Rosenheim/Landkreis - Florian Niedung, Philipp Grießl, Alexander Schneider und Matthias Cleß gehören einer "aussterbenden Spezies" an. Die jungen Männer zählen zu den letzten Zivildienstleistenden in Stadt und Landkreis Rosenheim. Ihr Dienst geht nun zu Ende. Die Suche nach freiwilligen Ersatzkräften gestaltet sich schwierig. Einige soziale Einrichtungen sehen ihr Angebot durch den Wegfall der Zivildienstleistenden sogar in Gefahr.

© Schlecker
Studium oder Berufleben beginnen in Kürze: Für Matthias Cleß, Alexander Schneider, Philipp Grießl und Florian Niedung (von links) ging nun ihre Zeit als Zivildienstleistende bei den "Caritas-Ambulanten Hilfen für Menschen mit Behinderung" zu Ende.
"Das war eine super Erfahrung für uns", sind sich Niedung, Grießl, Schneider und Cleß einig. Ganz bewusst hatten sie sich gegen die Bundeswehr und für den Zivildienst entschieden. Zum Einsatz kamen sie bei den "Caritas-Ambulanten Hilfen für Menschen mit Behinderung" in Rosenheim. Drei der Zivis fungierten als Schulbegleiter. Einer übernahm Hausmeistertätigkeiten.
Mit dem Zivildienst endet für Florian Niedung eine "schöne und erlebnisreiche Zeit". Er habe dadurch zu schätzen gelernt, gesund zu sein und helfen zu können. Darum könne er die Abschaffung des Zivildienstes nicht nachvollziehen: "Davon profitiert man auch selbst. Man lernt viel für das Leben."
Ganz ähnlich betrachtet das Philipp Grießl aus Bad Endorf. Er wird demnächst mit einem Mechatronik-Studium beginnen. Pflegeberufe interessieren ihn eigentlich nicht. Trotzdem bereut er seine Zeit bei der Caritas überhaupt nicht. "Der Zivildienst hat auf jeden Fall viel gebracht", meint er. Vor allem würde man das Leben dadurch mit anderen Augen sehen: "Menschen mit Behinderung sind oft zufriedener als die Gesunden. Das gibt zu denken."
Ähnliche Erfahrungen haben auch Alexander Schneider aus Rosenheim und Matthias Cleß aus Stephanskirchen gemacht.
Sie alle würden sich wieder für den Zivildienst entscheiden. Doch damit ist es nun in Deutschland vorbei. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 entfällt dafür die Grundlage. Dafür gibt es nun den Bundesfreiwilligendienst. Er steht Männern und Frauen in allen Altersgruppen offen.
Bis jetzt habe man durch den Bundesfreiwilligendienst noch keine Nachfolger für die Zivis gefunden. "Die Freiwilligen interessieren sich mehr für sogenannte schöne soziale Arbeit, wie etwa in Kindergärten", so die Erfahrung von Struve.
Für ihre Einrichtung würde das bedeuten, dass man wohl auf "ehrenamtliche Mamis" zurückgreifen müsse, um auch weiterhin Angebote wie etwa eine Schulbegleitung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung aufrechterhalten zu können.
Für die Betroffenen selbst sei das aber keine sehr gute Lösung: "Die wünschen sich Helfer in ihrem Alter. Das ist eine ganz andere Beziehung." Doch auch ältere Menschen hätten in der Vergangenheit durch den Einsatz der Zivildienstleistenden profitiert: "Sie haben so viel Frische und Frohsinn in den Alltag gebracht."
Sorgenvoll in die Zukunft blickt man derzeit auch in vielen Altenheimen. "Die Suche nach neuen Hilfskräften gestaltet sich sehr schwierig", meint nicht nur Elisabeth Schneider-Treml, Pflegedienstleiterin des BRK-Seniorenheims Küpferling. Bis jetzt habe man noch keine Lösung für dieses Problem gefunden.
Im Romed-Klinikum Rosenheim gab es 34 Zivi-Stellen. Zurzeit absolvieren dort noch sieben Zivildienstleistende ihren Dienst. Der letzte verlässt das Haus am 15. Juli.
Auch im Romed-Klinikum Rosenheim sieht man in dem Wegfall der Zivi-Stellen einen Verlust. Die Bewerbungen für den Bundesfreiwilligendienst laufen auch dort zäh an, obwohl schon viel dafür geworben wurde.
Das Ministerium hat nun eine neue Plakat-Kampagne für den Bundesfreiwilligendienst gestartet. Daran beteiligen sich neben dem Klinikum Rosenheim auch noch viele weitere soziale Einrichtungen in Stadt und Landkreis. Man hofft, auf diese Weise doch noch Freiwillige finden zu können, die die Zivildienstleistenden in Zukunft ersetzen.
Karin Wunsam (Oberbayerisches Volksblatt)
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