Speyer - Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Bruder von Margarete Blättel verschollen. Nun hat sie ihn nach über 67 Jahren auf einem Foto wiedererkannt. "Wir haben alle geweint", sagt sie.

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Margarete Blättel hält am Montag in Leimen ein vergrößertes Bild in den Händen, auf dem am linken Bildrand ihr im Zweiten Weltkrieg verschollener Bruder zu sehen ist.
Das letzte Mal gesehen hat sie ihn, als sie acht Jahre alt war: Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Bruder von Margarete Blättel verschollen. Im Spätsommer 1944 kam der 17-Jährige noch einmal zu seiner Familie, die sich damals zum Schutz vor Luftangriffen im Schwarzwald aufhielt. “Er hat wohl Urlaub gehabt, nehme ich an. Doch dann musste er wieder weg und wir haben alle geweint“, erinnert sich die 76-Jährige aus Leimen bei Heidelberg heute. Danach hat sie nie wieder etwas von ihm gehört.
Umso überraschter war sie, als ihr nun zweimal kurz hintereinander ein historisches Foto in die Hände fiel, auf dem sie ihren Bruder Bruno eindeutig erkannt hat. Kurz vor Weihnachten sah sie es auf einem Buch-Cover abgedruckt und dann noch einmal in diesem Jahr neben einem Artikel in der “Neuen Post“. In den Texten war zwar nichts über den Verschollenen zu lesen, doch die Aufregung in der Familie war groß.
Blättels Tochter, Corina Mück aus Speyer, rief sofort bei der Zeitschrift an, als sie das Bild sah. “Dass wir wahrscheinlich kein Lebenszeichen mehr von ihm bekommen werden, das ist uns allen klar. Aber für meine Mutter wäre es so wichtig, wenigstens etwas darüber zu erfahren, was mit ihrem Bruder passiert ist“, sagt Mück.
Wie es zur dpa gelangt ist, sei auch unbekannt. Vermutlich habe eine der Vorläufer-Agenturen, die es in den einzelnen Besatzungsgebieten gab, den Abzug erhalten, vielleicht sogar von der US-Army selbst. Das Negativ befindet sich nicht im Besitz der dpa.
Auch Experten können Margarete Blättel bei der Suche nach ihrem Bruder nicht weiterhelfen. Der Historiker Felix Römer von der Uni Mainz sagt, ohne zusätzliche Informationen zu dem Foto könne man nur spekulieren, wo es aufgenommen worden sei: “Das Bild könnte in der Normandie, an der italienischen Front oder auch auf deutschem Reichsgebiet entstanden sein, doch für eine solche Aussage bräuchte man weitere Informationen über die Entstehungszeit.“ Ab der Jahreswende 1944/45 seien die Amerikaner immer weiter auf deutsches Gebiet vorgedrungen.
Hoffnung setzt die Familie nun in eine Anfrage bei der Deutschen Dienststelle in Berlin, die Millionen Karteikarten, Meldungen und Akten über Wehrmachtssoldaten und Kriegsgefangene verwaltet. Mehr als eine Million deutsche Soldaten gelten als vermisst, wie ein Sprecher der Dienststelle sagt. Die Anfragen von Angehörigen reißen auch mehr als 65 Jahre nach Kriegsende nicht ab. Und bis heute könnten auch immer wieder Schicksale aufgeklärt werden.
dpa



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