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Selbsthilfe als Säule der Gesellschaft

25 Selbsthilfegruppen aus der Region stellen ihre Arbeit bei einer Ausstellung im Foyer der Kreisklinik vor

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Mühldorf - Um über die Arbeit der Selbsthilfegruppen in der Region aufzuklären, hat das Selbsthilfezentrum des "Haus der Begegnung" der AWO im Foyer der Kreisklinik eine Ausstellung aufgebaut, die am Freitag feierlich eröffnet wurde. Selbsthilfe bedeute, dass sich Menschen mit dem gleichen Problem gegenseitig helfen, erläuterte die Ortsvorsitzende der AWO Mühldorf, Klara Maria Seeberger. Die Ausstellung zeigt exemplarisch die Arbeit von 25 der insgesamt rund 100 gesundheitlichen und 50 sozialen Selbsthilfegruppen in den Landkreisen Mühldorf und Altötting und soll Betroffene dazu ermutigen sich helfen zu lassen, so Initiatorin Marianne Zollner, die Leiterin des "Haus der Begegnung".

Die Arbeit der Selbsthilfegruppen vorstellen wollen die AWO-Ortsvorsitzende Klara Maria Seeberger (von links), Alexandra Nettelnstroth, Einrichtungsleiterin des Mühldorfer Selbsthilfezentrums, die Leiterin des "Haus der Begegnung", Marianne Zollner, sowie exemplarisch für 150 Selbsthilfegruppen in der Region Erika Wilfer von der Stotterer-Gruppe, Brigitte Lindmeier und Henni Pascoe von der Blinden- und Sehbehindertengruppe, Brigitte Gehringer und Astrid Thurnhuber von der Petö-Tagesstätte Teising sowie Brigitte-Anke Dießner von der Gruppe Lebensfluss. Foto nl

© OVB

Die Arbeit der Selbsthilfegruppen vorstellen wollen die AWO-Ortsvorsitzende Klara Maria Seeberger (von links), Alexandra Nettelnstroth, Einrichtungsleiterin des Mühldorfer Selbsthilfezentrums, die Leiterin des "Haus der Begegnung", Marianne Zollner, sowie exemplarisch für 150 Selbsthilfegruppen in der Region Erika Wilfer von der Stotterer-Gruppe, Brigitte Lindmeier und Henni Pascoe von der Blinden- und Sehbehindertengruppe, Brigitte Gehringer und Astrid Thurnhuber von der Petö-Tagesstätte Teising sowie Brigitte-Anke Dießner von der Gruppe Lebensfluss. Foto nl

Selbsthilfe sei mittlerweile eine bedeutende Größe im Sozial- wie im Gesundheitsbereich, sagte sie. 1982, zur Gründung des "Haus der Begegnung", das als Selbsthilfezentrum die Arbeit der Gruppen in der Region bündelt und koordiniert, seien im Raum Mühldorf gerade einmal zwölf Gruppen aktiv gewesen. "Mittlerweile ist die Anerkennung dieser Arbeit in der Gesellschaft enorm gestiegen", betonte sie. Sie sei zur vierten Säule im Gesundheitswesen geworden, sagte auch Klinik-Geschäftsführer Heiner Kelbel, neben ambulanter und stationärer sowie Reha-Betreuung. Und auch in Zukunft werde die Selbsthilfe eine gewichtige Rolle spielen, meinte auch Karl-Heinz Stangl, Direktor der AOK Mühldorf-Altötting.

Hier habe das Haus der Begegnung eine Vorreiter-Rolle weit über die Region hinaus, lobte Bürgermeister Günther Knoblauch. "Ich wünsche der Ausstellung, dass sie Menschen Mut macht, sich Hilfe zu suchen", sagte er. Politische wie finanzielle Unterstützung der Selbsthilfe-Arbeit sei enorm wichtig, betonte Marianne Zollner, auch um die Gruppen zu stabilen Einrichtungen zu machen.

Fünf Selbsthilfegruppen stellten bei der Eröffnung exemplarisch ihre Arbeit vor. Henni Pascoe und Brigitte Lindmeier als Vertreterin des Bayerischen Blindenbundes nutzen den "Welttag des weißen Stocks" um auf die Vorbehalte hinzuweisen, auf die Blinde und Sehbehinderte in der Gesellschaft nach wie vor stoßen. Dazu geht die Blinden-Selbsthilfegruppe auch an Schulen, in Firmen oder soziale Einrichtungen, darüber hinaus gebe es eine Reha-Fachkraft, die auch Hausbesuche bei Betroffenen macht und beim Umgang mit der Sehbehinderung im Alltag berät.

Brigitte-Anke Dießner stellte die Gruppe "Lebensfluss" vor, die sich mit Lymph-Erkrankungen beschäftigt. "Nach der Diagnose war mein Alltag komplett umgekrempelt", schildert sie als Betroffene. Verzweiflung, Angst und psychische Probleme hätten sie zur Gründung der Gruppe bewogen, schildert sie. "Damit es andern nach der Diagnose nicht so ergeht wie mir", ist auch der Antrieb von Gerhard Schmidt, der 2002 eine Tinnitusgruppe in Mühldorf gegründet hat. Es gehe nicht um Behandlung, sondern um Austausch, Verständnis und praktische Tipps im Umgang mit der Krankheit, sagte er.

So auch bei der Stotterer-Selbsthilfegruppe, die es seit 2003 in Mühldorf und Altötting gibt, wie Erika Wilfer schilderte. "Oft sind Sprechprobleme sogar innerhalb der Familie tabu", sagte sie, "wir können offen darüber reden." Daneben seien Sprechtechniken, nachgestellte Sprechsituationen und Atemübungen oft Programmpunkte.

Eine Besonderheit hat die Selbsthilfegruppe für Eltern mit behinderten Kindern geschafft. Aus der 2002 von zwei betroffenen Müttern gegründeten Gruppe ging die Konduktive Tagesstätte in Teising hervor, die derzeit 28 Kinder vom Kleinkind- bis zum Erwachsenenalter in drei Gruppen betreut und nach der Petö-Methode therapiert. Neu sind Therapiestunden für Patienten mit MS, Rheuma oder nach einem Schlaganfall, berichtete Brigitte Gehringer. Daneben existiere nach wie vor die Selbsthilfegruppe für betroffene Eltern.

Am Donnerstag, 21. Oktober, sowie am Donnerstag, 28. Oktober, stellt sich jeweils um 17.30 Uhr die Selbsthilfegruppe Leben mit Lymphe im Alltag "Lebensfluss" vor. Am Mittwoch, 20. Oktober, berichten Peter Urban und Renate Thiede von 17 bis 19 Uhr über die Arbeit der Selbsthilfegruppe "Rheuma und Morbus Bechterev" und am Freitag, 22. Oktober, finden anlässlich des Welttages des Stotterns ein Vortrag der Selbsthilfegruppe Stottern und eine Gesprächsrunde mit Logopädin Agnes Blocksiepen statt.

Die Ausstellung ist noch bis 28. Oktober in der Kreisklinik Mühldorf zu sehen. nl

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