14 Tage lang liegen seit gestern in den Rathäusern Listen für das Volksbegehren zum Nichtraucherschutz aus. Während es einige unterstützen, lehnen es vor allem Wirte ab.

Für ein strengeres Rauchverbot: Der ehemalige Chefanästhesist des Mühldorfer Krankenhauses, Dr. Hans Dworzak, war gestern einer der ersten Unterzeichner des Volksbegehrens. Unterstützung erhielt er von Ärztlichem Direktor Dr. Wolfgang Richter (hinten links) und Oberarzt Dr. Christian Wiesner. Werner Haslbeck vom Einwohnermeldeamt und Oskar Rau vom Unterstützerkreis schauen interessiert zu. Foto hon
Mühldorf - 950 000 Unterschriften sind bayernweit für einen Erfolg des Volksbegehrens erforderlich, was zehn Prozent der Wahlberechtigten entspricht. Im Landkreis Mühldorf gibt es 83468 Wahlberechtigte, von denen sich jeder Zehnte eintragen müsste. Betroffen von dem Volksbegehren sind Wirte, Mitarbeiter und Gäste von 447 Gaststätten im Landkreis.
Um das Volksbegehren zu unterstützen, hat sich ein überparteilicher Aktionskreis gegründet. Sprecher ist ÖDP-Kreisrat Reinhard Retzer. Er nannte das Volksbegehren bei der Gründung des Unterstützerkreises die letzte Chance, die Aufweichung des Nichtraucherschutzes aufzuhalten. "Vom bayerischen Volksbegehren kann Signalwirkung für die Bundesrepublik ausgehen." Die Grünen haben nach Retzers Angaben die Verteilung von 5000 Benachrichtigungskarten an Waldkraiburger Haushalte finanziert, die ÖDP habe das Gleiche für Mühldorf getan.
Die Meinungen über Sinn oder Unsinn strengerer Regeln gehen nach wie vor weit auseinander. Dr. Hans Dworzak, ehemaliger Chefarzt des Mühldorfer Krankenhauses, trug sich als einer der ersten in die Unterschriftenlisten ein. ""Die Erziehung zur Rauchfreiheit wird torpediert", sagte er. Unterstützung erhält er vom Ärztlichen Direktor des Krankenhauses. "Als Lungenarzt sieht man die Folgen des Rauchens immer wieder", sagt Dr. Wolfgang Richter. Er nennt das Rauchen in öffentlichen Gebäuden eine "Belästigung und effiziente Gesundheitsgefährdung: Wir müssen das Bewusstsein schärften, dass Rauchen in Gaststätten auch die gefährdet, die nicht rauchen."
Anders sieht das Max Rädeke, Inhaber des Café Orange in Mühldorf. "Ich habe die bisherige Regelung gut gefunden, da sich jeder frei entscheiden konnte, ob er im Raucherbereich sitzt oder nicht." Bei der jetzigen Regelung seien zwar große Lokale ohne Nebenraum benachteiligt gewesen, aber jedem könne man es nie recht machen. "Wenn das Rauchen generell verboten wird, wird den Leuten die Entscheidung abgenommen."
Harald Zappe, Wirt in Waldkraiburg, spricht von einer "demokratischen Diktatur". Stattdessen: "Man kann die Gäste nicht so bevormunden. Wer rauchen will, soll rauchen." Beim letzten Rauchverbot habe er einen deutlichen Rückgang der Gäste verspürt und fürchtet jetzt, dass ihm bei einem neuen Verbot abermals die Gäste ausbleiben. "Die Gemütlichkeit ist weg, wenn dauernd einer aufsteht und rausgeht zum Rauchen".
Für den ehemaligen Chefarzt Dworzak ist das kein Argument: "Es ist ein dümmlicher Populismus, der eine bayerische Wirtshauskultur heraufbeschwört." Er beurteilt das Verhalten von Rauchern streng: "Raucher haben keinen Stolz und keine Selbstdisziplin. Sie vertrügen eher einen Schnuller als eine Zigarette".
Was Initiatoren des Volksbegehrens erreichen wollen, war schon einmal Gesetz: Im Dezember 2007 verabschiedete der Landtag ein striktes Rauchverbot ohne Ausnahmen. 180 Abgeordnete stimmten zu, 18 lehnten es ab - darunter 14 CSU-Abgeordnete. In Gaststätten durfte nicht mehr geraucht werden, woraufhin tausende Wirte ihre Kneipen zu "geschlossenen Raucherclubs" erklärten.
Nach den Verlusten bei den Kommunalwahlen 2008 lockerte die CSU das Rauchverbot, das nun nicht mehr für Bier- und Festzelte gilt - und zuletzt erlaubte die CDU/FDP-Regierung, dass seit August 2009 in Bier- und Weinzelten, in Nebenräumen von Gaststätten und Diskotheken sowie kleinen Einraumkneipen wieder geraucht werden darf. hon/sag
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