren Sie den Bürgern nicht, dass die Rosenheimer Polizei eine Schläger-Truppe ist, die sich nicht im Griff hat!!! Die Kollegen versehen einen äußerst anstrengenden Dienst, haben es oftmals mit aggressiven, betrunkenen und vielfach vorbestraften Menschen zu tun, die Freude haben, Polizisten zu beleidigen, anzuspucken, zu schlagen usw. - und das nicht nur zur Wiesn-Zeit! Ich würde mich sehr freuen, wenn die Presse auch mal Polizisten zu Wort kommen lässt, nicht nur notorische Lügner und Rechtsanwälte, die sich in der Öffentlichkeit profilieren, um Klienten zu gewinnen! Polizisten haben es in Rosenheim nicht leicht, das müssten Sie aus Ihrer täglichen Berichterstattung doch wissen!!!
Ich hoffe sehr, dass diese beiden Einzelfälle, die nichts miteinander zu tun haben und über deren Wahrheitsgehalt nichts zu lesen oder zu hören war, das Verhältnis der Rosenheimer Polizei zu den Bürgern nicht nachhaltig stört und wünsche mir, dass Ihre Berichterstattung zukünftig von Fairness und Wahrheitsfindung geprägt sein wird!

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Sehr geehrter Herr Börsch,
in (un)regelmäßigen Abständen tauchen diese Ausreißer polizeilicher Selbstherrlichkeit auf. Komischweise passiert das immer im Zusammenhang mit einem anderen gravierenden Vorfall. Da werden die Jungs extrem dünnhäutig.
Mir fällt dazu der Vorfall vor ca. 30 Jahren ein, bei dem ein Polizist erschossen und eine verwirrte Rentnerin niedergemäht wurde, nachdem sie den Cop „erlegt“ hatte. Liest sich gemein, war leider so, da er den Raum betrat und von der Rentnerin genau einen Schuss zwischen die Augen bekam. Es war der Fall der „Ruth Kruggel“ der damals hohe Wellen schlug. Die Rosenheimer haben sich damals so dermaßen blamiert und ihre Nerven lagen blank.
Damals habe ich auch eine Sonderlektion in Staatsbürgerkunde erhalten. Ausgerissene Haare, Blutergüsse am Unterarm und einen Schuhabdruck durch einen Tritt auf meinem T-Shirt. Hätte ich keine Anzeige erstattet, wäre Ruhe gewesen. Leider hab ich‘s getan. Fazit: Versuchter tätlicher Angriff gegen Polizeibeamte, Beamtenbeleidigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, und ich glaube, Landesfriedensbruch war auch noch dabei.
Trotz ärztlichen Attests und Zeugenaussagen, wie ich danach aussah, hatte ich vor dem Staatsanwalt keinen Auftritt. Der Richter hob mahnend den Zeigefinger, die drei Rosenheimer Cops verließen mit gesenktem Kopf, aber grinsend und sich zuzwinkernd, den Verhandlungssaal, und ich durfte 500 D-Mark ans Rote Kreuz überweisen - wegen Beamtenbeleidigung. Die Beleidung bestand darin, dass ich zu einem Cop, der mir an der rechten Schläfe ein Büschel Haare ausgerissen hatte, sagte: „Bei der Polizei gibt´s Menschen, zu denen gehörst Du aber mit Sicherheit nicht.“ Ich erhielt sofort meine Gratis-„Flugstunde“.
So wird´s auch bei dem 15-jährigen ausgehen. Wahrscheinlich 60 Sozialstunden und 20 Vaterunser. Lasst fahren alle Hoffnung!
P.S: Auslöser „meiner“ Aktion war eine - zugegeben, saublöde - Bemerkung zu zwei Cops, die am Sonntagmorgen (mein Spezl und ich waren etwas übernächtigt) Radlfahrer vor der Galerie kontrollierten: „Habt‘s nix besseres zu tun?“ Ob das, was danach passiert ist, noch verhältnismäßig war, wage ich auch heute noch, angesichts der letzten Vorfälle, zu bezweifeln.

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Meiner Meinung nach denkt man in dieser Diskussion über die falschen Dinge nach. Wenn der Leiter der Behörde, der als höchste Instanz solche Dinge eigentlich verhindern soll, erwischt wird, weil er sie nicht verhindert sondern begeht - was glauben Sie, wie dieser Mensch dann auf Beschwerden über Übergriffe innerhalb seiner eigenen Behörde reagiert hat, als er noch nicht erwischt wurde? Er hat mit an sicher grenzender Wahrscheinlichkeit versucht, solche Vorgänge unter den Tisch zu kehren, nichts zu sehen und selbst nicht erwischt zu werden und hat also genau das Gegenteil von dem getan, was seine Behörde eigentlich stärken würde.
Erschreckend ist, dass es ein offenbar charakterlich und sozial nicht gefestigter Mensch schaffen kann, solche Positionen zu erreichen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es korrekte Polizisten gibt, die sich nur schwer zu einer Straftat wie Körperverletzung hinreißen lassen würden, und solche, bei denen es an der Tagesordnung ist, wenn einem einer einfach nur blöd kommt.
Ich bin überzeugt, dass dieser Polizist in seiner Laufbahn weit mehr als dreimal „auffällig“ geworden ist wobei er sicherlich auch von korrekten Kollegen gedeckt wurde, indem sie einfach nur weggeschaut haben.
Es ist doch bezeichnend, dass eine anscheinend schwere Straftat (Misshandlung eines Gefesselten) IN einem Gebäude der Polizei in unmittelbarer Nähe von vielen korrekten Polizeibeamten) anscheinend unentdeckt blieb und nur durch Zeugenaussagen zufällig anwesender Familienangehörigen zur Anzeige gebracht werden konnte. Das ist schlimmer als die Straftat selbst. Auch für die Polizei insgesamt.
Ich wünsche der Polizei, dass sie in ihrem Nachwuchs mehr sehende als wegsehende Beamte findet und endlich mal klar wird, dass eine Straftat, egal, von wem, nicht hingenommen werden kann.

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Sehr geehrter Herr Börsch,
Ihrem Kommentar „Lückenlos aufklären“ kann ich großteils zustimmen. Wenn ich mich recht erinnere, gab es letzten Sommer (Juni oder Juli 2010) im OVB oder auf Rosenheim24 schon einmal eine Berichterstattung über übertriebene Polizeigewalt gegen Jugendliche. Ich glaube, das war im Rahmen des Panger Volksfestes, als ebenfalls eine Mutter schwere Vorwürfe gegen Polizisten erhoben hat.

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Hallo Herr Börsch,
was man da in den letzten Tagen im OVB und in den Onlineseiten so las, war offene Berichterstattung. In meiner Jugend wurde so manches in und um Rosenheim unter dem Teppich gekehrt, und kritische Berichte über Rosenheim konnte man oft nur in der SZ lesen. Aber wie jetzt (speziell in den Fällen um die Polizeiübergriffe) berichtet wird - alle Ehre! Und weiter so! Auch letztes Jahr hat erst ein Bericht im OVB über unterschlagene Gerichtsbriefe zu weiteren Geschädigten geführt und letztendlich zur Verurteilung der Gerichtsbriefträgerin geführt. Unter diesen Voraussetzungen lohnt sich ein Abo des OVB, was wir auch unserem Umfeld empfehlen.

Gruß von einem langjährigen Leser und Inserenten.

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Lückenlos aufklären

 

Verletzter 15-Jähriger© privat/dpaDieser 15-Jährige soll von einem Polizisten misshandelt worden sein.

23. September 2011 - Was ist eigentlich los bei der Polizei? Diese Frage bewegt die Menschen in Rosenheim und weit darüber hinaus wie kaum ein anderes Ereignis. Die Berichte der Opfer und die schlimmen Fotos haben Spuren hinterlassen. Der Schock sitzt tief. Viele Beobachter sind ratlos. Man möchte ja glauben, dass es solche Prügelpolizisten in der heilen Welt am Inn, wo die meisten Bürger in ihren Polizeibeamten immer noch den Schutzmann sehen, nicht gibt. Dass alles nur ein furchtbarer Irrtum war, ein böser Traum. Aber ohne Ermittlern und Richtern vorgreifen zu wollen: Zumindest kritische Fragen sind mehr als berechtigt.

Zum Fall Pfaffenhofen: Ganz gleich, was dem gewaltsamen Einsatz von zehn (!) Beamten gegen einen pensionierten Kollegen und dessen Angehörige voraus ging - wäre es nicht professioneller gewesen, Gelassenheit statt Macht und Härte zu demonstrieren?

Dann der Fall des 15-jährigen Wiesnbesuchers. Nicht auszuschließen, dass der Bursche sich in jugendlichem Übermut daneben benahm. Dass er aber gefesselt in einen abgeschlossenen Raum geführt und dort brutal misshandelt wurde, dafür gibt es keine Entschuldigung.

Das Ganze ist umso trauriger, als sich nun wieder jene Zeitgenossen bestätigt fühlen, die für „Bullen“ nichts als Hass und Verachtung empfinden. Wir sehen die Bilder fast täglich: Vermummte Randalierer, die unter dem Schutz der Meinungsfreiheit mit Messern und Schlagstöcken, mit Brandsätzen und Pflastersteinen gegen Ordnungshüter vorgehen. Hier hätte man sich von der Politik längst gewünscht, dass sie den Beamten die Rückendeckung und die rechtlichen Möglichkeiten gibt, die sie verdienen.

Polizisten, die sich in Stresssituationen nicht im Griff haben, fallen den ihnen wohl gesonnenen Politikern in den Rücken. Und nicht nur denen: Die eigenen Kollegen sind es, die künftig bitter unter Misstrauen und Pauschalverurteilungen zu leiden haben werden. Die überwältigende Mehrheit der hilfsbereiten und korrekten Polizeibeamten hat einen Anspruch darauf, dass die aktuellen Fälle aufgeklärt werden. Und zwar lückenlos und ohne Rücksicht auf Namen oder Dienstgrade!

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Kennen Sie el Fenstea und el Spigl?

Rechtschreibfehler© Unbekannt

16. September 2011 - Irgendwas ist immer schlimmer. Diese Grundweisheit des Lebens lernten wir als Kinder schon früh, lange bevor wir auf dem Gymnasium darüber philosophierten. „Sei froh dass Du Dir nicht den Hals gebrochen hast“, hieß es, wenn wir abends mit Beulen und blauen Flecken nach Hause kamen. „Da hast Du noch mal Glück gehabt, da ist schon mal ein Papst dran gestorben“, wenn wir einen Schluckauf erfolgreich bekämpft hatten. Und als mein Vater bei einem Autounfall mit Blechschäden davon kam, freute sich meine Mutter: „Dat hätt jo noch ens joot jejangen!“ Gott sei Dank war die Christophorus-Plakette am Armaturenbrett frisch gesegnet... Wie gesagt - irgendwas ist immer schlimmer.

Das gilt auch für Setzfehler im Oberbayerischen Volksblatt und seinen Heimatzeitungen. Keine Angst, wir wollen uns hier gar nicht rausreden. Obwohl - ein paar nette Anekdötchen hätten wir da schon auf Lager. Zum Beispiel den legendären Patzer, den eine große süddeutsche Zeitung vor Jahren fabrizierte: Im Bildtext wurde irgendein Promi angekündigt. Das Foto aber zeigte, man konnte es drehen und wenden wie man wollte, einen Schimpansen im Matrosenanzug.

Wir möchten an dieser Stelle unseren Beitrag zur Ehrenrettung der Kollegen leisten. Denn, Sie werden es nicht glauben, irgendwas ist wirklich immer noch schlimmer. Das glauben Sie nicht? Ich werde es Ihnen beweisen!

Zwar habe ich trotz intensiver Suche in der Zeitungslandschaft keine Steigerung entdeckt. Aber geschrieben wird ja auch außerhalb von Medienhäusern. Und dort, in der freien Wildbahn des geschriebenen Wortes, da finden wir die wahren Sprachkünstler, die Freigeister der Orthografie sozusagen, die Genies, die sich mit genialen Wortschöpfungen jenseits aller bekannten Regeln der deutschen Sprache locker verständlich machen. Oder wissen Sie etwa nicht, was mit Wellsedich oder mit el Fenstea und el Spigl gemeint ist? Na also!

Fotos

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"Nur noch eine Minute, Schatz!"

© dpa12 Monate seines Lebens verbringt ein Mann mit Warten.

8. September 2011 - Wir haben es geahnt: Zwölf Monate seines Lebens verbringt der Mann mit Warten, genauer: dem Warten auf Frau oder Freundin. Das haben britische Wissenschaftler herausgefunden. Der Autor Moris Petz hat ein Buch darüber geschrieben. Und unsere Zeitung bringt morgen eine Sonderseite zum Thema, samt Analyse einer Psychologin.

Eigentlich eine runde Sache. Aber in der Redaktion, Sie ahnen es, werden gleich wieder alte Wunden aufgerissen. Kollege: „Das ist noch untertrieben, ich habe bis heute schon mindestens zwei Jahre gewartet.“ Kollegin: „Also, wenn das erscheint, dann möchte ich aber auch wissen, wie lange Frauen auf Männer warten.“ Kollegin zwei: „Genau!“

Ich möchte mich in dieser heiklen Grundsatzfrage natürlich nicht festlegen, die Folgen könnten verheerend sein. Aber drei Bemerkungen kann ich mir nicht verkneifen:

1. Ob es auch Männer gibt, die Frauen warten lassen, müsste erst noch erforscht werden. Wenn es tatsächlich so sein sollte, dann aber natürlich nur wegen der wirklich wichtigen Dinge: Sportschau, Auto, Stammtisch (Achtung, Klischee!).

2. Was verstehen eigentlich britische Wissenschaftler von deutschen Frauen? Die sollen lieber Elfmeter üben!

3. Dass die Warterei auf Frauen gelegentlich extreme Formen annehmen kann, thematisierte Reinhard Mey schon Ende der 60er. Viele von uns haben das Lied noch im Ohr, das so harmlos anfängt: „Ich stehe am Eingang vom Zoologischen Garten, ein Blick auf die Normaluhr, es ist jetzt dreiviertel vier...“ Für alle, die das Stück nicht kennen: Es endet um zehn vor eins. Der gute Mann steht noch immer samt Rosenstrauß auf der Straße und wartet auf seine Herzdame. Aber er gibt nicht auf: „Morgen komm ich wieder, bring statt Rosen Flieder, vielleicht zieht sie Flieder den Rosen vor... Oder ich bring Nelken, die nicht so schnell welken. Und danach nur noch Blumen aus Plastik!“

Wie gesagt, morgen erscheint im OVB eine Sonderseite zum Thema. Samt Straßenumfrage, in der ein gewisser Werner Hermann, 42, Industriemechaniker, kabarettistisches Talent beweist: „Gerade war ich mit meiner Frau beim Einkaufen. Vier Paar Schuhe in einer Dreiviertelstunde. Sie ist da recht flott.“

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Orange boven!

2. September 2011 - Ein Redaktionsgespräch mit Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil ist immer etwas Besonderes. Sachlich, besonnen, bescheiden und nahezu ohne polemische Attitüde oder Besserwisserei hebt er sich wohltuend ab von der Aufgeregtheit so mancher Politdarsteller, die uns schon die Ehre gaben.

© dpaBayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil.

Im Gespräch mit der OVB-Redaktion machte der Liberale deutlich, dass auch er nicht der Superman ist, der die Patentrezepte zur Rettung der Welt besitzt. Aber er hinterließ den Eindruck, dass er sich mit den drängenden Problemen dieser Tage wenigstens intensiv befasst hat. Was ja für einen Politiker eigentlich selbstverständlich sein sollte...

Mein Kollege Ludwig Simeth hat aufgeschrieben, wie Martin Zeil die Zukunft Bayerns und Deutschlands gestalten möchte. Was er zu Euro und Europa, zu Marktwirtschaft und PKW-Maut, zur FDP und zu seinem Parteifreund Guido Westerwelle zu sagen hat. Und auch, warum er eine ganz besondere Beziehung zu Riesenrädern hat. Alles weitere morgen in Ihrer Heimatzeitung.

PS: Martin Zeil wirkt auf den ersten Blick ein wenig spröde und emotionslos. Leute, die ihn näher kennen, loben seine feine Ironie und die Fähigkeit, sich selbst und andere nicht allzu wichtig zu nehmen. Kostprobe gefällig? Bitteschön: Zeil soll einem Interviewpartner drei tolle Persönlichkeiten aus Schwaben nennen. Anwort: „Die Fugger, Bertold Brecht und Jos Luhukay.“ Nun denn, Ihr Schwaben dieser Welt, wir haben es schon immer gewusst: Ihr seid die wahren Holländer! Orange boven!!!

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Liebe Yvonne,

1. September 2011 - ... wir haben es geahnt. Im Innersten Deines Herzens bist Du halt doch ein Mensch. Eine Zeitlang ganz allein durch Wald und Flur streifen, das würden auch wir Zweibeiner gelegentlich ganz gern. Aber auf die Dauer wird das ganz schön langweilig. Da braucht der Mensch Kontakt zu Seinesgleichen, da braucht er jemanden, der mit ihm redet und ihm den Rücken krault. Und ihn bewundert.

Letzteres dürfte in Deinem Fall ja kein Problem sein. An Fans dürfte es nicht mangeln, weder an Zwei- noch an Vierbeinigen. 98 Tage allein im Wald, erst dem Metzger, dann ganzen Heerscharen von „Rettern“ entkommen - davon wirst Du noch Deinen Enkeln erzählen. Wenn - ja, wenn Dich die Aiderbichler endlich so behandeln, wie es eine Heldin verdient. Mit Respekt, mit Hochachtung und mit ganz viel Freiraum.

© EnzingerFast 100 Tage war Yvonne in freier Wildbahn unterwegs.

Sollten sie es wagen, Dich wie ein Naturwunder auf dem Jahrmarkt herzuzeigen, Dich sozusagen als bunte Kuh vorzuführen, werden sie ihr blaues Wunder erleben. Und die ganze Geschichte geht von vorne los. Aber dann, liebe Yvonne, verrätst Du nur uns, wo Du Dich versteckt hast. Wir werden Dich bei Nacht und Nebel zu einem vertrauenswürdigen Almbauern bringen, der mehr von Kühen und Menschen versteht als alle Tierretter dieser Welt. Da kannst Du selbst entscheiden, wieviel Ruhe und wieviel Geselligkeit Du brauchst. Und da darfst Du dann wirklich in Frieden leben bis ans Ende Deiner Tage. Wir werden Dich auch regelmäßig besuchen. Und darauf achten, dass Dir nicht wieder ein alter Ochs als Jungbulle untergejubelt wird.

Gib zu, Yvonne, das wär‘s! Du würdest wirklich unsterblich. Und eine Heldin. Und der lebende Beweis dafür, dass wir dem Wahnsinn dieser Welt doch entkommen können. Wenn wir nur ganz fest daran glauben.

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Nur ein Kapitänchen

 

Eine Frau liest am Montag (29.08.2011) in München (Oberbayern) in dem Buch "Der feine Unterschied" von Fußballprofi Philipp Lahm.© Andreas Gebert dpa/lbyEine Frau liest in dem Buch "Der feine Unterschied" von Fußballprofi Philipp Lahm. Die Autobiografie, die für Diskussionen und Ärger gesorgt hat, ist seit 29. August im Handel.

29. August 2011 - Keine Angst, ich belästige Sie nicht auch noch mit meiner Meinung zu den sportlichen, schriftstellerischen und erotischen Qualitäten von Philipp Lahm. Mich interessiert etwas anderes. In der Werbung zum Buch des Nationalmannschaftskapitäns heißt es wörtlich: „Kinder und Jugendliche, die Fußball spielen, können das Buch als Gebrauchsanweisung für ihre eigene Karriere lesen.“ Regel Nummer eins: Liebe Deine Förderer wie Dich selbst - solange sie Dir nützlich sind. Wenn sie ihren Zweck erfüllt haben, benutze sie als Fußabstreifer.

Ich würde jedem Nachwuchstrainer dringend davon abraten, seinen Schützlingen die Lahmschen Karrieretipps zur Lektüre zu empfehlen. Zumal Lahm kein Ersttäter ist. Schon die Art und Weise, wie er die schwere Verletzung von Michael Ballack ausnutzte, um ihm die Kapitänsbinde zu entreißen, war entlarvend. So mag es in freier Wildbahn zum Beispiel in einem Wolfsrudel zugehen. Aber (hoffentlich) nicht in D- oder B-Jugendmannschaften.

Szenekenner glauben, dass sich Philipp Lahm mit seinem Buch ein Denkmal setzen möchte. Sollte das der Fall sein, dann ist ihm dieses Vorhaben gründlich misslungen. So wird er keine Persönlichkeit, kein Beckenbauer, Seeler, Overath oder Hoeneß. So spielt er abseits des Fußballfeldes in der Liga von Lothar Matthäus und Boris Becker, die sich im Gegensatz zu ihm immerhin einen Ruf als Schürzenjäger erarbeitet haben. Nein, Herr Lahm, ein Matthäus ist kein Beckenbauer und ein Kapitänchen kein Capitano. Dazwischen liegen Welten. Nicht nur ein feiner Unterschied.

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Tipps für die Hausfrau

26. August 2011 - Deutschlands Ehen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Fast jede zweite endet, bevor der Tod sie scheidet. Und wer ist schuld? Genau, die Frau! Weil sie ihrem Herrn und Gebieter leider nicht immer so respektvoll und demütig entgegentritt, wie er das verdient.

Eine Frau mit einem Teller Kekse© istock

Da das Oberbayerische Volksblatt den Leserservice ernst nimmt - die Auszeichnung „Leserfreundlichste Zeitung 2009“ verpflichtet - möchten wir an dieser Stelle unseren bescheidenen Beitrag zur Senkung der Scheidungszahlen liefern und damit die Welt wieder ein wenig verbessern.

Zugegeben, die drei Goldenen Regeln für eine funktionierende Ehe haben wir nicht selbst erfunden. Wir haben sie aus der englischen Frauenzeitschrift „Housekeeping Monthly“ entnommen. Und zwar aus der Ausgabe vom 13. Mai 1955 - was beweist, dass uns die Briten auch in dieser Hinsicht um Lichtjahre voraus sind. Bitte lesen Sie:

Regel 1: Halten Sie das Abendessen bereit. Planen Sie vorausschauend, eventuell schon am Vorabend, damit die köstliche Mahlzeit rechtzeitig fertig ist, wenn er nach Hause kommt. So zeigen Sie ihm, dass Sie an ihn gedacht haben und dass Ihnen seine Bedürfnisse am Herzen liegen. Die meisten Männer sind hungrig, wenn sie heimkommen, und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit (besonders auf seine Leibspeise) gehört zu einem herzlichen Empfang, so wie man ihn braucht.

Regel 2: Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, so dass Sie adrett aussehen. Er war ja schließlich mit einer Menge erschöpfter Leute zusammen.

Regel 3: Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn. Er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag, und es gehört zu Ihren Pflichten, dafür zu sorgen.

Soweit die Lebenshilfe made in Great Britain. Nun sind Sie am Zuge. Machen Sie das Beste daraus. Und haben Sie bitte Verständnis, dass wir für Risiken und Nebenwirkungen leider keine Haftung übernehmen können. Viel Glück!

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Yvonne oder Schatzi?

 24. August 2011 - Ich hab‘s geahnt! Yvonne, die Kuh, die ein Reh sein möchte, wird uns länger und intensiver beschäftigen als Knut, der Eisbär, der ein Mensch sein wollte. Und das ganz ohne den Einsatz des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, der ja als Knut-Versteher die Seiten der Regenbogenpresse füllte.

Jetzt treibt Yvonne - ohne eigenes Zutun - auch noch einen Keil zwischen die bislang vorbildlich zusammen arbeitenden Redaktionen von OVB und Radio Charivari. Und das kam so: OVB-Redakteur Hans-Jürgen (Bärle) Ziegler ist nicht nur Sport-, sondern auch Wiesn-Experte. Schon vor Monaten verriet er in der Redaktionskonferenz, wie der Wiesnhit 2011 heißen würde: „,Schatzi, schenk mir ein Foto‘“ von Mickie Krause. Das garantier‘ ich Euch!“ „Mickie Krause?“ „Klar, Mickie Krause, kennt Ihr doch, der mit ‚Zehn nackte Friseusen‘ und ‚Geh doch zu Hause, du alte Scheiße‘.“ „Wie bitte?“ „Sagt bloß, den kennt Ihr nicht?!“ Stop! Wie es in der Konferenz weiter ging, welche (unvorstellbaren) Krause-Titel wir noch kennen lernten und wie die Kolleginnen darauf reagierten, darüber wird nichts verraten. Redaktionskonferenzen sind schließlich nicht öffentlich!

Video Mickie Krause

Und damit nahm das Unheil seinen Lauf. Das Charivari-Team erfuhr nichts von der todsicheren Prognose des Wiesnhit-Experten. So musste es selbst recherchieren, was denn zum Wiesnhit taugen würde. Und siehe da, Studioleiter Andi Nickl und seine Mitstreiter wurden fündig. Dank Yvonne. In Großaitingen an der Singold. Bei den Singold Melodies, dem „Top-Duo mit dem Sound einer ganzen Band“. Die nämlich präsentieren in diesen Tagen der Welt ihren neuesten Song. Und der heißt, Sie ahnen es, „Song für Yvonne“. Textprobe gefällig? Nun denn: „Muh, muh, ich bin die Kuh, und ich hab ein Herz genau wie du.“

Video Singold Melodies

Radio Charivari jedenfalls glaubt, dass dies der Wiesnhit 2011 wird. Kollege Ziegler allerdings zeigt sich von der musikalischen Kompetenz der Radiomacher unbeeindruckt. Und weicht keinen Millimeter von seiner Prognose ab. Warten wir mal ab, wer am Ende vorne liegt. Vielleicht endet das Duell ja auch unentschieden: „Schatzi“ als Publikumsliebling beim Rosenheimer Herbstfest, „Yvonne“ der Renner beim Mühldorfer Volksfest. Hier sind die zwei vom Singoldstrand eindeutig die Platzhirsche: Der Landkreis Mühldorf ist die Wahlheimat von Yvonne, und aus Mühldorf stammt auch Petra Schauer, die eine Hälfte des Melodies-Duos. Heimvorteil nennt man sowas. Und wie wichtig der sein kann, das immerhin weiß ein Sportredakteur am besten!

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Humor und Melancholie

23. August 2011 - Heute Mittag traf im Medienhaus die Nachricht vom Tod Vicco von Bülows, den die meisten nur als Loriot kennen, ein. Und jeder, wirklich jeder Kollege, mit dem ich darüber sprach, hatte seine ganz persönlichen Erinnerungen an diesen genialen Humoristen.

Loriot - ein Streifzug durch sein Leben:

Fotos 

Viele Szenen liefen vor meinem geistigen Auge ab, aber eine ist mir ganz besonders gut in Erinnerung. Es war in „Pappa ante portas“, Anfang der 90-er Jahre, als der frisch pensionierte Einkaufsdirektor Heinrich Lohse den Haushalt seiner Familie nach allen Regeln der (betriebswirtschaftlichen) Kunst neu organisieren will. Um einen anständigen Rabatt zu bekommen, kauft er gleich mal einen 100-Jahres-Vorrat an Senf. Die Szene war einmalig, die Zuschauer im Kino bogen sich vor Lachen. Besonders laut lachte meine Frau. Was ist denn mit der los, fragte ich mich. Bis der Groschen fiel: Als eingefleischter Senf-Liebhaber sorgte auch ich mit großem Pflichtbewusstsein dafür, dass zuhause immer genug Senf in allen erdenklichen Variationen vorrätig war...

Vielleicht ist das ja auch das Geheimnis Loriots, dass er uns immer den Spiegel vorgehalten hat, ohne dabei zu verletzen. So, wie zwei andere große Komiker: der unvergessene Heinz Erhardt und der russische Star-Clown Oleg Popow. Auch sie schafften es meisterhaft, den Menschen ihre kleinen und großen Fehler nahe zu bringen, ohne sie zu verletzen. Sie lieb(t)en die Menschen. Und die Menschen lieben sie.

Der russische Clown Oleg Popow (links) und der deutsche Komiker Heinz Erhardt© dpaDer russische Clown Oleg Popow (links) und der deutsche Komiker Heinz Erhardt

Noch etwas haben die drei gemeinsam: Immer umwehte sie ein Hauch von Melancholie. Vor vielen Jahren traf ich Popow am Rande einer Zirkusvorstellung. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Popow formulierte kurz und knapp, fast abgehackt. Und immer hatte ich das Gefühl, er wollte mir sagen: „Was weißt Du schon vom Leben, Du junger Hupfer.“ Was er wirklich dachte, weiß ich nicht. Aber nie werde ich die Trauer vergessen, die aus seinen Augen sprach. Auch Heinz Erhardt war bekanntlich eine von Kindheit an tief verletzte Seele. Müssen große Humoristen - damit meine ich ausdrücklich nicht die Knallfrösche vom Schlage einer Hella von Sinnen oder eines Jürgen von der Lippe - schwermütig sein, um wirklich Großes zu leisten? Keine Ahnung! Vielleicht war ja alles nur Zufall. Oder Küchenpsychologie.

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Lupenreine Demokraten

 23. August 2011 - Das haben wir doch schon immer gewusst, sagen die einen. Wir haben von nichts gewusst, die anderen. Sagen wir so: Wer Augen hatte zu sehen und Ohren zu hören, der hat zumindest erkennen können, dass die Partei „Die Linke“ mit Demokratie nicht viel am Hut hat. Und dass die Verfassungsschützer Recht haben, die diese Partei dem extremistischen Spektrum zurechnen.

Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro© dpaDer kubanische Revolutionsführer Fidel Castro bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte in Havanna (Archivfoto vom 26.07.2006)

Wozu solche Selbstverständlichkeiten an dieser Stelle? Weil ich mich kürzlich furchtbar aufregen musste. Und zwar über Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, die Vorsitzenden der Linkspartei. Die gratulierten dem „lieben Genossen Fidel Castro“ zum 85. Geburtstag mit einem Schreiben, das nach Stil und Inhalt von Erich Honecker stammen könnte. Die beiden Oberlinken bescheinigen dem Maximo Lider, er könne voller Stolz auf ein kampferfülltes und erfolgreiches Wirken an der Spitze der kubanischen Revolution zurückblicken. Lötzsch und Ernst wörtlich: „Die Errungenschaften des sozialistischen Kuba mit seiner Beispielwirkung für so viele Völker der Welt werden immer und zuerst mit Deinem Namen verbunden sein.“ Von „beispiellosen sozialistischen Errungenschaften“ ist die Rede und vom „Orientierungspunkt für viele Völker der Welt“. Und so schleimen die beiden Musterdemokraten weiter bis zu dem Satz, der jahrzehntelang zum Standardrepertoire aller kommunistischen Diktatoren zwischen Ostberlin und Pjöngjang gehört(e): „Zugleich versichern wir Dir unsere unverbrüchliche Freundschaft und Solidarität mit dem kubanischen Volk.“ Alles klar, Frau Lötzsch, alles klar, Herr Ernst. Fidel Castro ist die Inkarnation von Freiheit und Menschenrechten, die Berliner Mauer war ein antifaschistischer Schutzwall, „Die Linke“ ist eine demokratische Partei und die Welt ist eine Scheibe.

PS: Vor einigen Jahren verlieh der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi dem kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro den „Internationalen Gaddafi-Preis für Menschenrechte“. Lupenreine Demokraten unter sich. Nun hat das libysche Volk seinen Diktator in die Wüste geschickt. Ob sowas in Kuba auch eines Tages geschieht? Wir wissen es nicht. Aber die Schuldigen werden uns die Genossen Ernst und Lötzsch dann sicher nennen: Den US-Imperialismus in Zusammenarbeit mit dem internationalen Kapital, faschistischen Kriegstreibern und allen revanchistischen Kräften dieser Welt. Wetten, dass?!

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Gnadenlose Tierschützer

Hubschrauber-Jagd auf Yvonne© ro24/AktivnewsAuch das noch: Hubschrauber-Jagd auf Yvonne

18. August 2011 - Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, nichts mehr über Yvonne zu schreiben. Ich wollte mich halt nicht zum Helfershelfer der ausgebufften Marketingprofis („Tierschützer“) von Gut Aiderbichl machen. Aber so langsam nimmt der Affen-, pardon Kuhzirkus Formen an, die gar nicht mehr zum Lachen sind. Schlimm genug, dass Aiderbichler und Radiosender mit Hubschraubern über den einstmals stillen Wäldern von Zangberg kreisen; dass Boulevardreporter - ausgerüstet mit Cowboyhut, Lasso und Faschingsrevolver - zum fröhlichen Halali blasen. Nein, jetzt soll Aiderbichl-Gutsverwalter und Einsatzleiter Hans Wintersteller auch noch über „ein Medium“, bei dem es sich offenbar um eine Hellseherin oder ähnliches handelt, Kontakt zu der bedauernswerten Kreatur aufgenommen haben. Das jedenfalls berichten übereinstimmend der Nachrichtensender „ntv“, die Tageszeitung „Die Welt“ und die Umweltschutz-Organisation „Greenpeace“. Laut Greenpeace hat Yvonne wissen lassen, sie brauche noch Zeit, um sich dem Medium anzuvertrauen.

Die spinnen doch, die Aiderbichler, schoss es mir durch den Kopf. Oder sollten es die genannten Berichterstatter im Eifer des Gefechts mit der Sommerlochfüllung übertrieben haben? Unser Mühldorfer Redakteur Josef Enzinger wollte es genau wissen und ging der Sache nach. Seine Recherchen ergaben, dass der Wahnsinn offenbar Methode hat. Alles weitere lesen Sie morgen im OVB und seinen Regionalausgaben.

Allmählich frage ich mich, wer hier eigentlich Hilfe braucht - Yvonne oder ihre Helfer? Ich frage mich auch, wie es gnadenlose Tierschützer verantworten können, Yvonne mit Pferden und lärmenden Quads durch den Wald zu hetzen. Und wer denkt an die Wildtiere, an Hasen, Rehe und Füchse, die seit Wochen in Panik versetzt werden?

PS: Gut Aiderbichl ist als gemeinnützige Stiftung anerkannt. Wer überwacht eigentlich die Einhaltung des Stiftungszwecks und die Seriosität der Verantwortlichen? Man wird ja noch fragen dürfen!

Hierzu erreichte mich folgende Leser-Zuschrift:

 Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

Sie wettern in Ihrem Blog vom 18.08.11 über die Art und Weise im Umgang mit der Kuh "Yvonne"...! Dabei ist es doch die Presse, die diese Aufmachung mit Ihren Presseorganen fabriziert, mit den ganzen erbärmlichen Bildern. Ich frage mich eigentlich, was die Kinder dazu sagen, was haben die für Gedanken, Nachahmung...?

Aber wenn der SPIEGEL- WELT- FAZ- SZ- etc. schon berichten über eine Kuh, dann kann man getrost sagen, diese Abos kann man sich sparen, spare ich mir auch.

Aber eine Frage noch: Warum wettern Sie, wie mit der Kuh umgangen wird, wenn Ihre Presse für die RIESENAUFMACHER und STIMMUNG sorgt, jeden Tag ein anderer Artikel, andere Bilder, Kommentare und alles im Überfluss. Ich verstehe da was nicht ganz.

Wenn man diese hässlichen Bilder sieht, fragt man sich schon, ob dass noch Tierschützer sind? Was sind dass für Leute, die mit Lebewesen so umgehen? Die haben auch Blut, Knochen, Haut und Nerven. Das spielt anscheinend keine Rolle. Und die Presse heizt sich auf damit: Wer hat das extremste Foto gemacht...

Ich verbleibe mit freundlichen Grüssen,

Anton Seredinski

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Von Enten und Kamelen

Ein Citroen 2CV, genannt "Ente"© dpaEin Citroen 2CV, genannt "Ente"

12. August 2011 - „Wie verrückt muss man eigentlich sein, um mit so einer Blechbüchse umeinander zu fahren?“ Ja, der ältere Herr, den es beim Ententreffen 2010 an den Samerberg verschlug, hat eigentlich Recht. Wie verrückt muss man sein, um sich in so ein „Kamel“, wie es der legendäre Automobiljournalist Fritz B. Busch einmal nannte, zu verlieben? Am besten fragen Sie die stolzen Besitzer der 2CV, die am Samstagnachmittag, 13. August, aus ganz Deutschland und aus dem benachbarten Ausland zum Entenwirt nach Törwang kommen, um ihre Schmuckstücke zu präsentieren und mit Gleichgesinnten (gleich Verrückten?) zu fachsimpeln.

Ja, die Ente, in der Szene „Döschwo“ genannt, ist schon ein besonderes Exemplar. Ob die eigentlich als richtiges Auto gelte, fragte mich vor Jahren eine Freundin. Die Frage war durchaus ernst gemeint. Warum die Ente so ist, wie sie, kann nur verstehen, wer sich in die 50-er Jahre zurück versetzt. Damals galt es schon fast als Luxus, einen VW Käfer zu fahren. Normal war ein Motorrad, und wer es zu bescheidenem Wohlstand gebracht hatte, gönnte sich eine BMW Isetta, ein Goggomobil oder einen Messerschmitt Kabinenroller. In die Welt dieser skurrilen Kleinstwagen passte die Ente perfekt. Ja, sie bot im Gegensatz zur chromverzierten deutschen Konkurrenz sogar entscheidende Vorteile: Platz für mindestens vier Personen, simple Technik (zur Not vom Dorfschmied zu reparieren) und ein Fahrwerk, mit dem man im Gegensatz zur Konkurrenz auch ohne Bandscheibenschaden nach Rimini oder Jesolo fahren konnte. Über mickrige Fahrleistungen, Benzingestank im Innenraum, Rostfraß und campingstuhlähnliche Sitzgelegenheiten sah der 2CV-Kapitän großzügig hinweg - dafür war ja Cabrio-Flair und ein Hauch von Montmartre und Moulin Rouge im Kaufpreis enthalten.

Ende der 60-er Jahre ging's dann richtig los. Plötzlich wurde die Ente zum Kultauto. Wer Sartre las und Moustaki hörte, fuhr selbstverständlich Döschwo. Und wer hip (Hippie) sein wollte, erst recht. Später war die Ente auch bei „Normaljugendlichen“ angesagt, die sich schlicht und einfach von der älteren Generation mit ihren spießigen Käfern und Lloyds abheben wollten. Und, nicht zu vergessen: Die Ente war das perfekte Urlaubsauto. Selbstverständlich fuhr auch ich damals eine Ente - innen orange, außen orange. Orange, so stand es im Prospekt. Wie sich das schon anhörte in einer Zeit, als orange noch apfelsinenfarbig hieß, als man rosa statt pink und giftgrün statt mint sagte. Mit dieser Ente und knapper Kasse also ging es 1973 auf den Spuren von Heinrich Böll die irische Westküste entlang. Und, Sie werden es kaum glauben, es war eine wunderbare Reise, meine Frau schwärmt noch heute davon. Meine Freunde, die mit ihren tiefergelegten Minis und brettharten NSU TT an die Adria gefahren waren, kamen jedenfalls nicht so entspannt zurück. Kaputt und zermartert wie nach vier Wochen Ferienjob am Bau. Aber dafür hatten sie sich als Jacky Ickx oder Jackie Stewart fühlen dürfen, als die wahren Helden der Landstraße...

Vielleicht also ist der Entenfahrer gar nicht so verrückt, wie manche Zeitgenossen meinen? Vielleicht interessiert es ihn wenig, was die Leute über ihn und sein Vehikel denken? Der eingangs erwähnte Fritz B. Busch schloss seinen Testbericht über einen 2CV Sahara 1968 so: „Ich hatte vierzehn Tage ein Kamel vor der Tür, und die Leute haben mich für eins gehalten. Es war eine köstliche Zeit!“ Wenn Sie sich selbst ein Bild machen wollen vom Sinn und Unsinn der Entenliebhaberei, vom Charme und Flair dieser Automobile (mit dem Begriff „Kraftfahrzeuge“ sollte man angesichts von 28 PS zurückhaltend sein) und wenn Sie gerade nichts Sinnvolleres zu tun haben, dann sehen wir uns ja vielleicht am Samstag in Törwang. Sie dürfen sogar ihre ehrliche Meinung sagen. Entenfahrer sind Hohn und Spott gewohnt...

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Yvonne und der Stier

Stier Ernst von Gut Aiderbichl© Gut AiderbichlStier Ernst von Gut Aiderbichl

9. August 2011 - Yvonne kommt nicht zur Ruhe. Jetzt soll ein Dackel das gehetzte Rindvieh suchen. Schließlich weiß der deutsche Jäger schon seit 100 Jahren: „Wenn gar nix mehr geht, muss der Dackel ran.“ Und wenn auch der nur im Wald umeinander faselt, statt Bos primigenius taurus (so heißt Yvonne unter Wissenschaftlern) aufzustöbern, dann steht ein leibhaftiger Stier bereit: Ernst, der Zuchtbulle. Der hat erstens keine Angst vor großen Tieren und ist zweitens ein erfahrener Liebhaber. Seine Besitzer schwärmen in den höchsten Tönen. Ein Prachtkerl sei er, der Ernst. Ein ehemaliger Schaustier, viel Erfahrung im Umgang mit dem anderen Geschlecht, seriös und ruhig. Das klingt ja fast wie eine Partnerschaftsanzeige. Da drängen sich zwei Fragen auf: Wie bitte müssen wir uns einen seriösen Stier vorstellen? Und warum wurde der Ernst eigentlich als Zuchtbulle ausrangiert, wenn er so ein toller Hecht ist?

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Yvonne und die Medien

9. August 2011 - Der Spruch des Tages kommt übrigens von Erich (nicht Ernst) Kozel, beim Landratsamt Mühldorf zuständig für Yvonne. Er ist immer noch zuversichtlich, dass man das gute Stück lebend erwischt. „Aber nicht, wenn zeitgleich 50 Leute durch den Wald rennen.“ Wenigstens einer, der in Zeiten des Kuh-Wahnsinns kühlen Kopf behält.

Überhaupt, der Herr Kozel. Der scheint ja ein wahres Multitalent zu sein. Als Fachbereichsleiter zuständig für öffentliche Sicherheit und Ordnung, Ausländer, Kommunales, Katastrophenschutz. Damit ist er laut Stellenbeschreibung unter anderem verantwortlich für Sportwetten und die Unterbringung psychisch Kranker, Jagd- und Bestattungsrecht, Kaminkehrerwesen und Vereinsrecht, Einbürgerungsverfahren und Feuerwehr, für Wahlen und Rechnungsprüfung. Und - jetzt kommt‘s - dieser Herr Kozel ist nebenher auch noch Landrat des Landkreises Mühldorf am Inn. Behauptet wenigstens „Spiegel TV“. Und der „Spiegel“ hat ja bekanntlich immer Recht. Genauso wie die „Bild-Zeitung“: Die ortet Yvonne "im Landkreis Aschau am Inn“. Das alles ist aber harmlos gegen das, was sich „Frankfurter Rundschau“ und „Thüringer Allgemeine“ erlauben. Sie verlegen Zangberg kurzerhand nach Niederbayern. Nach Niederbayern! Da hört der Spaß auf. Mit sowas scherzt man nicht. Wenn das unser Mühldorfer Redakteur Sepp Bauer erfährt! Der kann nämlich auch zum wilden Stier werden. Im Gegensatz zu Ernst ist er aber keineswegs ausgemustert, sondern steht noch voll im Saft. Und nichts reizt ihn so sehr wie die Behauptung, Mühldorf liege in Niederbayern. Also, liebe Kollegen in Frankfurt und Thüringen, aufgepasst! Da hat der Bauer Sepp ein Recht auf Wiedergutmachung. Mit Frankfurter oder Thüringer Würschtl ist es nicht getan!

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Rinderwahn in Zangberg

4. August 2011 - Nein, das Ungeheuer von Loch Ness ist nicht im Wald bei Zangberg gelandet, und Bruno der Bär ist auch nicht von den Toten auferstanden. Es ist alles viel aufregender:

© EnzingerDie Kuh Yvonne

Yvonne, die Kuh, die ein Reh sein will, hält die Welt in Atem. Dort, wo sich sonst Hase und Fuchs friedlich gute Nacht sagen, herrscht der Rinderwahn. Tierschützer, Gaffer und Fernsehreporter lassen Yvonne keine Minute Ruhe. Auch im Internet ist die arme Sau, pardon Kuh, zum Star mutiert. Selbst Roland Tichy, Chefredakteur der vom Auflagenschwund befallenen „Wirtschaftswoche“, gibt den Yvonne-Kümmerer. Was zu frechen Kommentaren wie diesem führt: „Seit sich Roland Tichy von der WiWo mehr um seine Yvonne kümmert als um die Märkte, brechen diese ein.“

Wenn Sie mich fragen: Mir tut das arme Tier nur noch leid. „Freiheit für Yvonne“, möchte man rufen. Aber dafür ist es wahrscheinlich schon zu spät. Die Gute ist dem Vernehmen nach schon so verwirrt, dass sie zum rasenden Verkehrsrisiko geworden ist. Ach, wäre Yvonne doch kein Medien-Star, sondern ein richtiger. Dann könnte sie dem ganzen Rummel einfach entfliegen. Aber das ist wohl zu schön um wahr zu sein...

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Rauft's Euch zusammen!

3. August 2011 - Darf er oder darf er nicht, soll er oder soll er nicht - diese Frage beschäftigt die Menschen in Rosenheim seit Tagen wie kein anderes Thema. Da können weder Euro-Krise noch Bundesligastart oder "Sommerwetter" mithalten; da ist selbst das Schicksal von Kuh Yvonne und das Lokalderby zwischen TSV 1860 und SBR von nachrangigem Interesse.

© csStreitpunkt: Happinger See

Die Frage, ob Anton Kathrein sein Firmen-Imperium um ein Hotel am Happinger See erweitern darf oder sogar sollte, spaltet die Bevölkerung. Es entwickeln sich verbissene Grabenkämpfe. Dabei wäre eine vernüftige Lösung kein Hexenwerk. Die Verantwortlichen sollten sich zusammensetzen, zehn Minuten Dampf ablassen und dann zum Kern der Sache kommen. Vielleicht bei einer Wiesnmass (sorgt für Entspannung), oben auf dem Wendelstein (Höhenluft macht den Kopf frei) oder in Altötting (Wunder gibt es immer wieder).

Für eine Kompromisslösung sprachen sich auch 37 Prozent der Teilnehmer an einer Umfrage von ro24 aus. Zwar handelt es sich nicht um eine repräsentative Befragung, das Ergebnis könnte aber durchaus dem aktuellen Stimmungsbild entsprechen: 40 Prozent verlangen von der Stadt, sie dürfe auf keinen Fall grünes Licht für die Kathrein-Pläne geben. 23 Prozent fordern, die Stadt solle einlenken und die Pläne genehmigen. Und die genannten 37 Prozent sagen: Kathrein und Stadt sollen sich an einen Tisch setzen und einen Kompromiss finden.

Ich schließe mich dieser Gruppe an. Eine Lösung wäre machbar, wir haben es ja hier nicht mit Betonköpfen zu tun. Auf der einen Seite eine Oberbürgermeisterin, die wirklich immer ein offenes Ohr für die Interessen der Wirtschaft hat und diese auch engagiert vertritt. Auf der anderen Seite ein Unternehmer, der in 40 Jahren aus einem bescheidenen Familienbetrieb mit 51 Millionen D-Mark Jahresumsatz einen Weltmarktführer mit 1,3 Milliarden Euro geformt hat. Wenn da kein für alle Beteiligten akzeptables Ergebnis zu erzielen wäre - ich verstünde die Welt nicht mehr!

Das Ergebnis der ro24-Umfrage erscheint übrigens noch aus einem anderen Grund bemerkenswert: Der Rosenheimer Stadtrat sprach sich geschlossen gegen Kathreins Hotelpläne aus. In der Bevölkerung aber sind 60 Prozent dafür oder zumindest für Verhandlungen. Auch wenn die Zahlen nicht repräsentativ sind: Sie liegen meilenweit vom Stimmungsbild im Stadtrat entfernt. Das zeugt nicht unbedingt von Volksnähe der Politik.

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Was wirklich wichtig ist

27. Juli 2011 -  Muss Trinkwasser zu 100 Prozent keimfrei sein oder reichen 99,8 Prozent?

Wer von den sechs nominierten Grazien wird Miss Herbstfest - die Entenprinzessin oder die vom Bayernbund oder eine ganz andere?

Was ist fürchterlicher - das Frauenbild von Minister Ramsauer, die Gedächtnislücke des Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner oder die Rachsucht der Frau Oberbürgermeisterin?

Diese und ähnlich weltbewegende Fragen beschäftigten die Redaktion in den vergangenen Tagen. Und dann der Massenmord in Norwegen. 76 Tote, die meisten davon Kinder und Jugendliche. Viele tausend Mütter, Väter, Brüder, Schwestern, Großeltern, Verwandte, Freunde, Nachbarn trauern.

© dpaTrauer in Norwegen

Was treibt einen jungen Mann aus der heilen Welt Norwegens dazu, so etwas zu tun? Was ist in seinem Gehirn passiert, das ihn zur Bestie werden ließ, wie wurde er zum Wahnsinnigen? Was geht im Kopf eines Menschen vor, der gleichzeitig Atatürk, Bismarck, Churchill, Theodor Herzl und die Baader-Meinhof-Bande verehrt? Wie kann sich jemand als Held fühlen, der so gern über seine Kindheit mit vier Stiefschwestern lamentiert und seine Mutter beschuldigt, ihn ständig mit Grippeviren zu infizieren?

Das sind die Fragen, die uns beschäftigen sollten. Und die Frage, welche Strafe ein Massenmörder verdient. Wenn Sie mich fragen: Die höchste, die das norwegische Strafrecht zulässt. Anschließend Sicherheitsverwahrung. Und dann soll ihn der Teufel holen!

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Erinnerungen an Amy Winehouse

© dpaDie britische Popsängerin Amy Winehouse (* 14.9.1983 in London; † 23.7.2011 in London)

26. Juli 2011 - Amy Winehouse hat uns verlassen. Amy, die Stimme. Ich erinnere mich noch genau, wie ich sie zum ersten Mal hörte. Im Auto, irgendwo auf der Autobahn zwischen München und Rosenheim. Ich war hin und weg. Abends erzählte ich meiner Tochter, was ich gehört hatte. „Klar, das war Amy Winehouse, kennt doch jeder“, erfuhr ich. Nun kannte ich sie auch.

Etwa ein Jahr später, in London, Hardrock Cafe. Wir fragten, warum die Bühne mit einer Art Absperrung versehen sei. „Das ist noch vom Auftritt von Amy Winehouse.“ „Aha, Schutz vor fanatischen Fans?“ „Nein, als Vorsichtsmaßnahme, damit sie nicht von der Bühne kippte.“ Er erzählte es so, dass es nicht wie ein Witz klang.

Amy Winehouse war nicht stark genug für diese Welt. Möge sie im Rock-Himmel ihren Frieden finden.

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Eishockey am Scheideweg

25. Juli 2011 -  Das deutsche Eishockey bewegt sich auf ganz dünnem Eis. DEL und 2. Liga gehen getrennte Wege. Eine Verzahnung gibt es künftig nicht mehr. Damit entfallen auch Auf- und Abstieg, für die Fans das Salz in der Suppe. Die Zweitligisten kämpfen ab sofort nur noch um die „Goldene Ananas“ - ob das gut geht?

Die Eishackler müssen aufpassen, dass sie nicht zur Randsportart verkommen. Jetzt sind Traditionsvereine wie die Starbulls Rosenheim gefordert. Sie müssen sagen, wo sie die Perspektiven ihrer faszinierenden Sportart sehen. Sonst könnten ihnen eines Tages auch die treuesten Fans weglaufen.

Rubriklistenbild: © dpa

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Kommentare

Von Willi Börsch

In seinem Online-Blog "Am Rande notiert" schreibt Willi Börsch, Chefredakteur des Oberbayerischen Volksblattes und seiner Heimat-Zeitungen, über die großen und kleinen Dinge des Lebens in der Region.

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