Wolfgang Gröll, Unternehmensberater, der sein Wirken der Gründung von Dorfläden widmet, sprach in Hofgiebing in der Gaststätte Wörthmüller. Es gelang ihm, das Publikum mit seinen Ausführungen fast zwei Stunden lang zu fesseln und auf seine Strategie zur Verwirklichung eines Dorfladens einzustimmen.
Oberornau - Mit einem kurzen Film über erfolgreich gegründete Dorfläden wurden die über 60 Zuhörer auf das Thema des Abends eingestimmt, bevor, nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden der "Einigkeit Oberornau, Wolfgang Gröll, eine Erfolgsbilanz über Dorfläden, die er bislang begleitet hat, vorlegte. Er hob dabei hervor, dass es eben kein allgemeingültiges Rezept zur Gründung gebe.
Der Erfolg liege vielmehr darin begründet, der bei den großen Ketten zu beobachtenden Globalisierung, der Vereinheitlichung von Geschmack und der Konzentration auf Quantität und Individualität durch regionale Vielfalt und die Qualität der Produkte als Konzept entgegenzuwirken. Dass die Dorfladenbetreiber dies mit Erfolg tun, belegte er durch Zahlen.
Diese zeigen auch, dass der Discounter am Stadtrand keineswegs die preiswertere Lösung sein muss. "Der Preis eines Warenkorbes, erworben im Dorfladen, braucht den Vergleich mit seinem Pendant vom Großmarkt, nicht scheuen." Dass Großmärkte erfolgreicher wahrgenommen werden, liege oft an der falschen Annahme, dass groß auch billig ist, verdeutlichte Gröll. Die Taktik, das Preisgefüge ständig zu ändern und dabei die Senkungen hervorzuheben, suggeriere dem Käufer, dass er günstig kauft, "obwohl er in Wahrheit nur die Orientierung verloren hat".
Der Prozess umfasst nach der Darstellung Grölls drei Phasen. In der Sensibilisierungsphase gelte es den Bürger zu informieren und einen Arbeitskreis zu gründen, der das Vorhaben Dorfladen vorantreibt und die Bürger zu dem Vorhaben befragt. Diese Phase hat in Oberornau bereits begonnen. Zeigt es sich, dass die Bürger nicht hinter dem Vorhaben stehen, wird abgebrochen.
Der darauf folgende Vorgründungsprozess umfasse eine Machbarkeitsstudie, die die Vorgaben macht unter welchen das Konzept aller Voraussicht nacht erfolgreich sein wird. Dazu gehört auch die Rechtsform und die erforderliche Finanzierung.
In der Gründungsphase werden die zur Umsetzung des Konzeptes notwendigen Schritte unternommen. Auch hier wird abgebrochen, etwa wenn die erwarteten Fördermittel nicht im erwarteten Umfang eingeworben werden können oder sich andere Rahmenbedingungen (Räumlichkeiten, Miete) gravierend ändern.
Bei der sich anschließenden Diskussion spielte neben Verfahrensfragen insbesondere die Behandlung bestehender Geschäfte, in Oberornau ist dies die Bäckerei, eine Rolle. Gröll sagte dazu, dass man nicht in Konkurrenz mit ansässigen Unternehmen treten wolle. Dies könne dadurch verhindert werden, indem man das eigene Angebot entsprechend reduziert.
Aber auch die Möglichkeit einer Zusammenarbeit besteht seiner Meinung nach, etwa wenn im Dorfladen Gebäck verkauft wird, das in der Bäckerei während deren Öffnungszeiten nicht abgesetzt werden konnte.
Am Ende der Veranstaltung fragte er die, ob sie sich einen Dorfladen für Oberornau vorstellen könnten. Die Antwort lautete mit großer Mehrheit: Ja.
hue
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