106.08.10|Rosenheim Land|Rosenheim Land|13
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Bayrischzell/Oberaudorf - Der Wolf, der sich im Sudelfeldgebiet herumtreibt, ist hier mittlerweile heimisch geworden. Davon geht die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) aus, wie bei einer Almbegehung in Bayrischzell bekannt wurde.

© dpa
Daheim am Sudelfeld: Wildtierexperten glauben, dass der Wolf sich im Gebiet zwischen Bayrischzell und dem südlichen Inntal zu Hause fühlt.
Der Schutz von Schafherden stand im Mittelpunkt des nicht öffentlichen Treffens von Almbauern, Jägern, Förstern und Behördenvertretern Ende Juli in Geitau. Der Schweizer Wolfsexperte Daniel Mettler stand den Teilnehmern Rede und Antwort. Bei der Veranstaltung kamen auch einige neue Fakten auf den Tisch: Der Wolf, der sich vermutlich bereits seit Dezember im Sudelfeldgebiet herumtreibt, ist ein Rüde. Mettler geht davon aus, dass das Tier mittlerweile hier ansässig ist. Diese Ansicht teilt auch der Wildtierbiologe und -Manager Peter Sürth, der das Verhalten großer Beutegreifer wie des Wolfs erforscht hat. Sürth war ebenfalls mit von der Partie.
Ob die Anwesenheit des Tieres von Dauer ist oder sich vielleicht sogar ein Rudel bilden wird, vermögen auch die Experten nicht zu sagen. Wölfe sind hochmobile Tiere: In einer Nacht können sie Distanzen von bis zu 50 Kilometern zurücklegen. Mettler berichtete den Almbauern auch über die Erfahrungen, die die Eidgenossen beim Schutz von Schafherden gemacht haben. Ein Thema, das durchaus seine Berechtigung hat: Fest steht, dass das Tier vier Schafe gerissen hat. In zwei weiteren Fällen laufen noch die DNA-Untersuchungen. Das Landesamt für Landwirtschaft rät den betroffenen Bauern, ihre Tiere ins Tal oder zu Almhütten zu bringen.
Tierhalter aus dem Landkreis Rosenheim hatte man zu dem Treffen nicht eingeladen. „Dafür gibt es derzeit keinen akuten Anlass“, heißt es dazu beim Landesamt für Umwelt. Für jedes Gebiet müsse man aufgrund der örtlichen Gegebenheiten eigene Lösungen finden. In den betroffenen Gebieten im Kreis Rosenheim wird in erster Linie Milchvieh gehalten. Handlungsbedarf sieht man beim Landesamt für Umwelt, das für das Wildtiermanagement zuständig ist, daher im Augenblick nicht: „Eine öffentliche Gefahr können wir nicht erkennen“, so ein Sprecher.
Ob sich der scheue Räuber zurzeit im Sudelfeldgebiet aufhält, wissen auch die Experten vom Landesamt für Umwelt nicht. Auch sie sind auf Hinweise angewiesen, etwa Funde von geschlagenem Rotwild. Es gibt aber seit Wochen keine neuen Spuren.
Keine Anhaltspunkte gibt es auch dafür, dass der Wolf das Tierdrama ausgelöst hat, das sich Anfang Juni am Tatzelwurm (Gemeinde Oberaudorf) ereignet hat. Damals waren fünf Rinder eine Felswand hinabgestürzt (wir berichteten). Zwei Tiere waren tot, zwei verletzt. Die fünfte Kuh hatte überlebt. Sie wies deutliche Kratzspuren auf. Der betroffene Landwirt hatte vermutet, dass der Wolf die Kühe in Panik versetzt haben könnte, und das Landratsamt eingeschaltet.
Nun haben Experten vom Landesamt für Umwelt ihre Untersuchungen abgeschlossen. Die DNA-Analysen ergaben keinen Hinweis auf einen Wolf. Ein direkter Entlastungsbeweis ist das Ergebnis nicht. „Wir schließen es nichts aus, es gibt aber auch kein Indiz, das darauf hindeutet, dass ein Wolf die Tiere erschreckt hat“, erklärt man beim Landesamt für Umwelt auf Anfrage unserer Zeitung. Die Kühe könnten genauso gut durch etwas anderes in Angst versetzt worden sein. Darüber hinaus, so die Erkenntnisse des Landesamts, waren die Tiere erst ein oder zwei Tage auf der Weide. Es könnte auch sein, dass die Kühe nach längerem Stallaufenthalt noch desorientiert waren.
ku/Oberbayerisches Volksblatt
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