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Viele ließ das Rauchverbot kalt

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Die Mehrzahl der Bayern sprach sich gestern für das strikte Rauchverbot aus - und die Region machte da keine Ausnahme: 59,2 Prozent der Raucher und Nichtraucher, die gestern ihr Kreuzerl machten, stimmten im Landkreis gegen die Regelung mit Ausnahmen, wie sie zuletzt Bestand hatte. Doch überraschend viele Menschen ließ der Streit ums Rauchverbot kalt. Von fast 230 000 Stimmberechtigten in Stadt und Landkreis Rosenheim ging nicht annähernd die Hälfte zum Volksentscheid.

OVB

© dpa

Sie gingen zum Volksentscheid: Ein Ehepaar in Tracht gestern bei der Stimmenabgabe in Amerang. Die Mehrheit der Wahlberechtigten in Stadt und Landkreis Rosenheim blieb den Urnen aber fern.

Rosenheim/Landkreis - Nur 41,8 Prozent der Wahlberechtigten stimmten in den 46 Landkreis-Kommunen mit Ja oder Nein, in der Stadt Rosenheim waren es 36,5. Eine Quote, die noch deutlich unter der Resonanz auf die Europawahl vom Juni 2009 mit 45,9 Prozent im Landkreis und 39,0 in der Stadt liegt.

In Rosenheim stimmten 61,0 Prozent für die strenge Version, im Landkreis Rosenheim waren es 59,2 und im Landkreis Traunstein 63,0.

Über die vielen daheimgebliebenen Nichtwähler werden sich vor allem die Anhänger der bisherigen Regelung ärgern, die das Rauchen in Nebenräumen von Wirtshäusern, in kleinen Kneipen und in Bierzelten erlaubt. Nun wird das Rauchen in Kneipen, Gaststätten und Bierzelten ausnahmslos verboten. Betroffen sind davon in Stadt und Landkreis Rosenheim nicht nur die rund 1700 Gaststätten, Cafés, Kneipen und Diskotheken, sondern auch das Rosenheimer Herbstfest - die Wiesn allerdings ab 2011, weil das strikte Rauchverbot erst ab 1. Oktober 2010 greift. Viele Gastronomen und Veranstalter müssen sich nun auf das bundesweit schärfste Verbot einstellen.

Zum vorhergesagten Kopf-an-Kopf-Rennen von Befürwortern und Gegnern kam es auch in der Region nicht. In den meisten Städten und Gemeinden war es eine klare Sache für die Anhänger ausnahmslos qualmfreier Lokale. Oft packten sie sogar klar die 60-Prozent-Marke, unter anderem in Schonstett (65,9), Gstadt (64,8), Stephanskirchen (64,6) und Neubeuern (63,4). Im westlichen Landkreis Traunstein lag die Zahl der Befürworter in allen Kommunen über 60 Prozent. Die große Ausnahme: Obing. Dort verbuchten die Rauchgegner mit 49,6 Prozent Befürwortern ihre einzige Niederlage in der gesamten Region.

Ähnlich knapp war es lediglich im Rosenheimer Landkreissüden an der Landesgrenze zu Österreich. In Oberaudorf sprachen sich "nur" 52,7 Prozent dafür aus, das Rauchen in der Gastronomie komplett zu verbieten und keinerlei Ausnahmen mehr zuzulassen, 47,3 Prozent stimmten für die lockere Variante. In Kiefersfelden war das Verhältnis mit 53,7 zu 46,3 ebenfalls noch relativ ausgewogen.

Am geringsten war die Beteiligung in Kiefersfelden (34,5 Prozent), Wasserburg (35,5), Rosenheim (36,5). Am höchsten war sie in der Mini-Gemeinde Chiemsee (lediglich knapp 180 Wahlberechtigte) mit 50 Prozent, gefolgt von Breitbrunn, Flintsbach, Höslwang und Pfaffing. Dort stand in Sachen Wahlbeteiligung überall eine 47 vor dem Komma.

"Die Leute, die seit Jahrzehnten keine Kneipe oder Diskothek mehr besucht und jetzt für den strikten Nichtraucherschutz gestimmt haben, werden die ersten sein, die sich nachts bei der Polizei wegen Lärmbelästigung beschweren, wenn sich die Raucher auf der Straße ihre Zigaretten anzünden", bedauert Georg Geiß, ehemaliger Rosenheimer Wirte-Sprecher und Betreiber der Lokale "Don Quichotte" und "Mojito Bar". Die ausgelassenen Jubelfeiern nach dem WM-Sieg gegen Argentinien, die sich bis spät in die Nacht zum Sonntag hineinzogen, habe möglicherweise viele jüngere Leute vom Urnengang abgehalten, vermutet er. Vor allem für die kleinen Kneipen sieht Geiß nun harte Zeiten zukommen, während Christine Mehlo-Plath, vom Rosenheimer Bündnis für echten Nichtraucherschutz das Ergebnis als "Gewinn für Bayern" wertet: "Für mich war der Volksentscheid ein Intelligenztest für die Bayern, und ich glaube, sie haben ihn bestanden."

Blickt man auf den Dezember 2009 zurück, so kommt die Mehrheit der Rauchgegner in der Region nicht überraschend. Schließlich hatte damals die Zustimmung für das Volksbegehren für einen strengen Nichtraucherschutz im Landkreis bereits deutlich über dem bayernweiten Durchschnitt gelegen. In den Landkreisen Rosenheim und Traunstein hatten sich damals 16,4 Prozent in die Listen eingetragen. In ganz Bayern waren es 13,9 Prozent - ein Ergebnis, das die Rauchgegner die notwendige Zehn-Prozent-Hürde überspringen ließ und den Weg zum gestrigen Volksentscheid erst frei machte. In Stephanskirchen (21 Prozent) und Amerang (20,8 Prozent) hatte das Volksbegehren Ende 2009 besonders viele Befürworter gefunden.

von Ludwig Simeth

Mehr zum Volksentscheid:

www.rosenheim24.de/tipps

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