Mühldorf - Kein bayerischer Defiliermarsch, keine Personenschützer, kein Schaulaufen der Landkreis-CSU: Dr. Günther Becksteins Auftritt im Mühldorfer Haberkasten war eher still und familiär. Schließlich war der ehemalige Innenminister und Kurzzeitministerpräsident nicht gekommen, um Vorratsdatenspeicherung oder Schulreformen zu verteidigen, noch um den politischen Gegner zu attackieren. Beckstein wollte den gut 150 Zuhörern die Zehn Gebote näherbringen und damit die Hintergründe seines politischen Handelns.

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Stets freundlich und manchmal witzig, immer konsequent und meist unnachgiebig: Der ehemalige Ministerpräsident Beckstein sprach im Haberkasten über die Zehn Gebote und seine politische Arbeit. Foto hon
Dass Beckstein dabei Beckstein geblieben ist, wurde sehr schnell klar. Zwar wehrte er sich gleich zu Beginn gegen die Aussage, privat sei er freundlich und fromm, beruflich aber ein Dreiviertelteufel; das Bild eines Mannes, der seinen politischen Auftrag mit Härte umzusetzen wusste, brachte er aber nicht ins Wanken.
Dabei wertet Beckstein, der seit 2009 Vizepräses der evangelischen Landessynode ist, den Impuls des Glaubens für die politische Arbeit in mächtiger Position sehr hoch. "Du meinst, du bist der Allerhöchste und vergisst, dass du dem Allerhöchsten verantwortlich bist." Als Symbol dafür wählte der Protestant ausgerechnet den heiligen Antonius, der ihn stets daran erinnern sollte, dass vor Gott jeder die gleiche Würde habe. Eine Statue des Heiligen begleitet Beckstein stets, bis ins Amtszimmer in der Staatskanzlei, wo eine Büste von Franz Josef Strauß weichen musste, um Antonius Platz zu machen. "Er steht für die Gottesebenbildlichkeit, die gleiche Menschenwürde jedes Einzelnen vor Gott."
Trotz dieser Grundhaltung betonte der ehemalige Ministerpräsident, dass verschiedene Aufgaben verschiedene Rollen erforderten, die Aufgabe der christlichen Verkündigung sei eine andere als die, das menschliche Zusammenleben zu sichern. "Gesetze verlieren ihre Gültigkeit, wenn sie keiner durchsetzt." Das sei das Amt des Menschen in der Welt. "Denn es ist ethisch geboten, die Gesetze der Welt einzuhalten", berief sich Beckstein auf Martin Luthers Lehre von den zwei Reichen. Dem gegenüber definierte Beckstein das Amt eines Pfarrers, dem die Verkündigung des Reiches Gottes angetragen sei. "Dieses Verhältnis zwischen Christsein und Politik habe ich als sehr spannend erlebt."
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