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Samerberg: Streit um Mountainbike-Strecke

Streit um Mountainbike-Strecke

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Samerberg - Hindernisparcours, Sprungschanzen, rasante Steilstellen und 44 Kurven: Ein "Bikepark" ist in den vergangenen zwölf Monaten am Samerberg entstanden. Zwei Kilometer lang ist die Abfahrtsstrecke für Mountainbiker, die von der Hochries-Mittelstation zur Talstation führt.

OVB

© Hötzelsperger

44 Kurven und 18 Sprungschanzen: Optimale Bedingungen für "Dirtbiker" und "Freerider" verspricht der Bikepark.

Doch wenige Tage vor der geplanten Eröffnung gibt es noch immer keine Einigung zwischen Bikepark-Betreiber und Hochriesbahn. Es geht um die Frage, zu welchen Konditionen Mountainbiker den Sessellift benutzen können.

"Eine wohltuende Belebung für die Hochriesbahn" werde die neue Mountainbike-Strecke, heißt es in einem Werbetext der Tourismusinfo Samerberg. "Mit eigens vorgesehenen Halterungen am Sessellift können die Biker in Zukunft gemütlich bergaufwärts", ist zu lesen. Doch noch ist unklar, ob die Mountainbiker nicht bergauf treten müssen.

Über zwei Kilometer lang ist die Strecke, die über 220 Höhenmeter auf verschiedenen Routen ins Tal führt. Auf den ersten Blick bietet das Projekt gleich mehrere Vorteile: Der Samerberg ist um eine in der Region einzigartige touristische Attraktion reicher, Mountainbiker werden von der Zufahrtsstraße zur Mittelstation weggelockt, wo es immer wieder Probleme mit Wanderern gibt und nicht zuletzt hat die Gemeinde damit auch ein zusätzliches Freizeitangebot für die eigene Jugend. "Gerade von Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben wir ungeheuer viel Zuspruch und unentgeltliche Hilfe bekommen", erzählt Peter Brodschelm. Er betreibt am Samerberg ein Reisebüro und eine Bike-Schule und hat das Konzept für die Mountainbike-Abfahrt entwickelt. Zusammen mit vielen Helfern hat er die Strecke in den letzten zwölf Monaten angelegt.

Eröffnung steht vor der Tür

Die Bauarbeiten sind mittlerweile abgeschlossen, Sponsoren mit an Bord geholt und der Termin für die Eröffnung am Samstag, 6. Mai, rückt immer näher. Doch im entscheidenden Punkt, zu welchen Konditionen die Mountainbiker den Sessellift benutzen können, um zum Start der Abfahrtsstrecke zu gelangen, gibt es keine Einigung mit der Hochriesbahn, die von der Gemeinde Samerberg und der Rosenheimer Sektion des Alpenvereins betrieben wird.

"Eine solche Anlage lässt sich nur über Tageskarten ähnlich wie Skipässe betreiben", sagt Brodschelm und verweist auf erfolgreiche Vorbilder in Österreich. Ein Preis von 23 Euro für die Tageskarte ist seiner Überzeugung nach realistisch. Seine Vorstellung: Sein Unternehmen verkauft die Tageskarten an die Mountainbiker. Die Kunden können samt Fahrrad beliebig oft mit dem Sessellift zur Mittelstation fahren. Im Gegenzug erhält die Hochriesbahngesellschaft pauschal einen festen Anteil von jeder verkauften Tageskarte. "Diese Lösung war seit einem Jahr der Gegenstand unserer Gespräche", betont Brodschelm, "es war klar, dass dies eine Grundvoraussetzung für den Bikepark war". Immer wieder sei man vertröstet worden, stets habe es geheißen, man werde schon eine Lösung finden.

Vergangene Woche kam nun die Nachricht, dass die Hochriesbahn dieses Modell nicht mittragen wird. Die Bahn will stattdessen eine Abrechnung, die auf der Zahl der tatsächlichen Abfahrten beruht. Von jedem Bikepark-Besucher soll per Scanner und Strichcode ermittelt werden, wie oft er den Sessellift benutzt und am Ende des Tages soll Brodschelm diese Fahrten der Bahn bezahlen - zu einem reduzierten Sonderpreis. "Unannehmbar", meint Brodschelm. "Wenn den Kunden die Strecke gefällt und sie möglichst viel fahren, zahlen wir am Ende sogar drauf."

Doch den schwarzen Peter will sich Franz Knarr, Vorsitzender der Rosenheimer Alpenvereins-Sektion, nicht zuschieben lassen. Nachdem ein privater Betreiber mit der Hochriesbahn gescheitert war, stiegen vor zwei Jahren die Gemeinde Samerberg und der Alpenverein gemeinsam ins Boot, um die Bahn zu retten. Die Gemeinde fürchtete um ihre touristische Attraktivität, der Alpenverein um die Versorgung des Hochries-Gipfelhauses.

Hochriesbahn fürchtet Zusatzkosten

Natürlich habe es viele Gespräche gegeben, so Knarr, und der Betreiber habe seine Vorstellungen erläutert, aber es habe keine Zusagen gegeben. "Wir sind natürlich froh, wenn der Bikepark funktioniert, aber wir lassen uns nichts zu unserem Nachteil diktieren", sagt Knarr. Er verweist darauf, dass die Bahn einen zusätzlichen Personalaufwand habe, um die Mountainbikes am Sessellift einzuhängen und abzunehmen. Die Bahn möchte am Ende nicht auf diesen Zusatzkosten sitzenbleiben.

"Die Gesellschaft ist angetreten, die Hochriesbahn so zu betreiben, dass weder öffentliche Gelder der Gemeinde, noch Gelder des Alpenvereins notwendig sind", betont Knarr. Zwei Jahre hat es gedauert, die Bahn wirtschaftlich wieder in die Spur zu bringen. Nun schreibt man eine schwarze Null - ein Erfolg, den weder Gemeinde noch Alpenverein in Gefahr bringen wollen.

Brodschelm dagegen hätte sich von Seiten der Bahn mehr Initiative gewünscht. "Sogar die Haken für den Radtransport per Sessellift haben wir auf unsere Kosten geliefert", meint er. Mit 1500 bis 2500 Nutzern rechnet er im Jahr. Damit könnte man den Bikepark führen. Allein für den Unterhalt der Strecke kalkuliert er jedes Jahr mindestens 18.000 Euro.

Langsam wird die Zeit knapp. Es müssen beispielsweise noch Karten gedruckt und die technische Infrastruktur für die Abrechnung installiert werden. Was passiert nun am 6. Mai, wenn es keine Einigung gibt? "Egal wie die Sache ausgeht, wir werden eröffnen", sagt Brodschelm.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

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