Kabul - Die Koran-Verbrennung durch US-Soldaten hat in Afghanistan einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Taliban nutzen den Vorfall für einen Aufruf zum Angriff auf Ausländer.

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Trotz einer Entschuldigung der US-Regierung hat die unbedachte Koranverbrennung durch Soldaten in Afghanistan schwere Ausschreitungen mit zahlreichen Toten ausgelöst. Am zweiten Tag der Proteste kamen nach Angaben des Innenministeriums bei Zusammenstößen in der Hauptstadt Kabul und in drei weiteren Provinzen mindestens sieben Demonstranten ums Leben, 30 Menschen wurden verletzt. Landesweit protestierten am Mittwoch Tausende Muslime.
Nach Angaben der Regierung der nördlich von Kabul gelegenen Provinz Parwan wurden dort sechs Demonstranten getötet, die das Verwaltungsgebäude eines Distrikts stürmen wollten. Dagegen meldete das Innenministerium aus Parwan vier Tote. Das Ministerium teilte weiter mit, in Kabul sei ein Demonstrant vor einem Militärcamp erschossen worden. In der ostafghanischen Provinz Logar und in der Stadt Dschalalabad sei ebenfalls je ein Demonstrant ums Leben gekommen.
Die US-Botschaft, die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen stoppten alle Bewegungen ihrer Mitarbeiter in Kabul bis auf weiteres. Vor einem Wohnkomplex von Ausländern in Kabul skandierten Hunderte Demonstranten „Tod für Amerika“ und - an die Adresse von Präsident Hamid Karsai - „Stirb, Karsai“.
Muslimen gilt die Verbrennung sowie jede andere Schändung des Korans als Todsünde. Aus Militärkreisen hieß es, die religiösen Schriften, die entsorgt werden sollten, seien Insassen des umstrittenen Gefängnisses auf der US-Basis in Bagram zur Verfügung gestellt worden. Es sei vermutet worden, dass sich die Häftlinge über Notizen in den Schriften untereinander ausgetauscht hätten.
Die Taliban teilten mit, sie unterstützten die Proteste. Die Aufständischen riefen alle „nationalistischen afghanischen Muslime“ dazu auf, die ausländischen Truppen anzugreifen.
Im vergangenen Frühjahr waren in Afghanistan bei tagelangen Protesten gegen die Koran-Verbrennung eines Predigers in Florida 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben ausländische UN- Mitarbeiter. 2005 hatte ein später zurückgezogener Medienbericht über eine angebliche Schändung des Korans im US-Gefangenenlager Guantanamo schwere antiamerikanische Proteste ausgelöst. Bei Unruhen waren damals in Afghanistan und Pakistan insgesamt 17 Menschen gestorben.
dpa
Rubriklistenbild: © dpa


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