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Schluss mit dem Wachstum auf Pump

Ernst-Freiberger-Stiftung weist Wege zu Zufriedenheit in schwieriger Zeit auf

Schluss mit dem Wachstum auf Pump

111.05.10|Rosenheim Land|Rosenheim Land|
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Artikel: Schluss mit dem Wachstum auf Pump

Amerang/Berlin - Die Zeiten, in denen wirtschaftliches Wachstum der Politik ein volles Füllhorn bescherte, das sie dann über dem Wahlvolk leeren konnte, sind endgültig vorbei. Das Nettoeinkommen wächst kaum noch, die deutschen Rentner müssen sich in diesem Jahr - und wohl auch in den nächsten - mit Nullrunden abfinden. Nicht nur bedingt durch die weltweite Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise hat die öffentliche Hand Schuldenberge angehäuft, die kaum noch abzutragen sind.

Die drängenden Fragen sind nun: Ist die Bevölkerung überhaupt darauf vorbereitet, dass sie den Gürtel enger schnallen muss, wie wird sie darauf reagieren und muss sinkender materieller Wohlstand auch automatisch zu weniger persönlicher Zufriedenheit führen?

Die von dem Ameranger Unternehmer Ernst Freiberger gegründete und nach ihm benannte Stiftung beschäftigt sich seit Jahren mit grundlegenden Problemen unserer Gesellschaft. Zum geistigen Zentrum ist der "Ameranger Disput" geworden, in dessen Rahmen nun versucht wurde, Antwort auf die gestellten Fragen zu geben. In Berlin stellten der Geschäftsführer der Stiftung, Professor Dr. Christoph Stölzl, und der Sozialwissenschaftler Professor Dr. Meinhard Miegel die Ergebnisse der Arbeitsgruppe "Zufriedenheit" vor.

Demnach halten es die meisten Menschen für bedeutsam, gute Freunde und eine intakte Familie zu haben, doch gutes Geld zu verdienen und wirtschaftlich voranzukommen, ist für sie wichtiger. Entsprechend wird ein anhaltender Rückgang des materiellen Lebensstandards die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung spürbar dämpfen. Insbesondere wenn materielle Verluste verbunden sind mit Arbeitslosigkeit, höherer Arbeitsbelastung oder zunehmender Einkommensungleichheit, wird die Unzufriedenheit wachsen und möglicherweise auch Folgen für die politische Ordnung haben. Verstärkt werden diese Gefahren, wenn die Einbußen nicht auf alle Schichten der Bevölkerung gleich verteilt werden. Es bestehe die Gefahr, so hieß es, dass sich der Abstieg auf ohnehin benachteiligte und schlecht ausgebildete Bevölkerungsteile konzentriere. Wenn aber die Schere zwischen Reich und Arm sich weiter öffne, berge das erheblichen sozialen Sprengstoff.

Die Ernst Freiberger-Stiftung hat sich nicht mehr der Analyse begnügt, sondern zugleich konkrete Vorschläge zur Überwindung der Probleme vorgelegt. Dazu gehört an erster Stelle, die Bevölkerung über Möglichkeiten und Grenzen künftiger materieller Wohlstandsmehrung aufzuklären und unrealistischen Erwartungen vorzubeugen. Durch verlässliche Mindestsicherungen müssten materielle Untergrenzen abgesichert und dadurch allzu große Einkommensspreizungen vermieden werden. Ein hoher Beschäftigtenstand sei unter anderem durch eine nachhaltigere, Ressourcen schonendere und zugleich arbeitsintensiver produzierende Wirtschaft zu sichern. Schließlich müsse die Fähigkeit, aus immateriellen Quellen wie Gesundheit oder stabilen familiären und menschlichen Beziehungen Zufriedenheit zu ziehen, gestärkt werden.

Die Botschaft der Arbeitsgruppe lautet denn auch: Die Politik des Wachstums auf Pump muss der Vergangenheit angehören. Und vor allem: Die Bürger dürften nicht in Panik geraten. Gemeinsam sei zu überlegen werden, wie mit der neuen Situation dauerhaft umgegangen werden müsse. re

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