Neumarkt-St. Veit - Eile war angesagt am Samstagabend. Wer einen guten Platz beim Freilichttheater im Klosterhof von Sankt Veit ergattern wollte, musste sich beeilen. Schon nach kurzer Zeit waren die begehrtesten der rund 250 Sitzplätze belegt.

© alx
Der Brandner Kaspar trickst den "Boandlkramer" aus und erschleicht sich so weitere 18 Lebensjahre; mit ungeahnten Folgen.
Um halb acht war es soweit, Martin Winkelbauer betrat die Bühne und kündigte dem Publikum einen "besonderen Abend mit besonderen Menschen" an. Seit einigen Jahren bringt er den Brandner Kaspar mit der Integrativen Theatergruppe der Stiftung Ecksberg auf die Bühnen der Region.
Die Geschichte um den Brandner Kaspar und sein Spiel mit dem Tod begeistert heute noch jedes Jahr. Alles beginnt mit einer Treibjagd und einem verirrten Schuss, der den Brandner streift. Zurück daheim hört er ein seltsames Sausen, das von draußen in seine bescheidene Hütte dringt, das Totenglöcklein erklingt und plötzlich steht der "Boandlkramer" in der Tür. Unwillig dem kleinen, seltsamen Männlein zu folgen, denkt sich der Brandner Kaspar eine List aus. Er überredet den "Boandlkramer" zu einem Spiel, bei dem dieser nur verlieren kann. Vom "Kerschgeist" beschwipst, lässt dieser sich darauf ein - und verliert. Auch ein "dieser Tag ist Dir aufgesetzet" nützt nichts mehr, Kaspar hat sich somit 18 weitere Lebensjahre ergaunert. Fortan wähnt sich der bayerische Dickkopf im Glück, fühlt sich unangreifbar. Nur dass er mit seinem Trick die himmlische Ordnung durcheinander gebracht hat, kann er ja nicht wissen.
An seinem 75. Geburtstag geschieht das Unglück. Wieder erklingt das Totenglöcklein. Doch nur einer, der es schon einmal gehört hat, kann es erkennen. Dieses Mal holt "Boandl" Brandners Enkelin Marei, die sich dann im bayerischen Himmel wieder findet. Hier läuft alles etwas anders, als man landläufig annimmt. Denn im bayerischen Himmel sitzen der alte Thurmair, der Pilger Nantwein und Erzengel Michael beim Kartenspielen und einer Mass Bier vor der Himmelspforte.
Die Darsteller sind allesamt Laien. Viele davon Bewohner der Stiftung Ecksberg. Gerade diese Menschen mit Behinderung gehen in ihren Rollen besonders auf. Ihre strahlenden Augen verraten es. Unter der Regie von Martin Winkelbauer laufen sie zu wahren Höchstleistungen auf und überzeugen das Publikum dabei ebenso wie die nicht-behinderten Darsteller. Mit viel Feingefühl, Menschenkenntnis und natürlich Bühnenerfahrung hat Winkelbauer jedem der behinderten Menschen eine Rolle zugewiesen, die zum einen zu ihm passt, zum anderen seine Fähigkeiten auch nicht übersteigt. So kann sich jeder gemäß seines körperlichen und geistigen Vermögens in das Stück mit einbringen und ein Teil davon werden. Als Zuschauer merkt man beiden Seiten die intensive Auseinandersetzung miteinander und ihre Nähe an.
Vielleicht ist es gerade dieses ganz besondere Zusammenspiel zwischen so unterschiedlichen Menschen, was diese Inszenierung so einzigartig macht. Wer den "Brandner Kaspar" am vergangenen Samstag verpasst hat, dem bleibt noch eine Gelegenheit das Stück zu sehen. Nächsten Samstag, 27. August, im Klosterhof von Sankt Veit. Beginn ist wieder um 19.30 Uhr.
alx/Neumarkter Anzeiger
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