Rosenheim - Wie kaum ein anderer Mensch ist ein Blinder auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel angewiesen. Deshalb hat der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) große Hoffnungen in die Neugestaltung des Rosenheimer Bahnhofs gesetzt. Am Tag des weißen Stockes machten die Mitglieder der Bezirksgruppe Rosenheim die Probe aufs Exempel und kämpften sich zum ersten Mal durch den neu gestalteten Verkehrsknotenpunkt.

© Duczek
Blinde und Sehbehinderte erprobten unter Leitung von Friedrich Gerlmaier (links) die Nutzung des Rosenheimer Bahnhofes - von der Eingangshalle bis zu den Bahngleisen.
Menschenmassen, die ins Foyer strömen oder heraus, Hürden in Form von Koffern, die sich in den Weg stellen, steile Treppen, breite Unterführungen, enge Bahnsteige, dazu der Lärm der vielen Stimmen, der an- und abfahrenden Züge: Kaum vorstellbar, dass Blinde oder Sehbehinderte einen Bahnhof ohne Begleitung nutzen können. Doch es geht, wenn taktile Leitsysteme wie in Rosenheim den weißen Stock führen, Blindenschrift an Handläufen den Weg zeigt, Türen sich automatisch öffnen, sobald sich ein Fahrgast ihnen nähert, Lautsprecher im Aufzug auf die angesteuerten Ebenen hinweisen.
Wie, zeigte die Begehung, an der neben Bahnhofsmanager Zöpfel auch die stellvertretende Landrätin Marianne Loferer und Rosenheims Zweiter Bürgermeister Anton Heindl sowie die Behindertenbeauftragte Christine Mayer teilnahmen.
Deutlich stellte sich bei der Begehung außerdem heraus: Allein mit der Bahn zu fahren ist und bleibt für Sehbehinderte - trotz moderner Leitsysteme - eine große Herausforderung. Auf Durchsagen etwa zu Gleisänderungen können sie oft nicht schnell genug reagieren. Im Gedränge fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Und der hohe Lärmpegel erschwert den Einsatz des wichtigsten Sinnesorganes: des Ohres.
duc/Oberbayerisches Volksblatt
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