1726.11.09|Rosenheim Land|Rosenheim Land
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"Ein klarer Fall von Hausfriedensbruch und Diebstahl." So sieht es Landwirt Georg Dinzenhofer aus Prutting. "Mir blieb nichts anderes übrig, als die Katzen mitzunehmen. Sie waren dem Tod geweiht", rechtfertigt Hildegard Wimmer ihr rigoroses Vorgehen. Ohne zu fragen, holte die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Mensch und Tier mit einigen Mitstreitern vier Katzen von Dinzenhofers Hof.

Ein beliebter Katzentreff ist die Heizkammer von Landwirt Georg Dinzenhofer (links) in Prutting. Tierschützerin Hildegard Wimmer (rechts) nahm dort, ohne zu fragen, vier Tiere mit, um sie behandeln zu lassen. Sie zeigt ein Bild einer todkranken Katze. Bei dem Tier handelt es sich nicht um eine der Katzen, um die es in dem Streit geht. Fotos schlecker/ls
Rosenheim - Der Milchbauer traute seinen Augen kaum, als er vor Wochen drei fremde Menschen mit Katzenkäfigen aus seiner Heizkammer kommen sah. Er stellte sie zur Rede. Die Tiere seien krank und müssten deshalb mitgenommen werden, erklärte ihm Wimmer. Der Landwirt ließ sich darauf ein - "unter der Bedingung, dass ich die Katzen zurückbekomme".
Doch er bekam sie nicht wieder - und wandte sich an die Öffentlichkeit. Kommt der Tierschutz vor den Persönlichkeitsrechten eines Menschen? Eine Frage, für die sich auch das BR-Magazin "Quer" interessiert. In der Sendung heute Abend geht es um den Tierraub - oder die Katzenrettung (je nach Blickwinkel) von Prutting.
Dass die Tierschützer unbefugt seinen Hof betreten haben, ist für Dinzenhofer zweitrangig. "Ich habe meinen Laden im Griff und lasse mich nicht als Tierschänder hinstellen. Das kratzt an der Ehre", sagt er.
Den 15 überwiegend jungen Katzen auf seinem Hof gehe es gut. Und wenn ein Tier krank oder verletzt sei, überlasse er es nicht seinem Schicksal. So auch einen Tag vor dem unangemeldeten Besuch der Tierschützer. Da ließ Dinzenhofer ein Katzenbaby von seinem Hoftierarzt anschauen, weil es offenbar an einem Katzenkatarrh litt und ein Auge eitrig war. Der Veterinärmediziner gab dem Tier eine Spritze.
Dinzenhofer will das nicht glauben: "Bei mir auf dem Hof ist noch nie eine Katze einfach so eingegangen, da schießen die Tierschützer weit übers Ziel hinaus." Ein Hinweis aus der Nachbarschaft, so Wimmer, habe sie dazu veranlasst, zu dem Hof zu fahren. Sie habe mehrmals geklingelt, ehe sie durch die offene Tür des Heizraums die Katzen sah. Dinzenhofer hält dagegen: "Ich war in der Küche. Die Klingel funktionierte und ich hätte sie gehört, wenn sie geläutet hätte. Aber es hat niemand geläutet."
Dass sie die Katzen aus der Kammer geholt hat, empfindet die engagierte Tierschützerin - 2001 bekam sie sogar den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt - nicht als Rechtsbruch. Im Gegenteil: "Wenn ich gegangen wäre, hätte ich mich strafbar gemacht - wegen unterlassener Hilfeleistung."
Mit Verwunderung nimmt den Fall das Rosenheimer Landratsamt zur Kenntnis. Wer den Verdacht habe, dass Tiere gequält oder vernachlässigt werden, solle das Veterinäramt oder die Polizei informieren statt Selbstjustiz zu üben. "Das kann man tun, aber die Behörden unternehmen doch in solchen Fällen sowieso nichts", winkt Wimmer ab und verweist auf Österreich. Dort gebe es ein Kastrationsgebot für Katzen, das gerade auf Bauernhöfen vielen jungen Tieren Leid erspare. Für ein derartiges Gesetz engagiert sich die IG Mensch und Tier auch in der Region. Wie geht es nun weiter? Dinzenhofer erklärte, er werde die Tierschützerin nicht verklagen, wolle aber seine Katzen wieder zurückhaben. Doch Wimmer will sie nicht mehr herausgeben.
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