Massive Einschnitte in die Natur, Versiegelung von Kulturlandschaft, ungesundes gewerbliches Wachstum und erhöhte Immissionen befürchten die Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen das Netto-Logistikzentrum in Erharting.

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Sie engagieren sich für den Bürgerentscheid, von links: Johann Batzelt, Margit Panzer, Richard Stefke und Klaus Schuster. Darüber hinaus gehören Alois Wagner und Christian Panzer der Initiative an. Foto je
Erharting - "Im Süden Fliegl, im Westen Netto - da bleibt mir nur noch der freie Blick in Richtung Osten." Johann Batzelt ist alles andere als begeistert über die geplante Ansiedelung des Netto-Logistikzentrums in unmittelbarer Nähe zu seinem Anwesen. Er wohnt in Maxing, das Logistikzentrum soll nur 200 Meter entfernt entstehen - mit erheblichen Einschränkungen für ihn.
Der Wertverlust seines Grundstücks ist die eine Sache, die Belastung durch Immissionen die andere. Batzelt befürchtet Dauerlicht in der Nacht aufgrund des ständigen Betriebes, Lärm durch Lastwagen, von Schadstoffen ganz zu schweigen. Der Erhartinger überlegte also nicht lange, als er sich entschloss, zusammen mit Klaus Schuster und Richard Stefke die Ansiedelung kritisch zu hinterfragen. Die drei haben Unterschriften gesammelt, knapp ein Drittel der Erhartinger Wahlberechtigten haben unterzeichnet und sich damit gegen die Ansiedelung des Logistikzentrums ausgesprochen (wir berichteten).
Die Verantwortlichen des Bürgerbegehrens befürchten einen massiven Eingriff in Natur und Landschaftsbild durch den großen Baukörper. Immerhin würden knapp 14 Hektar erschlossen. "Der Flächenverbrauch steht nicht im Verhältnis zur Wertschöpfung, die man daraus erzielen kann", so der Vorwurf an die Planer.
Angekündigten 280 Arbeitsplätzen stehe pro Arbeitsplatz ein Flächenverbrauch von 500 Quadratmetern gegenüber. Wobei Klaus Schuster bezweifelt, dass es tatsächlich so viele Arbeitsplätze werden. Man könne außerdem davon ausgehen, dass die Lagerarbeiter im Niedriglohnbereich angesiedelt seien. Einkommenssteuer für Erharting fließe nur, wenn Erhartinger eine Arbeitsstelle fänden.
Auch für Stefke steht fest: "Ein großes Projekt, ein leichter Weg, schnell ein Gewerbe anzusiedeln ohne langfristig zu denken. Für die Gemeinde ist die Versuchung groß, da eine hohe Gewerbesteuereinnahme im Raum steht." Wie hoch die tatsächlich sein werde - die Rede war von einem sechsstelligen Betrag jährlich - vermochte bislang niemand zu sagen, "hier fehlen uns die Belege", bleibt Stefke skeptisch und fordert mehr Transparenz. Er ziehe grundsätzlich eine gesunde und langfristige Entwicklung der Gemeinde vor: "Was der Gemeinde gut tut, sehen wir nicht in einem Logistikzentrum verwirklicht." Die Nachhaltigkeit sehe er eher in der Ansiedelung von mittelständischen Betrieben gewährleistet, so wie es einst das Gewerbegebiet im Mühldorfer Norden entstanden sei.
Neben der aus Sicht des Bürgerbegehrens überdimensionierten Baumaßnahme spiele auch das damit verbundene Verkehrsaufkommen eine große Rolle für die ablehnende Haltung. 140 Märkte sollen von Erharting aus beliefert werden. Schuster geht davon aus, dass das Logistikzentrum im 24-Stunden-Betrieb läuft: "Mit dem damit verbundenen ständigen Lkw-Verkehr". Lastwagen, die nicht nur Emissionen verursachen, sondern auch Lärm, "Kühlaggregate, Waschstraße, Tankstelle" nennt Schuster als weitere Lärmquellen. Am meisten beschäftigt ihn aber die Stellplatzfrage. "Auf dem Bebauungsplan sind keine Stellflächen ausgewiesen. Wo werden die Lastwagen zwischengeparkt, bis sie an den Slots ent- oder aufladen können?"
Nicht nur die Gegenwart beschäftigt die Initiative, sie denkt langfristig: "Was passiert mit dem Bauwerk, wenn das Unternehmen insolvent geht?", möchte Stefke wissen. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Koloss dann entsprechend rückgebaut, eine knapp 13 Hektar große Gewerbefläche saniert werde. "Wir haben dann eine Industrieruine in Erharting stehen, die aufgrund ihrer Größe auch nur schwer weiterzuvermitteln ist." Dazu nach Ansicht Stefkes wertlosen versiegelten Grund.
Stefke unterstreicht, dass es ihm um die demokratische Beteiligung der Bürger geht. Es gelte Aufklärungsarbeit zu leisten, dies solle im Rahmen einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema geschehen. Wenn am Ende dieser Überzeugungsarbeit ein Bürgerentscheid stehen sollte, sei die demokratischste Art und Weise erreicht, um den Wünschen aller gerecht zu werden. je
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