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Das Ende des Wembley-Mythos

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Artikel: Das Ende des Wembley-Mythos

Die 38. Minute des Spiels Deutschland gegen England: Frank Lampard hämmert den Ball unter die Latte, das Spielgerät prallt zu Boden und springt von dort Richtung Strafraum. Millionen von Fernsehzuschauern auf der ganze Welt sehen, dass der Ball die Torlinie überquert hat. Nur der Schiedsrichter nicht. Das Tor wird nicht gegeben. Seitdem wird die Einführung eines Funkchips im Ball diskutiert, um solche Fehlentscheidungen zu verhindern. Ein einsatzfähiges System gibt es bereits. Die Technik dafür kommt aus Rosenheim. Entwickelt wurde sie von der Firma Kathrein.

OVB

© dpa

Drin oder nicht? Wird der Chip im Ball tatsächlich eingeführt, hat ein neuer Wembley-Mythos keine Chance mehr. Das System meldet unbestechlich, ob der Ball die Torlinie überquert hat.

Rosenheim/Südafrika - War er drin oder nicht? Beim Wembley-Tor, das die WM 1966 entschied, wird heute noch diskutiert. Bei seinem Gegenstück im Jahr 2010 war die Sachlage eindeutig: Er war drin. Nur der Schiedsrichter hatte aus seiner Perspektive keine Chance, das reguläre Tor zu erkennen. Seitdem wird über die Einführung eines Chips im Fußball diskutiert. Er könnte - ganz ohne den von der FIFA abgelehnten Videobeweis - den Schiedsrichtern einen eindeutigen Beleg liefern.

Einführen könnte man den Chip rasch: Es gibt bereits ein fertiges System. Das Konzept liegt auch schon bei der FIFA vor. Entwickelt hat es die Firma Cairos Technologies mit Sitz in Ismaning. Die Technik dafür kommt von der Firma Kathrein aus Rosenheim. "Wir haben die Systementwicklung seit Jahren bis heute begleitet und unterstützt", erklärt Firmeninhaber Anton Kathrein. Die gesamte Elektronik für diese Innovation im Fußballsport wurde in Rosenheim entworfent. "Kathrein hat hier seine Kompetenzen in Funkübertragung, Spezialantennen sowie schnelle Signalübertragung über Optik eingebracht", berichtet Ralf Exler. Er ist Entwicklungsleiter bei der Kathrein-Werke KG.

Die Tormeldung kommt per Funksignal

Das System funktioniert folgendermaßen: Hinter der Torlinie ist ein Kabel verlegt, durch das ein schwacher Strom fließt und so ein Magnetfeld erzeugt. Nähert sich der Ball der Linie, registriert ein im Ball befindlicher Sender das elektromagnetische Feld und schickt Daten an zwei Antennen, die neben dem Tor stehen. Der nur 20 Gramm schwere Funkchip wird durch spezielle Fäden in der Mitte des Spielgeräts fixiert, ohne die Flugeigenschaften zu beeinträchtigen.

Hat der Ball die Linie vollständig überquert, kann die Tormeldung per Funk innerhalb von Sekundenbruchteilen an die Uhr des Schiedsrichters gesendet werden. "Dieses System stellt eindeutig sicher, ob der Ball im Tor war oder nicht", erklärt Exler.

Ob das System tatsächlich eingeführt wird, hängt von der FIFA ab. Deren Chef Sepp Blatter lehnt bislang vor allem den Videobeweis vehement ab. Die Flut von Fehlentscheidungen bei der aktuellen WM in Südafrika hat aber eine Diskussion um die Einführung von technischen Hilfsmitteln ins Rollen gebracht und noch ist nicht klar, ob sich die FIFA dem ganz entziehen kann.

Der Fußball mit dem Chip in seinem Herzen wurde bereits 2007 auf seine Praxistauglichkeit geprüft. An Kathrein würde die Einführung zumindest nicht scheitern. "Wir sind in der Lage, die entsprechenden Infrastrukturelemente kurzfristig zu produzieren und gemeinsam mit Caios Technologies zu liefern", erklärt Kathrein. Der Chip im Ball wäre damit schnell realisierbar. Für die Engländer kommt er aber in jedem Fall zu spät.

Kathrein-Technik für TV-Übertragungen

Kathrein-Technik ist aber schon heute bei der Fußball-WM im Einsatz. Denn Know-how aus Rosenheim sorgt dafür, dass der sportliche Wettstreit der 32 Teams rund um den Globus übertragen werden kann. Zusammen mit der Spezialfirma Studio Wächter aus Moosinning lieferte Kathrein die Programmaufbereitung für das Kabelfernsehen im 95000 Zuschauer fassenden Soccer-City-Stadium in Johannesburg. Die 40 analogen TV-Kanäle werden von den im Medienzentrum tätigen internationalen Sendeanstalten hauptsächlich für die WM-Live-Übertragungen genutzt. Auch das Finale am 11. Juni findet in diesem Stadion statt.

von Robert Feiner und Klaus Kuhn

Mehr zur Fußball-WM unter

www.rosenheim24.de/wm

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