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Kinostart: Bal-Honig

"Bal-Honig": Poesie und Liebe ohne Worte

008.09.10|Kino|Kino|
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Artikel: "Bal-Honig": Poesie und Liebe ohne Worte

Dieser Film erzählt eine einfache Geschichte über einfache Menschen. Aber wie er das anstellt, ist so genau und liebevoll beobachtet, dass daraus etwas ganz Großes wird

© dpa

Wunderbare Bilder für banale Begebenheiten findet „Bal“, hier Bora Altas als Yusuf.

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Videotitel

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).

Bal - einer der sehenswertesten Spielfilme des Jahres, völlig zu Recht bereits mit dem Goldenen Bären der diesjährigen Berlinale dekoriert.

Das Besondere an „Bal“, diesem mit eher bescheidenen Mitteln gedrehten türkischen Märchen über den sechsjährigen Yusuf (Bora Altas) und seinen Vater, einen Bienenzüchter, ist der nahezu vollständige Verzicht auf alles Aufgesetzte, Unnatürliche, Arrangierte. Der Film verströmt von seiner ersten bis zur letzten Minute eine selten erlebbare Authentizität.

Im Gegensatz zur Mutter sind die zwei Männer der Familie keine großen Redner. Die innigsten Momente der Zuneigung von Vater und Sohn fängt Regisseur Semih Kaplanoglu im scheinbar Beiläufigen ein. Wenn beide nebeneinander durch den Wald laufen und der Alte dem Kind die Natur erklärt, dann wird ohne ein Wort darüber die Liebe zwischen ihnen sichtbar. Natürlich hängt die dunkle Wolke des Schicksals längst über dem Idyll, und wer die vorherigen Arbeiten Kaplanoglus kennt, weiß bereits, dass „Bal“ nur den Abschluss einer Trilogie bildet, die Yusufs Leben in umgedrehter Reihenfolge erzählt.

Mit der Heimkehr des erwachsenen Mannes zur Beerdigung seiner Mutter beginnt „Yumurta“ (2007), und in „Süt“ (2008) sieht man den jugendlichen Yusuf an den Hürden der Universität straucheln. Jeder Film steht gut für sich alleine, doch setzt man die Trilogie zusammen, ist „Bal“ das ruhigste, präziseste und gleichzeitig emotionalste Werk. Genial ist die visuelle Kraft, dank vor allem der innovativen, fantasievollen Kamera-Arbeit.

Wunderbare Bilder findet Kaplanoglu für völlig banale Begebenheiten. Mit einem feinen Gespür für die Poesie des Alltags erfindet er ohne Hilfsmittel wie Montagen noch nie im Kino Gezeigtes. Das beeindruckt, nervt aber bisweilen vor lauter Kunstwillen. Nur daher ist „Bal“ gelegentlich so zähflüssig wie manche Honig-Sorte.

Ulricke Frick

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