Rente ist für die meisten jungen Menschen kein Thema. Erstens, weil sie andere, altersspezifische Prioritäten setzen. Zweitens, weil ihnen im Dschungel der privaten Vorsorgemöglichkeiten der Durchblick fehlt. "Altersarmut" heißt zudem das Gespenst, das angesichts des demografischen Wandels schon durch die Köpfe vieler geistert. "Das sind alles Horrorbilder", beschwichtigt Dr. Herbert Rische, Präsident der Deutschen Rentenversicherung. Rente "ist eine langfristige Veranstaltung", um deren Zukunft ihm nicht bang sei.

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Rosenheim - Seit 1991 ist der promovierte Jurist Rische Präsident des größten deutschen Rentenversicherungsträgers, der Deutschen Rentenversicherung Bund. "Ich bemühe mich, den Laden gut zu verwalten", sagt der 63-jährige Karrierebeamte bescheiden über das, was ihn seit nunmehr zehn Jahren umtreibt und - wenn es nach ihm geht - noch zwei weitere Jahre umtreiben soll.
"Die Bevölkerung weiß, was sie von der Rente hat", eine "Anti-Stimmung" gegen Rente oder Rentner allgemein könne er nicht ausmachen. Im Gegenteil. Rische sieht in der deutschen Rentenversorgung eine Erfolgsgeschichte, bei der die Politik über Jahrzehnte parteiübergreifend vernünftige, nachvollziehbare Lösungen gefunden habe. Unvernünftige Entscheidungen, das gibt Rische zu, habe es zwar gegeben, die seien aber stets schnell korrigiert worden. "Wir werden die Rente verändern und anpassen müssen. Aber das hat immer funktioniert, denken Sie nur an die Wiedervereinigung!"
Viele Fakten "werden einfach nicht immer so ganz richtig dargestellt", beklagt der höchste Rentner-Lobbyist des Landes. "Das ist doch alles eine Frage der Nuancierung!" Derzeit sei die ältere Bevölkerung des Landes gut versorgt. Die Situation der jungen Leute habe sich dadurch verbessert, dass Rentenbeiträge von der Steuerlast abziehbar seien.
"Die umlagenfinanzierte gesetzliche Rente wird Hauptstandbein bleiben", legt sich Rische daher fest. Daneben "haben wir verschiedene Säulen, auf denen die Altersversorgung insgesamt aufgebaut ist." Das Stichwort Altersarmut sei ein "Horrorbild, das im Marktverteilungsprozess der privaten Altersvorsorger aufgeworfen wird."
Natürlich sieht auch Rische nicht alles positiv, was das Thema Rente betrifft - explizite Kritik kommt ihm aber nur schwer über die Lippen. Zum Thema Rentengarantie, die im Sommer 2009 eingeführt wurde und festschreibt, dass die Renten in Deutschland im Gegensatz zu den Löhnen nie mehr sinken dürfen, sagt der 63-Jährige nur: "Erstens ist das ja wieder änderbar und zweitens müssen Sie die Umstände bedenken: Die wurde eingeführt, als die Finanzkrise auf ihrem Höhepunkt war."
Beim Thema Entgeltumwandlung wird Rische deutlicher. Da das Modell ermögliche, dass vor allem gut verdienende Angestellte einen Teil ihres Gehalts direkt für betriebliche Altersvorsorge aufwendeten, würden die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gemindert - was in letzter Konsequenz unsolidarisch sei und allen Rentenempfängern schade.
Auf die Frage, wer für die künftig anfallenden Beamtenpensionen aufkommen soll, weiß Rische nur eine Antwort: nicht die Rentenversicherung! "Wir müssen in guten Zeiten sparen, dass wir in schlechten Zeiten diese Last tragen können." Die Rentenversicherung als Auffanglager dieser Last sei da definitiv der falsche Weg.
Das Thema "Rente mit 67" ist für Rische dagegen beschlossene Sache. Geklärt werden müsse nur noch die Frage, wie Personen, die früher ausscheiden, dennoch abgesichert werden. "Das berühmteste Beispiel ist der Dachdecker, das bessere Beispiel ist die Altenpflegerin. Es können nicht alle bis 67 arbeiten!" Damit sich die Betroffenen schon während ihres Berufslebens absichern, sollten branchenspezifische Lösungen erarbeitet werden.
Wie sieht also die Zukunft der Rente aus? Ist die Angst vieler junger Menschen vor dem Alter berechtigt? Rische outet sich als bedingungsloser Optimist: "Rentenpolitik ist Befriedungspolitik. Ich kann nicht verstehen, dass alles immer so negativ gesehen wird! Auch wenn der Staat Schulden hat - Schulden sind doch Investitionen in die Zukunft!" Angst ist in Risches Augen eher ein Zeitgeistphänomen: "Was wäre aus Deutschland geworden, wenn unsere Eltern nach dem Krieg so ein negatives Bild von der Zukunft gehabt hätten?"
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