Rosenheim - Wolfgang Zeller ist Schulleiter an der Volksschule im Rosenheimer Ortsteil Aising. Knapp 500 Kinder und Jugendliche besuchen die Grund- und Hauptschule. Zeller plädiert vehement für den Ausbau der Schulsozialarbeit.

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Bei der Vorbereitung einer Streitschlichtersitzung mit einigen Schülerinnen: Rektor Wolfgang Zeller. Foto re
n Welche Rolle spielt die Schulsozialarbeit an der Volksschule Aising?
Ich bin heilfroh, dass wir an unserer Volksschule Meike Busch als Schulsozialarbeiterin des Vereins "Pro Arbeit" haben. Wenn es dieses Angebot nicht mehr gibt, können wir zusperren.
n Das klingt jetzt etwas drastisch.
Das ist auch so gemeint. Die Lehrer stehen heute bereits in der Grund- und in zunehmendem Maße in der Hauptschule vor einer schwierigen Situation. Viele Schüler kommen in den Unterricht und sind mit den Problemen belastet, die sie zuhause bei ihren Familien spüren. Und diese Belastungen wirken sich in der Schule auf ihr Verhalten aus. Lehrer müssen sich heutzutage mit einerseits überbehüteten und zugleich mit elternfernen Kindern beschäftigen. Und der Aufwand für diese Erziehungsarbeit hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Der Schule kommt dabei entscheidende Bedeutung zu, denn sie ist das letzte Refugium, wo wir als Gesellschaft noch an die Kinder herankommen. Doch mit dieser Aufgabe sind die Lehrer allein überfordert. Wir brauchen genau hier die professionelle Unterstützung durch Sozialpädagogen.
n Wie schaut die Schulsozialarbeit an Ihrer Schule denn genau aus?
n Was würden Sie sich denn idealerweise wünschen?
Ich bräuchte mindestens zwei Sozialarbeiter in der Hauptschule, die Tag für Tag da sind und einen weiteren für die Grundschule. Im Augenblick habe ich eine Kraft, die eine tolle Arbeit macht. Aber sie ist nur von Montag bis Donnerstag 20 Stunden verfügbar. Das ist eindeutig zu wenig. Denn neben den Programmen brauchen die Lehrer unmittelbare Hilfe, wenn am Vormittag eine Situation eskaliert. Das lässt sich nicht planen, da muss bei Bedarf jemand vor Ort sein, der mit dem Schüler einzeln spricht, bei Konflikten vermittelt, die Eltern hinzuzieht oder, wenn nötig, das Jugendamt einschaltet. Das ist unglaublich wichtig, aber wie soll ein Lehrer hier reagieren können, wenn zugleich der Unterricht mit 25 Schülern weiterlaufen muss? Die Zeit hat er ja gar nicht.
n Wie erklären Sie sich, dass es offenbar immer mehr Kinder gibt, die eine solche Unterstützung benötigen?
In den Familien gibt es heute vielfältige Probleme, die massiv ins Leben der Kinder hineinspielen. Neben Sorgen um die Arbeitsstelle, Stress im Job oder sozialen Schwierigkeiten weigern sich manche Eltern oder Elternteile, ihre Kinder zu erziehen. Dazu kommt ein extensiver Konsum der neuen elektronischen Medien, der jeden Spielraum für Fantasie abtötet.
n Wo bleibt denn dann der Unterricht?
Genau das ist der Punkt. So wie es jetzt läuft, bleibt der Unterricht auf der Strecke. Die Schulen brauchen aber Ruhe, um arbeiten und den Schülern Wissen vermitteln zu können. Die Spitzenergebnisse, die Finnland bei den Pisa-Tests erreicht hat, sind doch kein Zufall. In kleinen Klassen an kleinen Schulen können Lehrkräfte dort ihre ganze Energie dem Unterricht zuwenden. Ihnen steht ein eingespieltes Team an Helfern zur Verfügung, Sitzenbleiben ist unökonomisch und Förderschulen gibt es nicht. Bei extremen Lernproblemen schreibt das Gesetz Spezialkonferenzen inklusive Schularzt und Eltern vor.
n Geht es ohne Schulsozialarbeit überhaupt noch?
Wenn Sie uns die Schulsozialarbeit nehmen, dann bricht das System Hauptschule zusammen. Da spreche ich nicht nur für meine Schule. Und nicht nur wir an den Hauptschulen haben mit diesen Problemen zu kämpfen: Auch Realschulen und Gymnasien haben bereits Bedarf angemeldet. Der Staat steht hier in der Pflicht, seiner Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden. Wie auch immer: Wer heute Gelder für die Schulsozialarbeit einspart, muss später ein Vielfaches für soziale Hilfeleistungen ausgeben! Interview: Klaus Kuhn
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