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Langer Abend für Bahnpendler

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"Die Weiterfahrt des Zuges verzögert sich auf unbestimmte Zeit." Tausende von Bahnpendlern kennen diesen Satz nur zu gut. Am Donnerstag war es wieder einmal so weit. Wegen eines Oberleitungsschadens musste die Bahnstrecke zwischen Rosenheim und München im abendlichen Berufsverkehr komplett gesperrt werden. Für unzählige Reisende und Pendler bedeutete das Verspätungen von bis zu zwei Stunden.

OVB

© Reisner

Kabelsalat auf der Lok: Auf einer Länge von 60 Metern riss der EC die Oberleitung ab. 70 Minuten Verspätung nach Innsbruck meldete die Anzeigentafel am Bahnsteig (Bild oben rechts). Nicht alle Fahrgäste reagierten so gelassen wie Marion Oster, die von München bis Rosenheim zwei Stunden unterwegs war. Fotos Reisner/unf/Aerzbäck

Rosenheim/Landkreis - 13 000 Menschen pendeln täglich aus Stadt und Landkreis Rosenheim Richtung München, die meisten davon mit der Bahn. Am Donnerstagabend kam es für sie richtig dicke: Um 17.56 Uhr beschädigte ein aus Italien kommender EC bei der Ausfahrt aus dem Rosenheimer Bahnhof auf einer Länge von 60 Metern die Oberleitung. Stromführende Kabel baumelten von den Masten herab.

"Grund für den Schaden war ein abgerissenes Tragseil der Oberleitung", erklärte gestern Bahnsprecher Franz Lindemair. Wie es zu dem Schaden kommen konnte, werde noch geklärt. Zwei Stunden dauerte es, bis eine Ersatzlok den Unglückszug zurück in den Rosenheimer Bahnhof zog und die 200 Reisenden den Zug verlassen konnten. Die Klimaanlage, so erzählte es eine Insassin später, funktionierte in dieser Zeit leider nicht - das alles nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt.

Wegen der herabhängenden Kabel mussten zunächst beide Gleise Richtung München gesperrt werden. Züge, die bereits nach Rosenheim unterwegs waren, wurden auf offener Strecke gestoppt. Bautrupps machten sich am Rosenheimer Bahnhof sofort an die Arbeit. Eine Stunde dauerte es, bis die gefährlichen Kabel beseitigt waren und das unbeschädigte Gleis wieder geöffnet werden konnte. Ein Teil des Verkehrs konnte über diesen Schienenstrang abgewickelt werden, ein anderer Teil nahm den Umweg über Holzkirchen. Allerdings kam es zu massiven Verspätungen. Zahlreiche Reisende, die in Rosenheim Richtung Innsbruck umsteigen wollten, verpassten ihre Anschlüsse.

Wer sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Zug auf der Strecke befand, hatte sich ebenfalls in Geduld zu üben. In Aßling mussten die Fahrgäste in die Regionalbahn nach Großkarolinenfeld umsteigen. Von dort ging es per Bus nach Rosenheim weiter. "Im Zug war angekündigt worden, dass Busse bereit stünden. Doch in Großkaro mussten wir erst zehn Minuten warten, bis ein Bus kam - und der reichte natürlich bei weitem nicht aus. Das Gedränge war groß", schilderte gestern ein Fahrgast die Situation. Knapp eineinhalb Stunden nach der Abfahrt vom Münchner Ostbahnhof erreichten die ersten Bahnfahrer schließlich Rosenheim.

Dort warteten Hunderte von Menschen auf die nächste Fahrgelegenheit. Manch erfahrener Bahnfahrer hatte sich bereits in sein Schicksal ergeben. Zwei Chiemgauer sind offenbar Schlimmeres gewöhnt: "Wir sind Pendler und fahren beide nach Bernau. Jetzt warten wir eine halbe Stunde, das Chaos hält sich ja noch in Grenzen."

Gelassen sah es auch Marion Oster aus Teisendorf: "Ich komme aus München und will eigentlich nach Hause. Jetzt bin ich schon über zwei Stunden unterwegs, aber was will man machen?" Auch Matthias Grießl aus Bad Endorf zeigte sich geduldig: "In München habe ich eine halbe Stunde gewartet und hier in Rosenheim muss ich wohl nochmal eine halbe Stunde warten. Es ist jetzt nicht so tragisch. Andere haben ihr Flugzeug verpasst, das ist wesentlich schlimmer."

OVBGeringes Wachstum auf hohem Niveau: Die Zahl der Pendler Richtung München hat sich in den letzten zehn Jahren geringfügig erhöht.

Doch nicht alle Fahrgäste hatten auf den überfüllten Bahnsteigen so die Ruhe weg: So wurde für einen Regionalzug nach München gleich mehrmals im Minutentakt ein anderes Gleis durchgesagt. Immer wieder setzte sich die Menschenmasse in Bewegung, um nach der nächsten Durchsage wieder umzukehren und sich erneut die Treppen in die Unterführung hinabzuzwängen. Nach der vierten Gleisänderung platzte einigen Pendlern schließlich der Kragen: Wütend warfen sie Absperrungen in der neuen Bahnhofsunterführung um.

Auch wer am Donnerstagabend mit dem Zug von Rosenheim in die Landeshauptstadt wollte, musste eine große Portion Geduld aufbringen. Der Zug, der um 19.30 Uhr in Rosenheim abfahren sollte, startete erst mit großer Verspätung und machte den Umweg über Holzkirchen. Mit einigen Unterbrechungen erreichten die Fahrgäste nach rund zwei Stunden den Münchner Hauptbahnhof.

Die Arbeiten an der beschädigten Oberleitung dauerten die ganze Nacht über. Erst um 5 Uhr morgens konnte die Strecke nach Angaben der Bahn freigegeben werden.

Fotos auf

www.rosenheim24.de/extra

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